Dschibuti: Hilfslieferungen für Äthiopien stecken im Hafen fest

Schwache Infrastruktur und Bürokratie führen zu langen Wartezeiten

Von James Jeffrey | 17.08.2016

Dschibuti. Es ist ein extrem heißer Nachmittag im geschäftigen Hafen von Dschibuti. Förderbänder transportieren unzählige Weizensäcke auf die Ladefläche eines Lastwagens. Wenig später setzt sich der LKW in Richtung Äthiopien in Bewegung, wo die schlimmste Dürre seit 30 Jahren die Ernährung von Millionen Menschen gefährdet.

Weizensäcke werden im Hafen von Dschibuti auf LKWs verladen (Bild: James Jeffrey/IPS).

Die anhaltende Trockenheit ist eine Folge des Klimaphänomens El Niño. In Teilen Äthiopiens hat die Dürre bis zu 90 Prozent der Ernte vernichtet. Laut Regierungsangaben sind mehr als zehn Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, NGOs wie die österreichische Caritas sprechen sogar von 18 Millionen Menschen.

Kein anderes Land in Afrika hat einen höheren Bedarf an Weizen als Äthiopien. Angesichts der Ernährungskrise hat die Regierung beschlossen, große Weizeneinkäufe im Ausland zu tätigen. Dadurch ist der Hafen im Nachbarland Dschibuti an seine Kapazitätsgrenzen gelangt: Trotz Scharen von Arbeitern können die Schiffe nicht schnell genug entladen werden. Viele Frachter warten in der Bucht auf einen Anlegeplatz.

"Wir haben Schiffe, die Nahrungsmittel geladen haben, und andere, die Düngemittel transportieren", sagt Aboubaker Omar, Geschäftsführer der Hafenbehörde DPFZA (Djibouti Ports and Free Zones Authority). "Die richtige Reihenfolge der Entladung ist eine große Herausforderung: Wenn wir den Nahrungsmitteln Vorrang geben, kommen die Bauern nicht rechtzeitig an den Dünger, den sie für die nächste Ernte benötigen."

Im September beginnt in Äthiopien die Haupterntezeit. Gemeinsam mit der äthiopischen Regierung versucht die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Vorkehrungen zu treffen, damit sich die Ernährungssituation nicht weiter verschlechtert. Für etwas Hoffnung auf eine ertragreiche Ernte haben zuletzt Regenfälle im Juli und August gesorgt.

Trotzdem bleibt das Land auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, wie der FAO-Vertreter für Äthiopien, Amadou Allahoury, erklärt: "Der Produktionszyklus ist lang. Die im Juni und Juli angebauten Pflanzen können erst im September und Oktober geerntet werden. Wir haben trotz Regen also zu wenig Nahrungsmittel."

"Unsichtbare Barrieren"

Laut Hafen-Website lagen per 15. August elf Schiffe mit einer Gesamtfracht von 433.000 Tonnen Weizen im Hafen vor Anker und warteten auf ihre Entladung. "Der Engpass liegt nicht am Hafen selbst sondern am Weitertransport", sagt Aboubaker Omar. "Es gibt einfach nicht genügend LKWs für die Hilfslieferungen, die Düngemittel und die sonstigen Güter."

Derzeit verlassen bis zu 1.500 Lastwägen täglich den Hafen von Dschibuti in Richtung Äthiopien. Die äthiopische Regierung plant, diese Zahl bis zum Jahr 2020 auf 8.000 zu steigern. Für Aboubaker Omar braucht es aber auch eine Beschleunigung der Zollabfertigungen auf äthiopischer Seite. Denn im Augenblick benötigt ein LKW für die Reise von Dschibuti nach Addis Abeba ganze zehn Tage. Die reine Wegstrecke wäre aber in 48 Stunden zu schaffen.

"Es gibt einfach zu viel Bürokratie", beklagt Aboubaker. "Wir bauen Straßen, Eisenbahnen und Brücken. Aber das Problem sind die unsichtbaren Barrieren: Die äthiopische Regierung verlässt sich einfach zu stark auf die Zolleinnahmen und möchte es nicht riskieren, diese Verfahren zu beinträchtigen."

Schuften unter Extrembedingungen

Auch der Entladungsprozess kann sich als langwierig erweisen. Hilfsorganisationen berichten, dass es nach dem Anlegen noch 40 Tage dauern kann, bis die Fracht vollständig an Land ist.

Dabei wird im Hafen rund um die Uhr in Schichten zu je acht Stunden gearbeitet. "Ich weiß ehrlich nicht, wie sie das aushalten", sagt Dawit Gebre-ab von der Hafenbehörde. Die Arbeiter schuften bei Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius, die sich angesichts einer Luftfeuchtigkeit von 52 Prozent wie 43 Grad Celsius anfühlen.

"Wir haben überall Schmerzen", meint der Hafenarbeiter Agaby stellvertretend für seine Kollegen. Agaby hat sich während der Nachmittagsschicht eine Warnweste als Schweißband um die Stirn gewickelt. Außerdem versucht er die Sonne zu meiden, indem er im Schatten von Lastwägen arbeitet. "Es ist ein Kampf", klagt er.

Alternativen gesucht

Als Entlastung für den Hafen wurde Anfang November eine neue, 756 Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen Dschibuti und Äthiopien eröffnet. Derzeit verkehrt pro Tag aber nur ein Zug mit einer Maximalfracht von 2.000 Tonnen. Im September dieses Jahres soll die gesamte Strecke elektrifiziert sein und der Vollbetrieb starten. Dann werden täglich fünf Züge je 3.500 Tonnen transportieren können.

"Sobald die Züge im September fahren, hoffen wir, dass wir den Rückstau innerhalb von drei Monaten abarbeiten können", meint Aboubaker Omar. Weitere Entlastung verspricht er sich von drei neuen Häfen, die in den nächsten Monaten eröffnet werden sollen.

Die zeitlichen Verzögerungen im Hafen von Dschibuti legen schonungslos offen, wie abhängig Äthiopien von seinem östlichen Nachbarstaat ist. Rund 90 Prozent des äthiopischen Handels gehen durch Dschibuti.

Äthiopien, das selbst über keinen Meerzugang verfügt, prüft laufend Alternativen. So versucht die Regierung die bilateralen Beziehungen mit Somaliland verstärken. In Zukunft soll ein Drittel der äthiopischen Importe über den Hafen in Berbera laufen, der in den nächsten Jahren zu einer zentralen Handelsdrehscheibe am Horn von Afrika ausgebaut werden soll.

Angesichts des hohen Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums in Äthiopien scheint das aber nicht genug. Der Unternehmer Ali Toubeh, der in der Freihandelszone von Dschibuti eine Container-Firma betreibt, ist überzeugt: "Dschibuti kann die Nachfrage von Äthiopien nicht decken. Auch Berbera wird nicht ausreichen. Auf lange Sicht wird Äthiopien die Häfen in Mogadischu, Kismayo und Port Sudan benötigen." (afr/IPS)

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