D. R. Kongo: Neue Geldscheine mit höherem Wert

Experten warnen vor Inflationsgefahr

Von Badylon Kawanda Bakiman | 13.07.2012

Kikwit. Die Zentralbank der Demokratischen Republik Kongo hat Banknoten mit höheren Nennwerten in Umlauf gebracht. Seit Anfang Juli werden neue Scheine im Wert von 1.000, 5.000, 10.000 und 20,000 Kongo-Francs ausgegeben. Bankgouverneur Jean-Claude Masangu Mulongo rechtfertigte den Schritt mit einer guten Wachstumsrate, die zwischen fünf und sieben Prozent liege.

Bisher gab es Scheine, die einen, fünf, zehn, 20, 50, 100 oder 500 Francs wert waren. "Ziel ist es, gegen die Dollarisierung der nationalen Wirtschaft zu kämpfen und die Kongolesen dazu zu ermutigen, die Währung als stabiles, sicheres und vertrauenswürdiges Zahlungsmittel zu nutzen", sagte Masangu am Hauptsitz der Bank in Kinshasa.

Stabiler Wechselkurs

Er hob zudem hervor, dass der Wechselkurs des kongolesischen Francs mit 920 zu einem US-Dollar bemerkenswert stabil geblieben sei. Anfang Juni hatte die Zentralbank bereits mitgeteilt, dass die Währungsreserven dazu ausreichten, die Importe von Gütern und Dienstleistungen zwei Monate lang zu finanzieren.

Der Staatshaushalt zeige, dass das Land einen beispiellosen konsolidierten Handelsüberschuss verzeichne, sagte Masangu. Die neuen Scheine hätten einen Nennwert, der dem gegenwärtigen Zahlungssystem angemessen sei.

Untersuchungen der Zentralbank haben demnach ergeben, dass das Übergewicht des Dollar in der kongolesischen Wirtschaft negative Auswirkungen habe. Fast 90 Prozent aller Transaktionen in dem zentralafrikanischen Staat werden in der US-Währung abgewickelt.

Laut Mansangu stehen der rasch wachsenden Wirtschaft des Landes nicht genügend kongolesische Francs zur Verfügung. "85 Prozent aller Bankkonten werden in einer fremden Währung geführt. Gemeinsam entsprechen sie einem Wert von insgesamt 10,8 Milliarden Dollar."

Die neuen Banknoten sollen nun vor allem größere Finanzgeschäfte erleichtern, da sie die Kosten für die Transaktionen reduzieren. Einige Beobachter zeigen sich allerdings skeptisch. "Können die Währungshüter die Anzahl der Scheine, die jetzt in Umlauf kommen, überhaupt unter Kontrolle halten?" fragte Mari-José Asaï, die an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität von Bandundu im Südwesten des Landes lehrt. 

Hohe Nachfrage erwartet

Die Ökonomin befürchtet, dass die Zahl der derzeit zirkulierenden Banknoten nicht dem Volumen der Güter und Dienstleistungen auf dem Markt entspricht. Zudem sei die Nachfrage nach Geld hoch. Dies werde zu einer Inflation führen, warnte sie.

Wenn Geld in größerer Stückelung ausgegeben werde, wollen die Leute die kleineren Scheine nicht mehr haben, meinte Asaï. Um eine Inflation infolge von Geldknappheit zu verhindern, müssen sowohl die großen Stückelungen als auch die bestehenden Banknoten mit niedrigerem Nennwert allgemein akzeptiert werden.

Israël Tawa, der an derselben Universität tätig ist, erkennt in der Vergangenheit wichtige Lehren für die Zukunft. "Auch in der Dekade von 1990 bis 2000 wurden Banknoten mit einem sehr hohen Nennwert ausgegeben. Wir haben daraufhin eine Hyperinflation von etwa 4.000 Prozent erlebt." Der Experte sieht nun ebenfalls ein Inflationsrisiko, wenn die Nachfrage nach den neuen Scheinen zu groß sein sollte.

"Unser Geschäftsklima ist bereits durch die Anwesenheit vieler Ausländer wie Inder, Pakistaner und Chinesen beeinträchtigt. Das hat negative Auswirkungen auf Verkäufe, Einkommen und Transaktionen", sagte Jean-Pierre Kasereka, der das Unternehmen 'La Maison Jésus Miracle' in Kikwit verwaltet. Die neuen Banknoten würden die Lage weiter verschärfen.

"1994 sank mein Geschäftsumsatz um 48 Prozent, nachdem die damalige Regierung Scheine mit einem höheren Nennwert in Umlauf brachte. Ich möchte nun keinen weiteren Zusammenbruch erleben", sagte Louis Kipuluhashi, der ebenfalls eine Firma in Kikwit besitzt.

Große Geldscheine benachteiligen Arme

Die Zentralbank und die Regierung bräuchten nur den Nachschub an Banknoten zu 50, 100, 200 und 400 Francs zu erhöhen, meinte Ruphin Kibari, der sich in einer zivilgesellschaftlichen Organisationen engagiert. Die größeren Geldscheine würden die Preise für die mehr als 60 Prozent Kongolesen verderben, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssten.

Vincent Ngonga, der Direktor der Münzanstalt der Zentralbank, versuchte die Bedenken zu zerstreuen. "Wir werden nur Banknoten im Wert von acht Millionen kongolesischen Francs ausgeben", erklärte er. Da in dem Land insgesamt mehr als 60 Millionen Menschen lebten, wären die Banknoten ein selten eingesetztes Zahlungsmittel. Damit sei auch das Inflationsrisiko gebannt. (afr/IPS)

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