D. R. Kongo: Mit Kriegswaffen auf Elefantenjagd

Illegaler Elfenbeinhandel erlebt einen Boom

Von Taylor Toeka Kakala | 06.08.2013

Goma. Auf einem bei Touristen beliebten Markt in Goma im Osten des Landes werden Kunstobjekte aus Bronze, Kupfer, Malachit, Stein oder Holz angeboten. Nur Eingeweihte wissen, dass dieser Ort auch ein illegaler Umschlagplatz für Elfenbeinprodukte ist. Die Elefanten in dem zentralafrikanischen Land sind durch die ausufernde Wilderei zunehmend in ihrem Fortbestand bedroht.

"Auch wenn der Elfenbeinhandel verboten ist, zieht der Markt nach wie vor Kunstliebhaber an, vor allem Ausländer, die Mittelsmänner anheuern", sagt ein Kunsthandwerker, der seinen Namen nicht nennen will. Seit 1989 gilt ein allgemeines Verbot für den Handel mit Elfenbein. Dennoch floriert in den größeren Städten des Landes nach wie vor der Verkauf des wertvollen Materials, das aus Stoßzähnen von Elefanten im Kongo-Becken stammt.

In der Regel seien die Wilderer Angehörige der staatlichen Armee FARDC oder Kommandeure von Milizen, sagt Major John Bonyoma, ein Richter am Militärgerichtshof in Goma. Bereits 2010 hatte das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) das kongolesische Militär beschuldigt, "für 75 Prozent aller Fälle von Wilderei an neun von elf Orten im Land verantwortlich zu sein". Die Umweltorganisation WWF hat die in Wäldern lebenden Elefanten im Kongo-Becken als gefährdete Art eingestuft.

Elefantenpopulation empfindlich dezimiert

Das staatliche Kongolesische Institut für Naturschutz (ICCN) schätzt, dass in dem Land zwischen 2010 und 2013 etwa 1.000 Elefanten illegal erlegt worden sind. Die Behörde geht auch davon aus, dass lokale Stammesführer mit den Wilddieben gemeinsame Sache machen. Nach Angaben des ICCN befinden sich etwa 70 Prozent der Wälder des Kongo-Beckens in der DRC. Laut einer im Mai veröffentlichten WWF-Studie gibt es im ganzen Land nur noch etwa 7.000 Elefanten, während es vor 20 Jahren noch rund 100.000 waren.

"Die Elefantenjagd wird durch die Nachfrage nach Elfenbeinfiguren und -kuriositäten in Asien vorangetrieben", erklärt Emmanuel de Mérode, der ICCN-Direktor in der Provinz Nord-Kivu. Ein Kilo Elfenbein wird auf dem Schwarzmarkt zurzeit für 1.500 Euro gehandelt. Laut de Mérode steckt hinter der Wilderei "ein Netzwerk des organisierten Verbrechens, das faktisch Kriegswaffen einsetzt".

Die Jäger kommen teils auch aus den Nachbarstaaten. Der Experte berichtet, dass im März 2012 im Garamba-Nationalpark im Nordosten des Landes von einem Kampfhubschrauber aus, in dem sich vermutlich Soldaten aus Uganda befanden, 22 Elefanten erschossen wurden.

In der DRC gibt es neun Nationalparks und etwa 60 Reservate. Die Jagdgründe werden vom ICCN verwaltet. Diese Gebiete von einer Größe von etwa 250.000 Quadratkilometern machen rund 10,5 Prozent des Staatsgebiets aus. Eingeschlossen sind fünf geschützte Regionen, die auf die Weltnaturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen wurden.

Das ICCN ist aber nicht in der Lage, die Gebiete vor schwer bewaffneten Wilddieben zu schützen, die regelmäßig über die östliche Landesgrenze kommen und mit moderner Technik wie GPS und Satellitentelefonen ausgerüstet sind.

Die kongolesischen Gesetze laufen den Elefantenschutzbemühungen insofern zuwider, als dass sie die Deportation gefasster ausländischer Wilddiebe vorsehen. "Die Abschiebung schwächt den Kampf gegen die Wilderei. Besser wäre es, die Gesetze strikt anzuwenden und Ausländer festzunehmen ", sagt Bonyoma.

Umweltaktivist Justin Mufuko warnt vor den verheerenden ökologischen Folgen der Elefantenwilderei. Die Dickhäuter tragen erheblich zum Erhalt der Artenvielfalt bei. Durch ihren Kot verteilen sie Samen, Wurzeln und Früchte tropischer Bäume und sorgen für Kompost, in dem neue Pflanzen gedeihen können.

Elefantenschutzanreize für Dorfbewohner

Mufuko hält einen 2010 von ICCN eingeführten Schutzplan für die Nationalparks für die einzige Lösung des Problems. Die Behörde bietet den Dorfbewohnern Anreize dafür, Wilderei anzuzeigen. Im Gegenzug erhalten Gemeindeorganisationen finanzielle Zuwendungen, mit denen sie Agrar- und Viehzuchtprojekte umsetzen können.

"Damit werden die Menschen am Ort davon abgebracht, mit den Wilderern gemeinsame Sache zu machen und somit in illegale Aktivitäten verwickelt zu werden", meint Mufuko. Die Sensibilisierungskampagne habe bereits dazu geführt, dass sich die Elefantenjagd verlangsamt habe. WWF warnt davor, dass ohne Gegenmaßnahmen in ganz Zentralafrika in einigen Jahren keine Elefanten mehr vorkommen werden. (afr/IPS)

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