D. R. Kongo: Kirchliches Schutzprogramm für Menschen mit Albinismus

Unterstützung der Behörden ist aber gering

Von Donat Muamba | 04.02.2013

Mbuji Mayi. Der Bischof von Mbuji Mayi, der Hauptstadt der zentralkongolesischen Provinz Kasaï Oriental, hat nach der grausamen Ermordung eines zwölfjährigen Jungen ein Schutz- und Ausbildungsprogramm für die Menschen mit Albinismus gestartet. 30 Teilnehmer konnten sich seit letztem Jahr beruflich qualifizieren – und ihr Selbstvertrauen stärken.

Der Jugendliche Kabongo war 2010 in einem Viertel der Stadt ermordet aufgefunden worden, seiin Körper war zerteilt. Nach seiner Festnahme gestand Kabongos Mörder, gezielt Jagd auf von Albinismus betroffene Menschen zu machen, um deren Körperteile ins Ausland zu verkaufen. Das Geschäft habe ihm ein Vermögen eingebracht.

Der katholische Bischof Bernard Kasanda war entsetzt. Er initiierte ein mit 40.000 Euro finanziertes Programm, um die Lebensbedingungen von Menschen mit Albinismus in seiner Diözese zu verbessern. Seit dem vergangenen Jahr wird das Projekt vom Zentrum für Erziehung zum Leben in Mbuji-Mayi umgesetzt. Es beinhaltet Sensibilisierungskampagnen und ein Ausbildungsprogramm. 30 Albinos wurden bereits auf einen Beruf vorbereitet. "Ihre neuen Fähigkeiten können sie nun an andere weitergeben, die ein ähnliches Schicksal teilen", so Kasanda.

Auf eigenen Füßen

Olivier Kanyinda, der das Zentrum besuchte, hat gerade eine Autowerkstatt eröffnet. "Ich kann täglich bis zu 17 US-Dollar verdienen, das ist gut", sagt er. Inzwischen sei er stolz auf seine helle Hautfarbe und mache sich nicht mehr so große Sorgen wie früher. Kanyinda wünscht sich, dass seine sechs Geschwister seinen Beispiel folgen und ihr Leben in eine positive Richtung lenken können. Er kommt aus einer Familie mit insgesamt elf Kindern, die alle dieselbe Mutter haben und teils dunkelhäutig sind.

Andere Menschen mit Albinismus sind Fotografen, Restaurantbesitzer oder Schweinezüchter geworden. Israel Kajingu, der Vorsitzende der Vereinigung der Albinos in Kasaï Oriental, arbeitet an einem Projekt, das von der Pigmentstörung Betroffene zu Bauern ausbilden sollen. Das Problem ist allerdings die Finanzierung, denn das Kollektiv braucht etwa 150.000 Dollar, um das Vorhaben realisieren zu können.

Das Hilfsprogramm in Mbuji Mayi ist für die Betroffenen ein Silberstreif am Horizont. "Die Bevölkerung ist der Meinung, dass Albinos magische Kräfte besitzen", erläutert der Anthropologe Monji Cibanza. Dabei unterscheiden sie sich nur durch die Farbe ihrer Haut, Haare und Augen. Ursache ist eine Pigmentstörung, die verhindert, dass ihr Körper Melanin bilden kann, das sie vor den schädlichen Auswirkungen der Sonneneinstrahlung bewahren könnte.

Laut dem Krankenpfleger Sylvain Makanda, der selbst unter der Pigmentstörung leidet, gibt es in der Provinz Kasaï Oriental kein Krankenhaus, das den Betroffenen eine Krebsvorsorge oder andere Hilfen anbietet. "Für unsere helle Haut gibt es zwar spezielle Sonnenschutzlotionen, doch sie sind schwer erhältlich", berichtet er.

Kinder mit Albinismus sind oft ein Scheidungsgrund

Die Vorurteile gegen Menschen mit Albinismus haben in dem afrikanischen Land eine lange Tradition. "Albinos galten einst als unerwünschte Kinder", erzählte Cibanza. Noch heute sei es so, dass bei manchen Paaren die Geburt eines Kindes mit Albinismus zur Scheidung oder Polygamie führen könne.

Die Ehe von Getou Mukanya, die in Tshilenge etwa 30 Kilometer von Mbuji-Mayi lebt, ging nach fünf Jahren in die Brüche. 2009 wurde sie von ihrem Mann verlassen, nachdem sie ein drittes Kindmit Albinismus zur Welt gebracht hatte. Ihre Schwiegerfamilie bedrohte sie daraufhin mit dem Tod. Im vergangenen Jahr wurde sie schließlich aus dem Haus gejagt.(afr/IPS)

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