D. R. Kongo: Gratis-Unterricht für arme Kinder

Informelle Zentren füllen Bildungslücken

Von Badylon Kawanda Bakiman | 02.07.2012

Kikwit. Die kongolesische Regierung hat hunderte informeller Zentren eingerichtet, um neun- bis elfjährige Mädchen und Jungen aus armen Familien kostenlos auf die speziellen Jahrgangsabschlussprüfungen vorzubereiten. Damit verbessert das afrikanische Land die Bildungschancen benachteiligter Kinder.

"Ich komme seit drei Jahren hierher", berichtet Evodie Masenga. Sie besucht im südwestlichen Kikwit das Zentrum Lukolela 1. "Ich kann gut lesen und rechnen und habe auch nähen gelernt. Das wird mir in meinem späteren Leben helfen", erklärte die Elfjährige in ihrer weiß-schwarzen Schuluniform.

Der Erfolg der so genannten CRS (Centres de rattrapage scolaire) kann sich sehen lassen. Am 6. Juni haben Evodie und weitere 20.000 kongolesische Schüler der CRS den landesweiten Abschlusstest für das 6. Grundschuljahr erfolgreich bestanden. In diesem Jahr hatte das Schulministerium diese Prüfung (TENAFED) organisiert.

"Zwei meiner acht Kinder haben vier Jahre lang den kostenlosen Unterricht im örtlichen CRS besucht und die Prüfung bestanden", berichtet Fabien Elameji Tshibanda aus dem zentralkongolesischen Mbuji-Mayi. "Jetzt wird meine Tochter zur Schneiderin ausgebildet, mein Sohn will Tischler werden." Der ehemalige Verkäufer ist wie viele Kongolesen arbeitslos und versucht, sich und seine Familie mit Gelegenheitsarbeiten in der Landwirtschaft über Wasser zu halten.

"In der Demokratischen Republik Kongo gehen 83,5 Prozent der Kinder nicht zur Schule", stellt der für das informelle Bildungswesen im Land arbeitende Experte Robert Makonda fest. "Zudem verlassen immer mehr Kinder vorzeitig die Schule, weil sie wegen schlechter Leistungen durch die Prüfungen fallen oder die Schulgebühren nicht bezahlen können", fügt er hinzu.

"In diesem Jahr erhielten 20.000 Kinder, die die Abschlussprüfung bestanden haben, in 840 CRS Nachhilfeunterricht ", berichtet Albert Ketho, Generaldirektor der Abteilung für informelle Schulbildung im Sozialministerium. 2011 waren 12.470 Kinder in den Zentren eingeschrieben. Die in den CRS arbeitenden Lehrer werden vor ihrem Einsatz drei Monate lang für ihre besondere Aufgabe geschult.

Ketho bedauert, dass internationale Partner wie UNESCO, UNICEF oder die US-amerikanische Agentur für internationale Entwicklung (USAID) die CRS lediglich mit rund 300.000 US-Dollar unterstützen. "Mit 15 Millionen US-Dollar könnten wir pro Jahr 900.000 Kinder unterrichten", betont er.

Regierung knausert

Der Beamte berichtet, die Regierung in Kinshasa habe 2011 für die informellen Bildungseinrichtungen lediglich 125.000 Dollar und damit nicht einmal 0,01 Prozent ihres Budgets zur Verfügung gestellt.

"Diese Zentren respektieren das allen Kindern zustehende Recht auf Bildung, wie es in vielen internationalen Abkommen zum Schutz von Kindern formuliert ist, die auch die Demokratische Republik Kongo ratifiziert hat", erklärt Joseph Lukubu. Er koordiniert das in Kikwit ansässige Netzwerk für Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung in Afrika.

Der Aktivist Arsène Ngondo kritisiert, dass sich der informelle Unterricht der CRS zu sehr auf städtische Ballungsgebiete konzentriert. "Warum erhalten die vielen tausend Kinder, die auf dem Land leben, diese Chance nicht?" fragt er und fordert den Ausbau der CRS. (afr/IPS)

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