D. R. Kongo: Fortschritte bei der Verbannung von 'Blutgold'

Führende US-Unternehmen sorgen für positive Impulse in der Schmuckwirtschaft

Von Carey L. Biron | 26.11.2014

Washington. Einige der größten US-amerikanischen Schmuckproduzenten und Schmuckhändler haben vielversprechende Schritte eingeleitet, um das sogenannte 'Blut-' oder 'Konfliktgold' aus ihren Lieferketten zu verbannen. Das geht aus einer neuen Untersuchung (*.pdf) des 'Enough Project' hervor, einer unabhängigen Organisation mit Sitz in Washington.

Gold comparisonGold gilt als Haupttreiber von bewaffneten Konflikten in der D. R. Kongo (Bild: Sasha Lezhnev/Enough Project, CC BY-NC-ND 2.0).

Seit Jahren warnen Menschenrechtsaktivisten und die Vereinten Nationen, dass die Einnahmen aus dem Bergbausektor Warlords und bewaffneten Milizen in der afrikanischen Region der Großen Seen und insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) zufließen und den bewaffneten Konflikt in der DRC dadurch am Leben erhalten.

2010 reagierte die US-Regierung mit einer Reihe von Gesetzen, die den Handel mit den 'Konfliktmineralien' unterbinden sollen. Inzwischen arbeiten auch die Europäische Union und Kanada an ähnlichen Bestimmungen.

Als die drei problematischsten Konfliktmineralien gelten Zinn, Tantal und Wolfram. Sie kommen in der Elektronikindustrie zum Einsatz. Allerdings konnte der Sektor in den letzten Jahren bei der Zertifizierung und der Einführung anderer Regulierungsmaßnahmen enorme Fortschritte erzielen. Weniger durchschlagend erwiesen sich die Bemühungen, in Zentralafrika dem illegalen Handel mit dem Konfliktmineral Gold das Wasser abzugraben.

"Mehr als zwei Drittel der ostkongolesischen Zinn-, Tantal- und Wolframminen sind inzwischen konfliktfrei", bestätigt der neue Enough-Project-Bericht. "Anders verhält es sich mit Gold, das die bewaffneten Akteure nach wie vor finanziell am Leben hält." 98 Prozent des Goldes, das von kleinen privaten Schürfern produziert wird, geht illegal außer Landes. Zu einem großen Teil profitierten die bewaffneten Gruppen.

DR Kongo verlor 2013 Gold im Wert von 400 Millionen Dollar

Der am 24. November veröffentlichte Report geht davon aus, dass im letzten Jahr acht bis zehn Tonnen Gold im Wert von mehr als 400 Millionen US-Dollar aus dem Osten der DRC geschmuggelt wurden. Angenommen wird ferner, dass ein Großteil des illegalen Handels in den Nachbarländern insbesondere in Uganda und Burundi abgewickelt und über Dubai auf dem globalen Markt abgesetzt wird.

Die Schmuckindustrie ist der weltgrößte Goldabnehmer einer Industrie. Auf sie entfällt fast die Hälfte der internationalen Nachfrage. Aber das Konfliktgold beschädige den Ruf des gesamten Wirtschaftssektors, warnt die Studie. Doch offensichtlich – das geht aus dem neuen Enough-Project-Ranking hervor – haben einige Unternehmen inzwischen reagiert.

Die Organisation hatte die vergangenen und zugesagten Firmenaktivitäten von 14 der größten US-Schmuckunternehmen und –händler genauer unter die Lupe genommen. Dabei stellte sie fest, dass eine kleine Minderheit von Schlüsselunternehmen nicht nur Maßnahmen zur Eliminierung von Blutgold aus den eigenen Lieferketten ergriffen hat, sondern offenbar Einfluss auf den gesamten Wirtschaftsbereich nehmen könnte.

"Wir haben uns bewusst auf die führenden Schmuckhersteller und -händler in den USA konzentriert, weil ihr Einfluss auf die gesamte Schmuckbranche besonders groß ist", meinte Holly Dranginis, eine der führenden Autoren der Studie, im IPS-Gespräch. "Noch vor einigen Jahren hatten sich die Schmuckunternehmen in dieser Frage als recht resistent erwiesen, hier Fortschritte zu erzielen. Doch inzwischen lässt sich ein Interesse feststellen, für den Frieden einzutreten und mehr über die eigene Rolle zu erfahren, die sie dabei spielen können."

Vor allem zwei der angesehensten Schmuckkonzerne und –handelsunternehmen haben sich in dieser Hinsicht besonders profiliert: 'Signet Jewelers' und 'Tiffany & Co'. Drei weitere, die sich im oberen Bereich des Ranking bewegen, sind die Handelsketten 'J. C. Penney Company', die 'Target Corp.' und 'Cartier'.

Das Enough Project hatte den Unternehmen einen Fragenkatalog zugeschickt. Bei der Auswertung der Antworten erzielten Signet und Tiffany die Bestnoten. Dranginis zufolge unterscheiden sich diese beiden Unternehmen von anderen auch darin, dass sie beim Goldeinkauf in der Region der Großen Seen nach bestimmten Prinzipien verfahren.

Soziale Projekte vor Ort

Und was noch wichtiger ist: Diese Firmen haben zudem damit begonnen, sich in den Goldherkunftsländern zu engagieren. Seit drei Jahren bekräftigt Signet immer wieder die Bereitschaft, zertifiziertes Gold in der DRC einzukaufen anstatt sich aus dem Land zurückzuziehen. Das Unternehmen ermöglicht auch anderen Akteuren der Goldindustrie einen Einblick in die Aktivitäten, wie sich die Herkunft des Goldes zurückverfolgen lässt.

"Wir betrachten unsere Mitwirkung an Handlungs- und Standardempfehlungen im Goldsektor und die Entwicklung und Umsetzung der Signet-Protokolle für eine verantwortliche Goldbeschaffung (SRSP) als Teil einer breiteren Initiative, verantwortliche Geschäftspraktiken unter Einbeziehung der gesamten Schmuck-Lieferkette bezogen auf Gold und auf alle anderen Materialien sicherzustellen", so David A. Bouffard, einer der Vizepräsidenten von Signet Jewelers, in einer Mitteilung an IPS.

"Es ist wichtig, dass unsere SRSPs offene und öffentliche Protokolle sind, die von allen Akteuren der Schmuckindustrie einschließlich der Signet-Zulieferer genutzt werden können, um für gute Beziehungen zu anderen Kunden zu sorgen."

Tiffany wiederum bemüht sich um die Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden und insbesondere mit den kleinen Bergleuten und ihren Familien. "Kommunale Initiativen zu unterstützen ist wichtig, denn viele lokale Gemeinschaften bekommen größere Marktschwankungen sofort zu spüren", heißt es in dem Report. "Wir müssen zudem sicherstellen, dass Goldschürfer und ihre Familien in einer möglichst umfassenden Weise – etwa durch nachhaltige Projekte, alternative Einkommensquellen und finanzielle Inklusion – unterstützt werden."

Das Engagement einflussreicher Firmen ist entscheidend für mögliche globale Reaktionen auf die Auswirkungen des Handels mit Blutgold. In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Akteure zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das diese Initiativen unterstützt.

Bei Goldschmelzen ansetzen

Um die Herkunft von Rohstoffen zurückzuverfolgen und den Handel zu regulieren, bedarf es eines wirksamen Zertifizierungssystems. Und so, wie schon die Elektronikbranche Metallschmelzen als wichtigstes Glied in der Zuliefererkette identifiziert hat, tritt die Goldindustrie nun an die Goldraffinerien heran.

Dem neuen Bericht zufolge hat das 'Conflict Free Smelter Program' im Jahr 2012 lediglich zwölf Goldraffinerien als konfliktfrei zertifiziert. Inzwischen sind es bereits 52. Allerdings befinden sich noch immer viele Goldschmelzen außerhalb des Systems, wie der Bericht betont.

Menschenrechtsaktivisten sind der Meinung, dass Regierungen ihre Aktivitäten gegen den illegalen Handel mit Konfliktmineralien verstärken und koordinieren sollten. Während die USA, die Europäische Union und Kanada in nächster Zeit über entsprechende Gesetze verfügen dürften, soll der Druck auf die Vereinigten Arabischen Emirate erhöht werden, damit das Konfliktgold nicht länger über Dubai auf den Markt gelangt. Angetrieben wird die internationale Goldnachfrage in der Schmuckindustrie vor allem von Indien, Pakistan und China. (afr/IPS)

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