Côte d'Ivoire: Vorbeugen und aufklären

Land soll Ebola-frei bleiben

Von Marc-André Boisvert | 27.08.2014

Gueyede. In der Ortschaft Gueyede im Südwesten Côte d’Ivoires hat sich die gesamte Dorfbevölkerung versammelt, um den Worten des angereisten Unterpräfekten Kouassi Koffi zu lauschen. "Wir dürfen uns im Umgang mit Ebola keine Nachlässigkeiten erlauben", sagt er. "Möglicherweise wissen Sie über Ebola nicht Bescheid. Das sollten Sie aber."

Mit Unterstützung seines Übersetzers Serge Tian beschreibt Koffi die Ansteckungswege und Symptome des hämorrhagischen Fiebers. Der ranghöchste Regierungsvertreter der Region Tiobli hat bereits Hunderte solcher Treffen seit Ausbruch des Erregers im vergangenen März in Guinea hinter sich. Er reist von Dorf zu Dorf, um die Menschen auf den Ernst der Lage hinzuweisen. Oft besucht er die Weiler zwei bis vier Mal, um sicherzugehen, dass seine Botschaft angekommen ist.

"Das ist natürlich alles sehr aufwändig", berichtet Koffi am Steuer seines Geländewagens, den er souverän um die Schlaglöcher lenkt, auf dem Weg zum nächsten Dorf. "Doch denke ich, dass ich mich verständlich machen konnte." Wie er sind viele seiner Kollegen in anderen Landesteilen unterwegs, um die Menschen über Ebola zu informieren.

Bisher keine Fälle von Ebola

Bislang wurde in dem westafrikanischen Land noch kein einziger Fall gemeldet. Doch die liberianische Grenze ist nicht weit entfernt. Das Epizentrum der Ebola-Epidemie befindet sich keine 150 Kilometer weit weg. Insgesamt sind inzwischen fünf Länder von der Viruserkrankung betroffen: Guinea, Liberia, Nigeria, Sierra Leone und die Demokratische Republik Kongo.

"Wir dürfen nicht einfach tatenlos auf unseren ersten Fall warten", erklärte die ivorische Gesundheitsministerin Raymonde Goudou Coffie auf einer Pressekonferenz am 14. August. "Die Mobilisierung der Öffentlichkeit ist wichtig, da der Staat nicht überall gleichzeitig zur Stelle sein kann." Mittlerweile hat die ivorische Regierung die Grenzen zu den Nachbarn Sierra Leone und Guinea geschlossen. 

Viele Ivorer fürchten, dass die nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) außer Kontrolle geratene Seuche bald auch in ihrem Land einfallen könnte. Bisher sind fast 1.500 Menschen an den Folgen des hämorrhagischen Fiebers gestorben, knapp 2.000 weitere Menschen wurden infiziert. Die WHO geht indes von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

Eine solche Entwicklung will die ivorische Regierung in dem westafrikanischen Land unbedingt verhindern. Kaum waren die ersten Ebola-Fälle in Guinea bekannt geworden, ging sie in die Offensive und richtete spezielle Untersuchungszentren ein. Darüber hinaus verbot sie den Verzehr von Buschfleisch, da die Krankheit durch den Kontakt mit wildlebenden Tieren übertragen werden kann.

Der Bevölkerung von Gueyede fällt der Verzicht von Buschfleisch, dem wichtigsten lokalen Proteinlieferanten, schwer. Sie bevorzugt vor allem einen großen Nager, dem Ebola nun zu einer Schonfrist verholfen hat. Denn die Menschen beherzigen das Verbot und haben den Verzehr der Delikatesse eingestellt. Die Regierung hat zudem alle lokalen Buschfleischmärkte geschlossen.

Im Gespräch mit dem Unterpräfekten hatten die Menschen immer neue Fragen. "Fisch dürfen wir essen, Buschfleisch nicht. Wie sieht es mit Krokodilen aus?", fragte Bernard Gole Koehiwon, einer der Dorfführer. Hier musste Koussa passen und die Frage an den lokalen Krankenpfleger Drissa Soro weitergeben. "Ich bin mir nicht sicher", sagte dieser. "Ich glaube, Krokodilfleisch ist sicher. Das werde ich checken und Sie informieren."

Da sich die in fast 90 Prozent aller Fälle tödlich verlaufende Krankheit über Körperflüssigkeiten ausbreitet, reicht das Buschfleischverzehrverbot allein nicht aus, um einer Infektion vorzubeugen. Auf den öffentlichen Treffen lernen die Dorfbewohner auch, was sie tun müssen, wenn sich Ebola-ähnliche Symptome einstellen.

Gemeinden aktiv involvieren

Die ivorischen Behörden sind zuversichtlich, dass sie die Menschen von der Notwendigkeit, achtsam und präventiv zu handeln, überzeugen können. Sie setzen auf den Peer-Ansatz. Das bedeutet, dass die Dorfführer seit der Abreise des Unterpräfekten mit der Einhaltung der Empfehlungen betraut sind. "Einige dieser Dörfer sind mit dem Auto unerreichbar. Ohne die Unterstützung der Gemeinden wäre es somit gar nicht möglich, eine Pandemie in den Griff zu bekommen", meinte Koffi am Steuer seines Geländewagens.

Da es in der Region an Ärzten mangelt, ist der Krankenpfleger Soro für insgesamt 6.000 Menschen die qualifizierteste medizinische Autorität. Wenn er mit seinem Motorrad von Dorf zu Dorf fährt, kann er aus Zeitgründen nicht immer alle Patienten betreuen. "Kommunale Gesundheitsbeauftragte sind wichtig. Sie verstehen es, die Menschen zu erreichen", unterstrich er.

Albertine Beh Kbenon gehört dem Koordinationsausschuss von Gueyede an. "Zuerst dachten wir, Ebola sei ein Witz, eine Erfindung", berichtete sie IPS. Doch Informationssendungen im Radio, dem wichtigsten Medium hier, hatten sie eines Besseren belehrt. Seither geht sie von Haus zu Haus, um die Menschen aufzuklären. "In Liberia wurde die Krankheit lange Zeit nicht ernst genommen. Sie wurde für eine Lüge der Regierung gehalten. Das hat vielen Menschen das Leben gekostet", meinte Kbenon. "Wir wollen nicht, dass uns das Gleiche widerfährt." (afr/IPS)

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