Côte d'Ivoire: Ökotourismus soll letzte Regenwälder retten

Anbau von Kakao und Kaffee bedrohen Flora und Fauna

Von Marc-André Boisvert | 19.05.2014

Taï-Nationalpark. Jonas Sanhin Touan hat einen Traum. In Gouleako, einem von vielen Dörfern im Umfeld des Taï-Nationalparks in Côte d’Ivoire, sitzt er unter einem Vordach und wartet auf Kundschaft. Er hofft, dass er irgendwann einmal mehr Touristen bewirten wird als das halbe Dutzend, das sich in der Ortschaft eingefunden hat.

Biis dann soll auf seinem drei Hektar großen Land ein Hotel stehen. "Hier kommt das Restaurant hin", sagt Touan, der von allen hier Aimée genannt wird, und zeigt auf eine von Pflanzen bewucherte Stelle. Der Taï-Nationalpark ist einer der letzten intakten tropischen Regenwälder Westafrikas. 3.300 Quadratkilometer ist er groß und wurde von der Weltkulturorganisation UNESCO zum Welterbe der Menschheit erklärt.

Doch Touans Plan hat gewisse Schönheitsfehler. Im Südwesten von Côte d’Ivoire, an der liberianischen Grenze gelegen, ist das Gebiet von der Wirtschaftsmetropole Abidjan aus nur über eine holprige Straße erreichbar. Sie zu bezwingen, kostet Autofahrer um die sieben Stunden Lebenszeit. Ein zuverlässiges Personentransportsystem fehlt. Zudem könnten sich sporadisch auftretende Konflikte als Hindernis erweisen. Und dann gibt es da noch das Problem der fortschreitenden Entwaldung.

Druck durch Kakaoanbau

Wer dieses abgelegene Gebiet erreichen will, den führt der Weg durch etliche klassifizierte Wälder, die nach offiziellen Angaben bereits um 80 Prozent dezimiert wurden. Anstatt einer üppigen tropischen Vegetation, wie sie einst in der Region üblich war, finden sich hier sogfältig angelegte Felder. Angebaut werden darauf vorwiegend Kakao und Kaffee. Aber auch Gummibäume und Ölpalmen sind verbreitet.

Allerdings könnte der Ökotourismus sehr wohl für diejenigen Dörfer interessant sein, die weniger vom großen Geld denn von einer nachhaltigen Lebensweise träumen. Seit Januar haben sich hier immerhin rund 100 Touristen eingefunden. Sie hatten sich für Touren angemeldet, die die Stiftung für wildlebende Schimpansen (WCF) mit der Waldschutzbehörde SODEFOR gemeinsam durchführt.

"Sicher, das Ganze braucht Zeit", meint Touan. "Doch das Gebiet ist wunderschön. Ich denke, dass uns der Ökotourismus die Mittel verschafft, die wir brauchen. Derzeit verdienen 80 Prozent der Dorfbewohner ihr Geld mit Kakao. Pro Haushalt sind das jährliche Einnahmen von umgerechnet knapp 3.200 US-Dollar.

Der demographische Druck führt dazu, dass die Menschen die Wälder niederbrennen, um ihre Kakaoanbauflächen zu vergrößern. Dieser Trend hat die Schimpansenpopulation in den letzten zwei Jahren laut WWF um 80 Prozent schrumpfen lassen. Auch das Pygmäennilpferd, der Grüne Stummelaffe, der Leopard und die Antilopenart Jentink-Ducker stehen auf der Liste der bedrohten Arten. Zum Teil sind Wilderer dafür verantwortlich, doch ist die Zerstörung der Wälder die Hauptursache.

"Der Druck im Umfeld des Parks spielt eine wesentliche Rolle", meint Christophe Boesch, Primatologe und Westafrika-Direktor von WCF, im IPS-Gespräch. Die derzeitige Zuwanderung von Menschen aus den nördlichen Regionen von Côte d’Ivoire und aus Nachbarländern wie Burkina Faso und Mali sei eine direkte Folge der Erderwärmung.

"Westafrika hat in den letzten 50 bis 60 Jahren dramatische Klimaveränderungen hinnehmen müssen. Die Sahelzone wurde zur Wüste. Dadurch kam es in Côte d’Ivoire zu einer dramatischen Bevölkerungsexplosion. Der Zustrom von Arbeitskräften hat aus dem westafrikanischen Land den weltgrößten Kakaoproduzenten – zu Lasten der ivorischen Wälder – gemacht", so Boesch.

In Gouleako führen die Dorfbewohner für ihre Besucher eine traditionelle Zeremonie auf. Das halbe Dutzend Touristen hat es sich auf Sofas bequem gemacht, man trinkt Palmwein. Ihr nächstes Ziel ist das von SODEFOR geführte Ökohotel in der nahegelegenen Stadt Djouroutou. Von dort aus werden sie von ihren Guides über die verschlungenen Pfade des Taï-Nationalparks zu Stellen geführt, an denen sie Schimpansen beobachten könnten. Oder aber sie brechen zum Fluss Cavally auf, der Liberia und Côte d’Ivoire voneinander trennt.

Bewusstsein durch Ökotourismus

SODEFOR und WCF hoffen, dass mit dem Ökotourismus das Bewusstsein für die Bedeutung geschaffen wird, die Wälder und deren Spezies zu schützen. "Die Menschen, die hier leben, weniger die Touristen, sollen den Mehrwert des Waldes erkennen", meint Emmanuelle Normand, die WCF-Landesdirektorin. Der Stiftung zufolge haben sich etliche Projekte als hilfreich für das Überleben der gefährdeten Arten herausgestellt.

Valentin Emmanuel, der Vizechef von Gouleako, erinnert sich noch gut an seine Kindheit, als sich Elefanten ihren Weg durch die Reisfelder bahnten und Schimpansen aus den nahen Wäldern anrückten, um in den Kakaobäumen zu spielen. "Einst lebten wir mit der Natur zusammen. Heute muss man schon tief in den Wald hineinlaufen, um ein solches Schauspiel zu Gesicht zu bekommen."

Während Emmanuel zur Mehrheit der Parkanrainer gehört, die ihren Lebensunterhalt mit Kakao verdienen, so weiß er genauso gut wie Gouan, dass es wichtig ist, dass möglichst viele Menschen den Wert der Wälder erkennen und diese schützen. "Kakaobauern haben ein schweres Leben", meint Gouan. "Auch hier könnte der Ökotourismus Abhilfe schaffen." (afr/IPS)

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