Côte d'Ivoire: Nach der Krise der Aufschwung

Bevölkerung wartet auf Dividenden

Von Marc-André Boisvert | 25.11.2013

Abidjan. In Abidjan, der Wirtschaftsmetropole von Côte d’Ivoire, ragen riesige Baukräne in den Himmel. In naher Zukunft wird die von einer Lagune zweigeteilte Stadt über einen zweiten Hafenterminal, eine vierte Brücke und zahlreiche andere Infrastrukturen verfügen. Es ist nicht zu übersehen: Mit der Wirtschaft des Landes geht es bergauf.

Die Erfolgsgeschichte des westafrikanischen Landes wird auch vom 'Doing Business 2014'-Bericht bestätigt. Darin weist die Weltbank Côte d’Ivoire auf Platz sieben als einen jener Staaten aus, die sich im Vergleich zum Vorjahr am stärksten verbessern konnten. In Zeiten der globalen Krise ist dies ein bemerkenswerter Erfolg. Nicht nur, dass das Land 2012 sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigern konnte. Mit 9,8 Prozent hat das Plus sogar die Erwartungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 1,7 Prozentpunkte übertroffen.

Während der wirtschaftliche Fortschritt weltweit Eindruck macht, warten die 19,8 Millionen Ivorer darauf, dass sich der Zuwachs positiv auf ihr Leben auswirkt. Doch fürchtet Marius Comoe vom Dachverband der Verbraucherorganisationen der Elfenbeinküste (FACACI), dass sich die Lage für sie zunächst einmal weiter verschlechtert. "Die Kaufkraft ist gesunken. Die Preise für Grundnahrungsmittel und Gas sind drastisch gestiegen", meint er gegenüber IPS.

Sinkende Kaufkraft, steigende Lebenshaltungskosten

Auf dem Carena-Markt im Zentrum von Abidjan klagen Frauen über einen Anstieg der Lebenshaltungskosten. "Die Preise haben in den letzten zwei Jahren stark zugelegt", bestätigt Alice Boue, eine Kundin. "Gemüse ist teurer geworden, und die Kosten für Fleisch und Öl sind extrem in die Höhe geschnellt."

Das Nationale Statistikamt gibt den Anstieg der Gemüsepreise im Zeitraum Oktober 2012 bis Oktober 2013 mit zehn Prozent an. Öl zum Kochen hat sich seit 2010 von 1,30 US-Dollar inzwischen auf 2,40 Dollar verteuert. Fleisch, das im Januar noch für vier Dollar das Kilo zu haben war, kostet in einigen Teilen der Stadt inzwischen 4,60 Dollar. Wenigstens sind die Reispreise stabil geblieben. Sie liegen dem Hungerfrühwarnsystem 'Famine Early Warning Systems Network' zufolge nach wie vor bei 0,65 US-Dollar das Kilo.

Auch die Energiepreise haben angezogen. "Strom ist mittlerweile doppelt so teuer wie zu Zeiten von Ex-Präsident Laurent Gbagbo, und preiswerte Wohnungen sind kaum noch zu finden", erläutert Comoe. Dem Nationalen Statistikamt zufolge sind die Energiepreise im letzten Jahr um 6,3 Prozent gestiegen.

"Die Gesundheitsversorgung ist zwei bis drei Mal so teuer wie noch vor drei Jahren. Die Kosten für den Besuch der weiterführenden Schulen haben um 24,3 Prozent und der Universitäten um 92,6 Prozent angezogen", berichtet Comoe. "Etliche Kinder sind aus dem Bildungssystem herausgefallen, weil die Eltern nicht länger für die Schulgebühren aufkommen können."

Wachstum durch Infrastrukturprojekte

"Die Wachstumsrate ist nicht wirklich bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass sich die Wirtschaft des Landes in den Jahren vor 2012 um fünf Prozent verlangsamt hatte", meint José Coffie N’Guessan, Leiter des Ivorischen Zentrums für Wirtschafts- und Sozialforschung. "Aufgrund unserer Vergangenheit haben wir noch viel aufzuholen. Das Wirtschaftswachstum ist erst dann wirklich gut, wenn es sich zwei bis drei Jahre hält."

N’Guessan führt das Wachstum weitgehend auf die Investitionen der Regierung in die Infrastruktur zurück, die aufgrund der politischen Krise nach den letzten Wahlen aufgeschoben werden mussten. Dass das Wachstum zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit beitragen wird, hält er für unwahrscheinlich. Nach Angaben des Generalverbands der Unternehmen von Côte d'Ivoire waren im letzten Jahr fünf Millionen Ivorer arbeitslos. Die Beschäftigungslosenrate bei den 15- bis 35-Jährigen liegt bei 60 Prozent.

“Das durch den Ausbau der Infrastrukturen erzielte Wachstum ist längst nicht so nachhaltig wie das, was sich mittels Investitionen in Fabriken erzielen ließe und sich in Jobangeboten niederschlagen würde", meint N'Guessan. "Investoren neigen dazu, in den Rohstoffsektor zu investieren, der kaum Arbeitsplätze schafft. Es wäre deshalb wichtig, in die Landwirtschaft, den Dienstleistungsbereich und in das Humankapital zu investieren. Wir sind an einem Scheideweg angelangt und sollten die Chance ergreifen, den richtigen Weg zu wählen." (afr/IPS)

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