Côte d'Ivoire: Krieg den Plastiktüten

Doch Verbraucher tun sich schwer mit Verbot

Von Marc-André Boisvert | 06.10.2014

Abidjan. Im Zentrum von Abidjan, der Wirtschaftsmetropole von Côte d’Ivoire, gibt es einen Supermarkt, der mit einem 'grünen Schalter' einen Beitrag zum Umweltschutz leisten will: Hier sollen Kunden, die ihre eigenen Einkaufsbeutel mitbringen, ihre Einkäufe bezahlen. Doch während sich vor den anderen Kassen lange Schlange bilden, herrscht dort, wo keine Plastiktüten ausgegeben werden, gähnende Leere.

Treichville is a thriving market in Abidjan, Côte d’Ivoire, where plastic bags remain the sole way of packaging food. Credit: Marc-André Boisvert/IPSAuf dem Treichville-Markt in Abidjan in Côte d’Ivoire werden Lebensmittel vorwiegend in Plastiktüten gepackt (Bild: Marc-André Boisvert/IPS).

"Die Menschen finden es nicht so toll, ihre eigenen Taschen mitzubringen", meint eine Kassiererin. "Dass sie lange anstehen müssen, obwohl es eine wenig frequentierte Kasse gibt, macht sie wütend." Dass die Geschäftsführung dennoch an der unpopulären Entscheidung festhält, ist weniger einem wachsenden Umweltbewusstsein der Ladenbesitzer geschuldet. Vielmehr hat die Regierung neue Gesetze erlassen, die Folgen für die Verbraucher haben.

Jahr für Jahr werden in Côte d’Ivoire 200.000 Tonnen Plastiktüten hergestellt, von denen 40.000 Tonnen direkt im Müll landen. Keine 20 Prozent davon werden recycelt. Der Rest findet sich in den städtischen und nichtstädtischen Abflussrohren und Gullys wieder und verursacht Überschwemmungen, Sanitärprobleme und Krankheiten.

Côte d’Ivoire erstickt an seinen Tragetaschen. Das will die Regierung nicht länger hinnehmen. So untersagte sie im Mai letzten Jahres Herstellung, Einführung, Kommerzialisierung, Verwendung und Besitz dünner Tüten aus Polyethylen und ähnlichen Substanzen und folgte damit dem Beispiel von acht anderen afrikanischen Ländern.

Ruanda und Südafrika hatten 2004 die Vorhut gebildet, indem sie Extrasteuern auf die Tüten erhoben. Dann gingen auch Botswana, Eritrea, Kenia, Mauretanien, Tansania und Uganda gegen die Tütenflut vor.

Verbot seit August

Doch Côte d’Ivoire musste zunächst zurückrudern. So sah sich die Regierung auf Druck der Kunststoffindustrie gezwungen, den Zeitpunkt des Verbots auf August 2014 verschieben. Auf diese Weise sollte den Unternehmen eine Gnadenfrist eingeräumt werden, auf die Produktion biologisch abbaubarer Materialien umzusteigen oder in Recyclinganlagen zu investieren. Immerhin erwirtschaften die Firmen ungerechnet 97 Millionen Dollar im Jahr und beschäftigen 7.500 Menschen.

Langfristig schwebt den Behörden vor, die Verbraucher auf Stofftaschen oder Einkaufskörbe einzuschwören. Dadurch ließen sich nicht nur Reinigungs- und Instandsetzungskosten einsparen, sondern zusätzliche Einnahmen von geschätzten 17,1 Milliarden CFA (33 Millionen Dollar) und 1.900 neue Arbeitskräfte generieren, wie der ivorische Premierminister Daniel Kablan Duncan Anfang September betonte.

Auf dem regen Treichville-Markt in Abidjan sind die Händler mit der neuen Direktive offensichtlich überfordert. "Viele unserer Kunden haben nicht das Geld, um einen ganzen Ölkanister zu kaufen", meint der Händler Mohammed Cissé. "Deshalb haben wir ihnen kleinere Mengen in die dünnen Plastiktüten abgefüllt."

Doch jetzt sind nur noch die mehr als 50 Micron dicken Plastiktüten erlaubt. Der Grund: Sie sind keine solchen Wegwerfprodukte wie die dünnen Tüten, die schnell reißen und sich meist nur einmal verwenden lassen. Die dickeren Kunststofftaschen lassen sich mehrmals verwenden. Allerdings sind sie kostenpflichtig, was nach Ansicht von Cissé in einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen muss, problematisch ist.

Für seinen Kollegen Jean-Marie Kouadio sind biologisch abbaubare Tüten keine gute Alternative. "Sie halten wenig aus. Wo liegt der Nutzen, wenn man drei Tüten ineinanderstecken muss, um eine zu ersetzen?"

An einem Eckstand verkauft Awa Diabaté Donuts. Sie hält die Wiederverwendung von Plastiktüten zum Transport von Lebensmitteln aus hygienischen Gründen für problematisch. "Die Tüten mehrmals zu verwenden, hieße, dass sie gereinigt werden müssten. Geschieht dies nicht, ist es nur eine Frage der Zeit, dass die Menschen krank werden." (afr/IPS)

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