Burkina Faso: Schulen für die Kinder der Wanderhirten

Bildungsoffensive im Sahel

Von Brahima Ouédraogo | 24.07.2012

Ouagadougou. In Bénnogo, einem Dorf 90 Kilometer nördlich von Ouagadougou, vermittelt der Lehrer Salou Bandé seinen Schülern mehr als nur den klassischen Unterrichtsstoff. Die Zwölfjährigen sind Kinder von Wanderhirten, die monatelang mit ihren Eltern und deren Herden unterwegs sind. Ihr Leben lässt sich nicht in den üblichen Ablauf eines Schuljahres integrieren.

"Wir beginnen mit Informationen über Malaria, dann folgen ein Französischkurs sowie Unterricht in Geschichte, Geographie, Naturwissenschaften und Rinderzucht, Gesundheit, Hygiene und Umwelt", berichtete Bandé im Gespräch mit IPS.

Er gehörte zu den ersten Lehrern, die an einer Schule für Hirtenkinder unterrichten. Dieses besondere, von der Regierung und Partnerländern unterstützte informelle Bildungsangebot richtet sich an die Kinder einer Bevölkerungsgruppe, von denen kaum eines eine normale Schule besucht. Nach vier Schuljahren und einer staatlichen Abschlussprüfung ist der Übergang zu weiterführenden Schulen möglich.

Ein Großteil der Kinder besteht Abschlussprüfungen

2003 wurden die ersten Klassen der Hirtenschulen für 9- bis 15-Jährige in sechs Bezirken der Nordprovinz Sanmantenga eröffnet. Seither haben 144 der hier unterrichteten 197 Mädchen und Jungen die Abschlussprüfung erfolgreich bestanden. Dass ihre Kinder zur Schule gehen können, sei für die Gemeinschaft von großer Bedeutung, lobte Boubacar Barry, Bildungsbeauftragter der 'Vereinigung zur Förderung der Rinderzucht in Sahel und Savanne' (APESS).

Mamadou Boly, pensionierter Grundschullehrer und Vorsitzender des Verbandes 'Andal et Pinal' ('Wissen und Erweckung' in der Sprache der Fulbe), der sich für die Förderung der Hirtenschulen einsetzt, betonte: "Wir wollten auch die Kinder in den Viehställen erreichen. Sie haben die Wanderlager verlassen und sind ausgezogen, um die Welt zu erobern."

In diesem Schuljahr haben in Sanmantenga 85 Prozent der Hirtenkinder den Schulabschluss bestanden. Auch wenn nicht alle weiter zur Schule gingen, hätten sich doch 63 Prozent der Absolventen unverzüglich in einer normalen Schule für das zweite Jahr des Mittelkurses angemeldet, berichtete Boly.

Der in Burkina Faso für Grundschulbildung und für nicht formalen Unterricht zuständige Generaldirektor Rémy Abou begrüßte die Arbeit von 'Andal et Pinal'. "Der Staat kann nicht für alles sorgen, zumal es sich bei den Hirtenschulen um ein informelles Bildungsangebot handelt", meinte er.

"Bauern und Hirten müssen ihr Wissen erweitern"

Moussa Diallo, Vorsitzender des Elternvereins, hat seinen Sohn und seine Tochter in der Hirtenschule von Bénnogo angemeldet. "Dort wird eher auf die Anforderungen des Hirtenlebens und der Feldarbeit Rücksicht genommen." Zur Schule zu gehen sei jedoch wichtig, denn "wir müssen mehr wissen, um mit dieser Arbeit Erfolg zu haben." Es sei ein deutlicher Unterschied zu denen erkennbar, die keine Schule besucht haben.

"Die Gemeinde entscheidet selbst darüber, wann in den Hirtenschulen unterrichtet wird und wann sie geschlossen bleiben", erklärte Boly. "Von Mai bis Dezember sind die Schüler mit Eltern und Herden auf der Suche nach Weideflächen unterwegs. Doch auch zu anderen Zeiten müssen sie die Tiere tränken und ihren Eltern helfen."

In der Region von Bénnogo und in anderen Gebieten mit besonders niedrigem Schulbesuch gibt es inzwischen sieben Schulen für Hirtenkinder. 15 weitere sollen bis zum Beginn des Schuljahres 2012/13 im Osten und zentralen Süden Burkina Fasos die Arbeit aufnehmen. Dort ist das Alphabetisierungsniveau besonders niedrig.

Der APESS-Vorsitzende Barry hält den Ausbau der Hirtenschulen für unverzichtbar. "Sie sind eine wertvolle Stütze der Bildungsarbeit mit Bevölkerungsgruppen, für die der Besuch einer Schule bislang keinen Vorrang hat", stellte er fest.

Der Anteil der 16,8 Millionen Burkiner, die lesen und schreiben können, stagniert nach einer Volkszählung von 2006 bei 29 Prozent. (afr/IPS)

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