Burkina Faso: Prominente werben für Latrinen

Nur drei Prozent der Haushalte haben eine eigene Toilette

Von Brahima Ouédraogo | 10.09.2012

Ouagadougou. In Burkina Faso heißt 'zur Toilette gehen' so viel wie 'die Notdurft im Freien verrichten'. Eine neue Kampagne der Nichtregierungsorganisation 'WaterAid' und des burkinischen Ministeriums für Wasser und Landwirtschaft soll dies ändern. An der Kampagne beteiligen sich prominente Persönlichkeiten des westafrikanischen Landes.

"Die Initiative ist als Akt der Solidarität gemeint. So sollen Promis als Promotoren und Sponsoren den sanitär unterentwickelten Regionen des Landes zu Toiletten verhelfen, meint Halidou Koanda von WaterAid. Schon die Bereitstellung einfacher Latrinen könne die Hygiene verbessern und Krankheiten verhindern.

WaterAid und das burkinische Ministerium für Wasser und Landwirtschaft hatten sich im vergangenen Jahr in den Herkunftsdörfern von 70 bekannten Persönlichkeiten wie ehemalige Staatschefs, Geschäftsleute und Sportler umgesehen. "Wir stellten überall das Gleiche fest: Etwa 95 Prozent der Bevölkerung defäkiert im Freien", so Koanda.

Einer 2010 vom Nationalen Statistikamt durchgeführten Studie zufolge haben gerade einmal 3,1 Prozent aller burkinischen Haushalte eine eigene Toilette. In den Städten liegt der Anteil bei knapp zehn Prozent, in den Dörfern bei unter einem Prozent.

Von Sanitärziel weit entfernt

"Obwohl die Regierung und ihre Partner in den Ausbau der sanitären Grundversorgung investieren, werden wir das entsprechende Millenniumsentwicklungsziel (MDG) bis 2015 verfehlen", meint Marie Denis Sondo, Leiterin der Abteilung Siedlungshygiene und Abwassermanagement im Ministerium für Wasser und Landwirtschaft.

Das MDG – eines von mehreren Armutsbekämpfungszielen, auf die sich die internationale Gemeinschaft im Jahr 2000 verständigt hatte, sieht bis 2015 die Halbierung der Zahl der Menschen vor, die keinen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen haben.

Angesichts der schleppenden Fortschritte in diesem Bereich hatten die Regierung und ihre Partner bereits 2010 eine landesweite Kampagne gestartet, um Unterstützung für dieses Ziel zu mobilisieren. Das Ergebnis war der Einbau von 617.000 Latrinen in Privathaushalten und die Bereitstellung von 13.200 öffentlichen Toiletten zu Gesamtkosten von 120,7 Millionen Dollar.

Da die Mittel für die weitere Umsetzung des Sanitär-MDGs nicht reichen, sollen nun die VIPs finanzielle und moralische Unterstützung leisten. "Es braucht ein wenig ihrer kostbaren Zeit, damit Fragen der Hygiene und Sanitärversorgung in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken", so Koanda.

Der Ministerpräsident des Landes, Luc Adolphe Tiao, stammt aus dem Dorf Pouni, 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Ouagadougou. Der Ort ist einer von vielen, in denen die wenigsten Familien eine eigene Toilette besitzen. Bürgermeister Dominique Ido schätzt den Anteil der Glücklichen auf zwei Prozent.

"In unseren Schulen und auf öffentlichen Plätzen gibt es Gemeinschaftslatrinen, die werden aber nachts nicht genutzt", berichtet er. "Wir hoffen, dass die neue Kampagne alle möglichen Akteure zusammenbringt, die uns dabei helfen, dem Sanitär-MDG bis 2015 näherzukommen."

30 Toiletten fürs Heimatdorf

Staatschef Tiao hat seinen Obolus nach eigenen Angaben geleistet. Er ließ in Pouni 30 Toiletten bauen. "Ich hoffe, dass diese Geste andere ermutigen wird, meinem Beispiel zu folgen", meint er. "Die sanitäre Versorgung ist ein wirkliches Problem für unser Land."

Würde Tiao genügend Nachahmer finden, ließe sich nach Ansicht von WaterAid das Sanitär-MDG doch noch erreichen. Handelsminister Arthur Kafando hat in seinem Dorf Rayongo am Rande von Ouagadougou ein Dutzend Latrinen bauen lassen. "Wir wollen, dass die Menschen begreifen, wie wichtig Toiletten für ihre Gesundheit sind", unterstreicht er. "Wir werden noch viele andere Personen ansprechen, damit sie uns helfen." (afr/IPS)

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