Burkina Faso: Besuch von der Patin

Aktionsplan zur Resozialisierung verstoßener 'Hexen'

Von Brahima Ouédraogo | 07.05.2012

Ouagadougou. Im westafrikanischen Burkina Faso verstärken Menschenrechts- und Frauenverbände den Druck auf die Regierung, die soziale Isolierung vermeintlicher 'Hexen' zu beenden. Sie fordern die rigorose Umsetzung eines jahrelang diskutierten Aktionsplans, der im März verabschiedet wurde und die Voraussetzungen für die Wiedereingliederung der aus ihren Dörfern gejagten Frauen schafft.

Das Ministerium für nationale Solidarität und soziales Handeln beziffert die Zahl der Betroffenen – meist arme, ältere, allein stehende Frauen – auf etwa 600. Die meisten sind landesweit in elf Zentren untergebracht, den sogenannten 'Solidaritätshöfen' (cours de solidarité). Hier leben sie mehr schlecht als recht aber wenigstens vor weiterer Verfolgung geschützt. Das größte Refugium für Opfer des Hexenwahns ist das von katholischen Ordensschwestern geleitete 'Centre Delwindé' in der Hauptstadt Ouagadougou.

"Entgegen der allgemeinen Auffassung ließe sich dieser Hexenwahn rasch beenden, wenn man entschiedener dagegen vorgehen würde", meint der Menschenrechtsaktivist Gérard Zongo. Als Mitglied der in Ouagadougou ansässigen zivilen 'Kommission für Gerechtigkeit und Frieden' (CIP) engagiert er sich in seinem Land, in dem etwa 70 Prozent der Erwachsenen Analphabeten sind, für die Bekämpfung der traditionellen Hexenverfolgung. Seine Organisation wird demnächst die Bevölkerung in einer Aufklärungskampagne für das Problem sensibilisieren.

"Man darf nicht zulassen, dass die als Hexen oder Hexer diskriminierten und traumatisierten Menschen weiter leiden", erklärt Zongo. Den Behörden wirft er vor, "nicht sonderlich engagiert zu sein". So erinnert er an den schwierigen, langwierigen Prozess zur Verabschiedung des Aktionsplans, an dessen Umsetzung sich auch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) beteiligen sollen. Der schließlich im März gebilligte Fünfjahresplan sieht wirtschaftliche, rechtliche und psychologische Hilfen sowie Unterstützung bei der Reintegration der Betroffenen in ihre Herkunftsdörfer vor.

Haridata Dacouré, Präsidentin der NGO 'Frauen und Rechte für Entwicklung' begrüßt zwar die Verabschiedung des Aktionsplans, doch wies sie darauf hin, dass Beschlüsse allein nicht ausreichen, um das Problem zu lösen. "Für diesen langwierigen Prozess muss zunächst ein günstiges Umfeld geschaffen werden, an dem alle mitarbeiten", betont sie.

Täter sollen Schadenersatz leisten

Als wirkungsvolle Maßnahme gegen die Diskriminierung und Misshandlung betroffener Frauen empfiehlt sie die Täter zu finanziellem Schadensersatzleistungen zu zwingen. "Diese Leute müssen die Folgen ihrer Übergriffe am eigenen Geldbeutel zu spüren bekommen, das würde helfen. Man darf die Verantwortung für die Opfer und deren soziale Reintegration nicht allein dem Staat überlassen", meint die Frauenrechtlerin.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Einführung von Patenschaften für die Opfer des Hexenwahns. Bislang werden 120 Frauen durch regelmäßige Besuche von Paten auf eine mögliche Rückkehr in das Leben in der Gemeinschaft vorbereitet. (afr/IPS)

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