Benin: Neuer Reisofen verdoppelt die Einkommen von Frauen

Innovationsplattformen sorgen für höhere Produktivität und besseren Lebensstandard

Von Busani Bafana | 21.04.2016

Malanville. Salabanya Tabaitou muss jetzt nicht mehr ihre Augen zusammenkneifen, wenn sie Reis herstellt. Der neue Parboiling-Ofen verfügt über einen Kamin, der den lästigen Rauch abzieht. Außerdem erspart ihr der Ziegelofen mit seinem rostfreien Stahlkessel viel Zeit: Nach 20 Minuten ist der Reis fertig. Früher brauchte sie für diese Tätigkeit zwei Stunden.

Mit der GEM-Parboiling-Technologie kann Reis rascher und in höherer Qualität hergestellt werden (Bild: Busani Bafana).

"Dank dem Ofen ist Parboiling zu einer angenehmen Beschäftigung geworden", erzählt Tabaitou. "Ich freue mich sogar richtig darauf, weil ich mit anderen Frauen zusammenarbeiten kann." Der innovative Ofen heißt 'GEM Parboiler' und wurde von der Organisation AfricaRice speziell für Frauen entwickelt. GEM ist die Abkürzung für bessere Getreidequalität, höhere Energieeffizienz und haltbares Material.

Die Reisherstellung mittels Parboiling wird weitgehend von Frauen durchgeführt. Beim Parboiling wird Rohreis in mehreren Schritten zunächst eingeweicht, dann mit heißem Dampf behandelt, getrocknet und anschließend geschält und poliert. Durch diese Behandlung wird der Großteil der im Silberhäutchen enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe in das Innere des Reiskorns gepresst.

Reisanbau soll weiter forciert werden

Parboiled-Reis ist in weiten Teilen West- und Zentralafrikas stark nachgefragt. Überhaupt zählt Reis zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln in Afrika. Im Jahr 2015 wurden auf dem Kontinent 14 Millionen Tonnen Reis hergestellt, 35 Millionen Kleinbauern leben vom Reisanbau. Allerdings wird in Afrika viel mehr Reis konsumiert als produziert. Die Hälfte des erhältlichen Reises ist Importware.

Die panafrikanische Forschungsorganisation AfricaRice will mithilfe von neuen Technologien dem Reisanbau in Afrika weiter forcieren. Dabei sollen vor allem Frauen unterstützt werden, die nahrhaften Reis in höchster Qualität herstellen und damit ihren Lebensunterhalt sicherstellen wollen.

Erfolgreiche Innovationsplattform

Wissenschaftler von AfricaRice haben mit Unterstützung des von der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) finanzierten Programms Support to Agricultural Research for Development of Strategic Crops (SARD-SC) zwei Innovationsplattformen in Glazoué im Zentralraum und Malanville im Norden des Landes gegründet. In diesen Innovationsplattformen soll der Erfahrungs- und Wissensaustausch über neue Ansätze und Technologien in der Reisproduktion ermöglicht werden.

Salabanya Tabaitou ist ein Mitglied der Innovationsplattform in Malanville und eine von mehr als 500 Frauen, die zur Herstellung von Reis am neuen GEM Parboiler ausgebildet wurden. Nach großen Erfolgen in Glazoué hat AfricaRice beschlossen, das Model der Innovationsplattform auch in Malanville einzuführen.

"Wir haben viel von den Frauen in Glazoué gelernt und sind zuversichtlich, dass die neue Technologie unsere Einkommenssituation verbessern wird", sagt Tabaitou stellvertretend für ihre Kolleginnen. "Dank dem Ofen können wir in viel kürzerer Zeit und mit weit weniger Arbeit Reis in höherer Qualität produzieren."

Produktion und Einkommen verdoppelt

Dr. Sidi Sanyang, Projektkoordinator von AfricaRice in Glazoué, bestätigt die großen Fortschritte. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass sich seit Einführung des GEM Parboilers die Reisproduktion und damit auch das Einkommen der Frauen mehr als verdoppelt haben.

"Früher haben wir in Glazoué weniger als zwei Tonnen Reis pro Monat verkauft, jetzt sind es mehr als fünf Tonnen", berichtet Sanyang. "Wir erwarten nun für Malanville ähnliche Effekte. Dort ist das Potenzial durch die unmittelbare Nähe zu Nigeria besonders hoch, wo Parboiled-Reis sehr beliebt ist."

Beim GEM Parboiling werden im Vergleich zur traditionellen Herstellung weniger Holz und Wasser verbraucht. Die Ausbeute ist aber weitaus höher: Pro Vorgang können 400 Kilogramm Rohreis verarbeitet werden, früher waren es nur 120 Kilogramm. Eine Vorrichtung sorgt dafür, dass der schwere Kessel bequem auf die Kochplatte gehoben werden kann.

Die Qualität entspricht ungefähr jener von hochwertigem Import-Reis. Analysen haben gezeigt, dass bei der Produktion im Vergleich zum traditionellen Verfahren weniger Verunreinigungen entstehen. (afr/IPS)

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