Benin: Kräuter in ausrangierten Medizinflaschen

Krankenhausmüll wird nachlässig entsorgt

Von Ulrich Vital Ahotondji | 10.04.2012

Cotonou. Die 15-jährige Aicha ist stolz auf ihren Stand, auf dem sie auf dem Dantokpa-Markt in Benins Wirtschaftsmetropole Cotonou gemahlene Gewürze und Kräuter in Dosen und Flaschen anbietet. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich die säuberlich aufgereihten Behältnisse als medizinische Einweggefäße, mit deren obligatorischer Entsorgung es manche Krankenhäuser nicht so genau nehmen.

"Meine Muter besorgt sie sich von Bekannten, die am Lehrkrankenhaus der Nationaluniversität (CNHU) arbeiten", berichtet die Jugendliche. "Wir spülen sie aus und füllen sie dann mit gemahlenem Ingwer und Pfeffer oder mit pulverisierten Krabben."

Doch die Wiederverwendung der Einwegbehälter ist gefährlich. "Wir bemühen uns nach Kräften, die kleinen Dosen und Flaschen ordnungsgemäß zu verbrennen", versichert Raymond Da Silva, Chefkontrolleur im CNHU. Auch gereinigt dürften sie auf keinen Fall als Behältnisse für Snacks oder Gewürze verwendet werden.

Amina Sylla, Vorsitzende der Entsorgungsdienstes für biomedizinische Abfälle, den die Nichtregierungsorganisation (NGO) 'Bethesda' anbietet, hält Gesundheitszentren, die für die Entsorgung von medizinischem Sondermüll kein Geld ausgeben wollen, Unverantwortlichkeit vor.

Das Regionalmedizinische Zentrum im Nordosten des westafrikanischen Landes will bei der Entsorgung der brisanten Abfälle mit gutem Beispiel vorangehen. "Wir haben uns eine eigene Verbrennungsanlage angeschafft", berichtet Zentrumsleiter Issa Mama Djibril."Wir tun, was wir können, um diese Abfälle zu beseitigen. Auch Krankenhäuser in der Umgebung machen ausgiebig von unserer Anlage Gebrauch." Allerdings gebe es Probleme, weil sich das Personal oftmals nicht an die Vorschriften halte, räumt er ein.

"So viel Verantwortungsbewusstsein findet man selten ", lobt der Umweltaktivist Nikita Topanou, Vorsitzender der einheimischen NGO 'Flambeau du Progrès' (Fackel des Fortschritts). Die Gruppe organisiert die Abfuhr von Hausmüll im Verwaltungsbezirk Abomey-Calavi in Süden des Landes. Seine Leute entdeckten darin immer wieder riskante biomedizinische Abfälle.

Mit Entsorgungsproblemen hat auch Bethesda zu kämpfen. Die zivile Organisation hat in Hêvié in einiger Entfernung von Cotonou ein großes Grundstück erworben, um darauf eine Müllverbrennungsanlage mit dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von den bewohnten Gebieten von mindestens 200 Metern zu installieren.

Klagen der Anwohner über qualmende Schornsteine

In der Nähe einer weiteren Verbrennungsanlage, die Bethesda in Pahou, rund 26 Kilometer von Cotonou entfernt, betreibt, haben sich inzwischen viele Menschen angesiedelt. "Wenn die Anlage tagsüber läuft, beklagen sich die Anwohner über Qualm und andere Emissionen, die der Brenner ausstößt", berichtet der zuständige Manager Yaovi Koffi. "Deshalb arbeiten wir nur noch nachts."

"Emissionen aus den Verbrennungsanlagen können sehr giftig sein", warnt der Wissenschaftler Eustache Houéto. "Wenn das Material nicht vollständig verbrannt wird, bildet sich Kohlenmonoxyd. In einer solchen Umgebung enthält die Luft sehr wenig Sauerstoff. Viele Menschen klagen dann über Atembeschwerden."

Das bestätigt auch der Hals-Nasen-Ohrenarzt Agossou Sènami. "Die Emissionen aus Müllverbrennungsanlagen greifen die Schleimhäute der Atemwege an. Der leichtfertige Umgang mit flüssigen Rückständen in den Plastikbehältern kann zudem zu gefährlichen Infektionen wenn nicht gar zum Tod führen."

Benins Gesundheitsministerium hat die Entsorgungsprobleme erkannt und bemüht sich, sie mit seiner Abteilung für Hygiene und Gesundheitspflege in den Griff zu bekommen. Auf der Agenda stehen Fortbildungskurse, Informationskampagnen und landesweite Kontrollen der über 1.000 öffentlichen und privaten Gesundheitseinrichtungen im Land, berichtet Pie Djivo, der für das Programm mitverantwortlich ist.

Ein in Zusammenarbeit mit der kanadischen Regierung im Dezember 2008 veröffentlichtes Handbuch über den richtigen Umgang mit biomedizinischen Abfällen empfiehlt eine klare Begrenzung der Zuständigkeit und Verantwortung aller Beteiligten. Nur so könne ein solches Entsorgungssystem reibungslos funktionieren, heißt es darin. (afr/IPS)

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