Angola: Karotten für die Kleinbauern

Brasilien unterstützt ländliche Entwicklung in Afrika

Von Mario Osava | 16.01.2013

Capanda. "Wir hatten zuvor noch nie Karotten gegessen, aber jetzt mögen wir sie gerne", sagt Rebeca Soba in ihrem Gemüsegarten inmitten einer Zuckerrohrplantage in Capanda im Norden Angolas. Das, was ihre Parzelle hervorgebracht hat, erfüllt sie mit Stolz. Der Garten ist einer von vielen, die im Rahmen des Programms 'Bildung durch Entwicklung' angelegt wurden.

In der lokalen Sprache Kimbundu heißt das Programm 'Kulonga pala Kukula'. Dazu gehören auch Gesundheits- und Bildungsinitiativen und Projekte zum verbesserten Zugang zu Trinkwasser. Das Programm wird hauptsächlich vom brasilianischen Mischkonzern Odebrecht finanziert, der in Angola auch Infrastrukturprojekte betreibt. Daher kommt ein Großteil der Samen aus dem südamerikanischen Land in die zehn Dörfer nahe dem Capanda-Staudamm rund 360 Kilometer östlich von Angolas Hauptstadt Luanda.

Petersilie und Rucola – unbekannte Pflanzen

Einige der Pflanzen sahen die Projektteilnehmer zum ersten Mal, darunter Petersilie und Rucola. "Mir ist das zu bitter", sagt Soba. Die 45-jährige Mutter von fünf Kindern kocht das Kraut daher, statt es roh als Salat anzubieten. Daneben baut Soba unter anderem Weißkohl, Pfefferschoten, Tomaten und Grünkohl an. Die tiefliegenden Felder sind zu feucht für den Zuckerrohranbau.

Die Familien aus den zehn am Programm teilnehmenden Dörfern stammen aus armen Verhältnissen. Der Agrarwissenschaftler Kimputu Ngiaba, der im Programm beschäftigt ist, zitiert aus einer Studie von 2009, dass 54 Prozent der Familien von weniger als 34 US-Cents pro Tag lebten – und damit unterhalb der von der Weltbank definierten Armutsgrenze von einem Dollar pro Tag. Seinen Angaben zufolge verdienen heute einige der Frauen 500 Dollar pro Monat, wenn die Ernte gut ausfällt.

Das Gemüse wird nicht nur auf dem lokalen Markt angeboten. Abnehmerin ist beispielsweise die Nosso-Supermarktkette, die im ganzen Land 29 Filialen hat und zu Odebrecht gehört. Auch die Kantinen für die Angestellten des Unternehmens 'Companhia de Bioenergia de Angola' (Biocom), an dem Odebrecht Anteile hält, kaufen den Kleinbauern ihr Gemüse ab.

Zunächst war das Interesse an dem Programm verhalten. Der 27 Jahre andauernde Bürgerkrieg in dem Land im südlichen Afrika hat die Menschen misstrauisch werden lassen. Doch nachdem die ersten Kisten verkauft waren, verdoppelte sich die Zahl der Teilnehmer, berichtet Ngiaba. Jetzt sind mehr als 1.000 Familien beteiligt und es wurden Zugangshürden aufgebaut.

Gewinne finanzieren Ausbildung der Kinder

Im Dorf Luxilo nutzen die meisten der 38 Familien das Geld, um die Ausbildung ihrer Kinder zu bezahlen. "Alle gehen nach Luanda um zu studieren", sagt Antonia José Agostina, die sieben Kinder hat. Drei von ihnen sind bereits in die Hauptstadt abgewandert.

Rebeca Soba hat sich mit Hilfe ihrer Gewinne einen gasbetriebenen Generator angeschafft, um für die häufigen Stromausfälle in der Gegend gewappnet zu sein. Die dreifache Mutter Rosa André hat von dem Geld Medikamente für ihren kranken Ehemann besorgt.

Das Programm hat bereits zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung beigetragen. Nach eigenen Angaben ist unter anderem die Zahl der Malaria-Fälle zurückgegangen. In den teilnehmenden Dörfern habe es im vergangenen Jahr nur einen Malaria-Fall gegeben.

Durch den Bau von Brunnen und Regenwasserauffangstationen konnte die Zahl der Durchfallerkrankungen reduziert werden. Dadurch seien weniger Kinder gestorben. Weiterbildungen für Hebammen haben die Müttersterblichkeitsrate um 60 Prozent gesenkt.

Kleinbäuerliche Landwirtschaft war noch während der Kolonialzeit eine der Hauptbeschäftigungen auf dem Land. Bis 1973 baute Angola einen Großteil der Nahrungsmittel für die Bevölkerung selbst an. Außerdem exportierte das afrikanische Land Kaffee, Mais und Baumwolle. Jetzt sind die Ernten allerdings mager und die Nahrungsmittelimporte wurden erhöht.

Schuld ist der Bürgerkrieg, der bis zum Jahr 2002 andauerte. "Der Krieg zerstörte sowohl Produktionskapazitäten als auch Verkehrswege", heißt es in einem Bericht des Zentrums für wissenschaftliche Studien und Forschung der Katholischen Universität des Landes. Politisches Missmanagement habe zu wenigen Investitionen in die Infrastruktur geführt. Und auch die Überbewertung der lokalen Währung und die Landflucht forderten ihren Tribut. (afr/IPS)

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