Angola: Diamantenschürfer bedrohen seltene Antilopenart

Umweltschützer schlagen Alarm

Von Louise Redvers | 27.06.2013

Dubai. Umweltaktivisten drängen die Regierung von Angola dazu, Pläne für die Schürfung von Diamanten in einem Naturschutzgebiet zu stoppen. Dort sind die letzten wild lebenden Populationen der Riesen-Rappenantilope zu finden. Wahrscheinlich sind auf der ganzen Welt nur noch weniger als 100 Tiere übrig geblieben.

Die Spezies wird auf der 'Roten Liste' der Weltnaturschutzunion als "höchst gefährdet" aufgeführt. In Angola leben diese Antilopen vor allem im Luando-Reservat in der nördlichen Provinz Malange, wo noch etwa 70 Exemplare vermutet werden. Diese Population ist aber gefährdet, seit ein privater angolanischer Bergbaukonzern sich die Schürfrechte gesichert hat.

"Vom juristischen Standpunkt aus betrachtet hätte dies nicht geschehen dürfen. Das Gesetz ist ganz eindeutig: der Abbau von Bodenschätzen ist in dem Schutzgebiet nicht erlaubt", sagte ein Sprecher der unabhängigen angolanischen Umweltstiftung 'Kissama'.

Der Sprecher, der seinen Namen nicht genannt sehen wollte, äußerte sich besorgt über die möglichen Auswirkungen des Minenbetriebs auf das Naturschutzgebiet. "Die Riesen-Rappenantilope wird dadurch in große Gefahr geraten." Er sprach von einer "verzweifelten Situation", in der die Aktivisten auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft dringend angewiesen seien.

Riesen-Rappenantilope ist Nationalsymbol von Angola

Der jahrzehntelange Bürgerkrieg in dem afrikanischen Land und die Umtriebe von Wilddieben haben die Antilopen-Populationen stark dezimiert. Die 'Palanca Negra Gigante', wie sie auf Portugiesisch genannt wird, ist das Symbol von Angola. 'Palancas Negras' wird auch die nationale Fußball-Elf genannt. Und das lange, geschwungene Horn des Tieres taucht auch auf dem Logo und den Flugzeugen der nationalen Luftfahrtgesellschaft TAAG auf.

Die Regierung und private Unterstützer haben viel unternommen, um die Spezies zu erhalten und deren Vermehrung im Nationalpark Cangandala zu fördern. Das Luando-Reservat bleibt aber ihr natürliches Habitat. Allerdings liegt eine Fläche von 300 Quadratkilometern, die zu dem Capunda-Minenunternehmen gehört, innerhalb des Schutzgebietes, das über die Grenzen der Provinzen Malange und Bie hinausreicht.

Gemäß dem angolanischen Umwelt- und Bergbaugesetz dürfen Bodenschätze nicht in Naturschutzgebieten abgebaut werden. Alle Projekte müssen einer Umweltverträglichkeitsprüfung standhalten, die sämtliche Risiken auswertet.

Pedro Vaz Pinto, der das Programm zum Schutz der Riesen-Rappenantilope im Cagandala-Park leitet, sieht Bergbauaktivitäten in dem Gebiet als "Desaster für die Tiere". Am Kwanza-Fluss würden Tiere bereits unkontrolliert von Wilddieben gejagt. Diese Aktivitäten stünden im Zusammenhang mit dem Bergbau.

Im Juni 2012 genehmigte der frühere Bergbauminister Joaquim David dennoch das 'Projekt Capunda'. Dahinter stehen angolanische Unternehmen wie 'KCC Limited', 'Yango Limitada' und 'AM&BC Limitada', die bis dahin nicht im Diamantensektor in Erscheinung getreten waren.

Das staatliche angolanische Diamantenunternehmen 'Endiama', das an jedem neuen Schürfprojekt automatisch mitverdient, hält einen Anteil von 32 Prozent an dem Geschäft. Während sich das Umweltministerium nicht dazu äußern wollte, versuchten Endiama und das Bergbauministerium das Problem herunterzuspielen.

Endiama-Sprecher Antonio Freitas erklärte, man berate mit Investoren über mögliche Alternativen. Die Konzession beziehe sich größtenteils auf ein Gebiet innerhalb des Parks, und das Gesetz müsse respektiert werden. Der amtierende Bergbauminister Francisco Manuel Monteiro de Queiroz, der seit August 2012 amtiert, erklärte, sein Ministerium verfolge die Abläufe mit Sorge. Man wolle nun gemeinsam mit dem Umweltministerium, Endiama und den Lizenzunternehmen die Umweltgesetze stärker in Betracht ziehen und die Situation verbessern.

Der international bekannte südafrikanische Umweltaktivist Brian Huntley, der eng mit der angolanischen Regierung und mehreren UN-Organisationen bei der Fortentwicklung von Naturschutzgebieten zusammengearbeitet hat, begrüßte das Engagement auf hoher Ebene. Dass die Ministerien sich beteiligten, sei ein politisches Signal, meinte er. "Die Riesen-Rappenantilope steht an seiner absolut kritischen Schwelle. Es grenzt an ein Wunder, dass sie noch in dem Naturschutzgebiet zu finden sind.

Industrie kungelt mit Regierung

In Angola wird behauptet, dass die Eigentümer der Unternehmen, die die Bergbaulizenzen erteilt haben, enge Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten der seit der Unabhängigkeit 1975 regierenden Volksbewegung für die Befreiung Angolas (MPLA) unterhalten.

Der Run auf Bodenschätze droht katastrophale Folgen für Länder wie Angola zu haben, wo schwache staatliche Institutionen regelmäßig zu Geiseln persönlicher Interessen werden, die sich über geltendes Recht hinwegsetzen. Angola ist nicht nur der fünfgrößte Diamantenexporteur der Welt, sondern auch Afrikas zweitgrößter Rohölproduzent nach Nigeria.

Huntley wies darauf hin, dass nach einem Jahrzehnt Frieden vor allem die Unternehmungen im Bergbausektor stark zugenommen hätten. Nach dem Ende des 27-jährigen Bürgerkriegs 2002 ist das Land zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften des Kontinents geworden. Laut Huntley lassen das Interesse in Angola und eine große verfügbare Unterstützung durch Geber darauf hoffen, dass die Ziele von Industriellen und Umweltschützern in Einklang gebracht werden könnten. (afr/IPS)

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