Afrika: Wirtschaft jubelt über neue Erdölfunde

Experten mahnen solide Umweltstrategien an

Von Miriam Gathigah | 03.11.2014

Nairobi.  Die jüngsten Entdeckungen umfangreicher Erdöl- und Erdgasfelder in Kenia, Tansania und Uganda haben bei vielen Ökonomen Euphorie ausgelöst. Sie sehen die Zeit für einen Aufschwung und eine Diversifizierung der vorrangig landwirtschaftlich geprägten Volkswirtschaften für gekommen. Doch kritische Stimmen warnen, dass sich die fossilen Brennstoffe als Danaergeschenk erweisen könnten.

Uganda is estimated to have two billion barrels of oil reserves. Policy analysts say that the government has, however, done little to exploit the country’s vast mineral resources. Credit: Wambi Michael/IPSIn Uganda werden bis zu sechs Milliarden Barrel Erdölreserven vermutet. Umweltexperten fordern, dass die Reserven nachhaltig genutzt werden. (Bild: Wambi Michael/IPS)

Bei wirtschaftlichen Aktivitäten spielten ökologische Aspekte meist keine Rolle, meinte Hadley Becha, Leiter der lokalen Umweltorganisation 'Community Action for Nature Conversation'. Trotz der Erkenntnis, dass sich die Welt von den fossilen Energieträgern verabschieden sollte, gehen Exploration und Produktion von Öl und Gas weiter, wobei die afrikanischen Ressourcen von Multis kontrolliert würden.

Nach Angaben des Beratungsunternehmens KPMG wurden auf dem Kontinent seit 2012 gut 124 Milliarden Barrel an Erdölreserven entdeckt. Weitere Lagerstätten im Umfang von 100 Milliarden Barrel werden offshore vermutet. Und während 16 afrikanische Staaten seit 2010 zu Erdölexporteuren aufgestiegen sind, könnten bald mindestens fünf weitere Länder – Ghana, Kenia, Mosambik, Tansania und Uganda – hinzukommen.

Doch der kenianische Umweltschützer und Politikstratege Wilbur Otichillo schließt nicht aus, dass die neuen Funde im Licht einer im Westen erkennbaren Abkehr von fossilen Brennstoffen am Ende unter der Erde bleiben werden. Die meisten Unternehmen, die Konzessionen für die Exploration in Ostafrika erhalten, haben ihren Sitz in den reichen Staaten.

Wie er gegenüber IPS betonte, könnten diese Konzerne auf die Forderungen nach sauberer Energie reagieren, "insbesondere, weil es möglich ist, dass sie für die Explorationsinvestitionen entschädigt werden könnten".

Bescheidene Umweltverträglichkeitsrichtlinien

Anders als Ägypten, das über besondere Richtlinien für die Abschätzung von Umweltfolgen (EIA) für die Exploration von Öl und Gas verfügt, haben viele afrikanische Staaten nur eine Form der EIA-Klassifizierung, wie Becha erklärte. In Kenia beispielsweise wird die Exploration und Produktion von Öl und Gas vom veralteten Erdölgesetz geregelt, dass 2012 aktualisiert wurde.

"Das Erdölgesetz von 1984 ist schwach vor allem mit Blick auf den Vorteilsausgleich. Außerdem sagt es nichts über die Verwaltung der Gasreserven aus", fügte Becha hinzu. Der Öl- und Gassektor sei auf besondere Umweltrichtlinien angewiesen.

Fossile Brennstoffe gelten als Klimakiller. Dem im September veröffentlichten Sachstandsbericht des Weltklimarats zufolge werden die Temperaturen auf dem afrikanischen Kontinent signifikant steigen. "Es sollten deshalb besondere Richtlinien für das Upstream (Exploration und Produktion, Anm.), Midstream (Ferntransport und Aufbereitung, Anm.) und die Downstream-Exploration (Transport, Verarbeitung, Vertrieb und Industrieanlangen, Anm.) gelten", meinte Becha.

Experten wie er drängen beispielsweise Kenias Regierung dazu, solide Methoden und umfassende Rechts- und Regulierungsrahmen zu schaffen, um sicherzustellen, dass Kenia von seinen Upstream-Aktivitäten profitiert und sich nach emissionsarmen Technologien umsieht.

Der Chef der 'Green Africa Foundation', John Kioli, erklärte gegenüber IPS, dass sich Kenia auf den Einsatz von klimafreundlichen Arbeitsweisen verpflichtet habe. So wolle man den Rohstoff Kohle unterirdisch und nicht über Tage abbauen.

Kioli, der geistige Vater hinter dem Kenianischen Klimagesetz, unterstrich die Notwendigkeit, sich mit Fragen der Regierungsführung und Rechtsprechung in Afrika zu befassen. Auch wenn Afrika entschlossen sei, den Klimawandel abzufedern und Anpassungsmaßnahmen durchzuführen, "fehlt es dem Kontinent an den nötigen finanziellen Mitteln. Afrika kann nicht, was die Breitstellung dieser Gelder angeht, ständig in Richtung Ost und West blicken."

Die Regierung in Nairobi schätzt, dass der Nationale Klimaaktionsplan für Klimaanpassung und –abmilderung (2013-2017) substanzielle Investitionen in Höhe von rund 12,8 Milliarden Dollar erforderlich macht. Das entspricht dem derzeitigen Staatshaushalt 2013/2014.

Entwicklung durch Ausbeutung der fossilen Brennstoffe?

Danson Mwangangi, Ökonom und Marktforscher in Ostafrika, ist der Meinung, dass Afrika nicht anders kann, als seine fossilen Brennstoffe auszubeuten, will es Wachstum, Entwicklung und eine Verringerung der Armut erreichen. Wie er erklärte, sind die Industriestaaten für das Gros der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Auch Afrika sollte über einen begrenzten Zeitraum hinweg, "nicht für die Ewigkeit", zu den CO2-Emissionen beitragen dürfen.

Für den Fall, dass Afrika hartnäckig an einer fortgesetzten Erdöl- und Erdgasexploration festhält, werden die Gewinne nach Ansicht von Becha nur von kurzer Dauer und kaum in der Lage sein, die Wirtschaft in Schwung zu bringen. "Bei Erdöl und Erdgas geht es nicht nur um die Zulassung, sondern auch um steuerliche Fragen."

In Abwesenheit einer Kapitalertragssteuer "wird die Regierung einen großen Teil ihrer Einnahmen an Briefkastenunternehmer verlieren, die als Mittelsmänner auftreten und die Regierungen um signifikante Einnahmen prellen".

Weiter fügte er hinzu, dass die afrikanischen Länder einen solventen Fonds auflegen müssen, in den die Öl- und Gaseinnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft eingezahlt werden. "Öl kann die Preise für bestimmte Rohstoffe aufblasen. Deshalb ist es wichtig, eine mögliche Zunahme der Inflation zu verhindern."

Ghana gehört zu den wenigen Ländern mit einer Kapitalertragssteuer und einem zahlungskräftigen Fonds. (afr/IPS)

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