Afrika: Startups erzielen Rekordergebnis

Junge Technologie-Unternehmer stehen bei Investoren hoch im Kurs

Von Martin Sturmer | 14.06.2017

Salzburg (afr). Ein neuer Bericht zeigt, dass die Höhe der Investitionen in Startups 2016 deutlich höher ausfiel als bisher angenommen. Laut dem Report der Risikokapitalfirma Partech Ventures mit Hauptsitz in San Francisco wurden im letzten Jahr 366,8 Millionen US-Dollar investiert. Doch auch diese Zahl ist zu niedrig angesetzt. 

Der Durchbruch der Mobiltelefonie hat in Afrika zu einem Startup-Boom geführt. (Bild: KODAKovic/Shutterstock.com)

Als Mark Zuckerberg im August und September letzten Jahres durch Nigeria und Kenia tourte, ging ein Raunen durch die internationale Investoren-Szene. Im Juni davor hatte die Chan Zuckerberg Initiative des Facebook-Milliardärs 24 Millionen US-Dollar in das nigerianische Startup Andela investiert. Andela bildet an seinen Standorten in Lagos und Nairobi afrikanische Software-Entwicklern aus, die zu den weltbesten Programmieren zählen sollen. 

Und auch wenn bislang keine weiteren Investments von Zuckerberg in Afrika bekannt wurden, werteten Analysten sein Engagement durchaus als starkes Indiz dafür, dass sich hinter dem häufig strapazierten Narrativ der 'African Tech Revolution' weit mehr verbirgt als ein bloßer Hype.

Nigeria, Südafrika und Kenia als Hotspots

Der neue Bericht von Partech Ventures belegt das wachsende internationale Interesse an afrikanischen Startups. Die Risikokapitalfirma hat für das Jahr 2016 eine Investionssumme von 366,8 Millionen US-Dollar berechnet, die sich auf 77 afrikanische Jungunternehmen verteilte. Im Vergleich zum Jahr 2015 legten die Investitionen um satte 90 Millionen US-Dollar zu.

Bisher war man von bedeutend geringeren Summen ausgegegangen. So hatte das südafrikanische Startup-Portal 'Disrupt Africa' Anfang des Jahres in seinem Funding Report 2016 eine Gesamtinvestitonssumme von 129 Millionen US-Dollar bekanntgegeben. Im Jahr zuvor waren es nach Angaben des Online-Portals immerhin 185,7 Millionen US-Dollar gewesen.

Als Hotspots für Anleger gelten nach wie vor die Länder Nigeria, Südafrika und Kenia. Nigerianische Jungunternehmen konnten 109 Millionen US-Dollar (29,8%) für sich verbuchen, dahinter folgten Südafrika (26,4%) und Kenia (25,3%). Gemeinsam streifte die technologieaffine Gründerszene der drei Länder also 81,5 Prozent der Gesamtinvestionen ein.

Allerdings zeigt der Bericht auch, dass andere Staaten langsam aufholen. Startups aus Ruanda, Côte d'Ivoire, Tansania, Ägypten, Ghana und Senegal sind in den Fokus internationaler Anleger gerückt und konnten vom Startup-Boom profitieren.

Mega-Deals wurden nicht berücksichtigt

Nach Branchen aufgeschlüsselt ging das Gros der Investments in sogenannte Off-Grid-Technologien, die eine autarke Energieversorgung abseits bestehender Versorgungsnetze ermöglichen. 36,6% der Gesamtsumme gingen in diesen Sektor. Dahinter folgten die Bereiche Finanztechnologie (19%) und digitaler Handel (16,5%).

Ein Manko des Partech-Ventures-Bericht ist aber, dass Mega-Deals über 200 Millionen US-Dollar nicht berücksichtigt wurden. Die tatsächliche Höhe der Startup-Investitionen liegt also deutlich über dem Wert von 366,8 Millionen US-Dollar. Wie berichtet, hatte alleine die mittlerweile in Jumia Group umbenannte 'African Internet Group' in Lagos im März 2016 in einer Finanzierungsrunde 327 Millionen US-Dollar eingesammelt.

Unter dem Dach der Jumia Group bündelt das deutsche Unternehmen Rocket Internet der Samwer-Brüder seine Afrika-Aktivitäten. Durch die Finanzierungsrunde stieß die Jumia Group in den erlauchten Kreis der 'Unicorns' vor. Als Unicorns werden Startups bezeichnet, die mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet sind.

Ein weiteres Indiz für den Aufschwung von Startups in Afrika ist das rapide Wachstum an 'Tech Hubs'. Im Juni 2016 hat die Weltbank 173 technologieorientierte Gründerzentren registriert. Im Jahr 2014 waren lediglich 117 Einrichtungen erfasst worden.

Tech Hubs in Afrika

Quelle: Weltbank (*.pdf), Public Disclosure Authorized

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