Afrika: Private Gelder für die Bauern

Länder sollen Nahrungsmittelselbstversorger werden

Von Busani Bafana | 18.09.2013

Maputo. Derzeit importiert Afrika jährlich Nahrungsmittel im Wert von fast 40 Milliarden US-Dollar. Experten raten den Staaten der Region zu Maßnahmen, die ihre Importabhängigkeit verringern und sie mittelfristig zu Selbstversorgern machen. Bislang haben allerdings nur wenige Länder die notwendigen Maßnahmen zur landwirtschaftlichen Entwicklung gesetzt.

"In den nächsten zehn Jahren sollten die afrikanischen Staaten selbst genügend Nahrungsmittel anbauen, beziehungsweise sich in Krisenzeiten gegenseitig aushelfen", meint der Leiter der Nichtregierungsorganisation 'Barefoot Education for Africa Trust', Professor Mandivamba Rukuni.

"Sich selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen, bedeutet bessere Lebensbedingungen und einen direkten Zugang der Bauern zu den Märkten. In einem solchen Fall hätten die Menschen mehr Geld in der Tasche", sagt er. "Erreichen lässt sich dies durch profitablere Anbaumethoden."

Afrikanische Länder haben laut einem in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo am 4. September von der Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA) veröffentlichten Bericht im Jahr 2010 157 Millionen Tonnen Getreide produziert und 66 Millionen Tonnen eingeführt.

Im August hatte das Forum für afrikanische Forschung die landwirtschaftlichen Importkosten mit 40 Milliarden Dollar angegeben. Diese Gelder wären besser angelegt, wenn sie dazu verwendet würden, die afrikanischen Bauern zu Selbstversorgern zu machen.

Maputo-Erkärung nur von wenigen Ländern beherzigt

Die afrikanischen Staats- und Regierungschefs hatten sich selbst in der Maputo-Erklärung von 2003 zu einer Verbesserung der landwirtschaftlichen und ländlichen Entwicklung verpflichtet. Sie müssten demnach mindestens zehn Prozent ihrer Haushaltsgelder für die Agrarwirtschaft und die ländliche Entwicklung ausgeben. Doch in den letzten zehn Jahren haben sich nur einige wenige der 54 Mitglieder der Afrikanischen Union (AU) an die Vorgabe gehalten. Dazu gehören Burkina Faso, Ghana, Guinea, Mali, Niger und der Senegal. Weitere 27 Länder entwickelten immerhin formelle Investitionspläne für eine nationale Landwirtschaft.

Zu den wenigen Ländern, die der Entwicklung der Landwirtschaft Priorität einräumen, gehört Nigeria. Das westafrikanische Land hat das sogenannte 'Nigeria Incentive-based Risk Sharing System for Agricultural Lending' (NIRSAL) entwickelt, das darauf abzielt, die Finanzierungsrisiken innerhalb der landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten durch langfristige Initiativen zum Aufbau von Kapazitäten und Institutionen zu verbessern und den kleinbäuerlichen Zugang zu Krediten zu erleichtern.

Wie der nigerianische Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Akinwumi Adesina, gegenüber IPS erklärte, bemüht sich Nigeria um Kredite lokaler Banken in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar. Die Regierung sei bereit, für die Risiken zu bürgen, um den Privatsektor Anreize zu geben, sich an der landwirtschaftlichen Entwicklung zu beteiligen. "Wir bemühen uns um neue Finanzierungsinstrumente, die unseren Kapitalmärkten erlauben, für die Landwirtschaft zu arbeiten." Schließlich erwirtschaftet der Sektor 44 Prozent des nationalen Bruttoinlandsproduktes (BIP) und beschäftigt 70 Prozent der Arbeitnehmer. Dennoch kommt er bei der Kreditvergabe der Banken mit einem Anteil von zwei Prozent sehr schlecht weg.

Auch wenn die meisten afrikanischen Länder noch nicht in der Lage waren, zehn Prozent ihrer Haushaltsgelder der Landwirtschaft zukommen zu lassen, gibt es nach Ansicht von Rukuni ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Investitionen. "Zehn Prozent hören sich gut an, doch können damit keine Wunder vollbracht werden", gab er zugleich zu bedenken. Mehr Bedeutung misst er einer öffentlichen Finanzierung in Zusammenarbeit mit den Regierungen, ihren Experten, Bauern und dem Privatsektor bei. "Die Regierungen müssen begreifen, wie wichtig es ist, in die Landwirtschaft zu investieren, um den Privatsektor zu Investitionen zu motivieren."

Nur gemeinsam stark

Afrikaner müssten sich vor Augen führen, dass es keinen Wettbewerb in der Landwirtschaft geben könne, solange Regierungen und Privatsektor sich nicht gemeinsame Ziele für eine infrastrukturelle Entwicklung setzten", sagte Rukuni. "Das größte Erfolgsrezept sind privatwirtschaftliche Investitionen."

Aus dem AGRA-Bericht geht hervor, dass der Grundbesitz in Afrika schwindet, obwohl 70 Prozent des auf dem Kontinent vorhandenen Agrarlandes unbewirtschaftet sind. Der Rückgang des Landbesitzes wirkt sich negativ auf die Produktivität der 33 Millionen Kleinbauern aus, die bis zu 90 Prozent der Agrarproduktion des Kontinents schultern.

Die Allianz schätzt, dass ein landwirtschaftliches Wachstum von einem Prozent die Einnahmen der Armen um mehr als 2,5 Prozent steigern könnte. Doch gehen nur 0,25 Prozent der Bankenkredite des Gemeinsamen Marktes für das östliche und südliche Afrika an die Kleinbauern.

Die AU-Agrarkommissarin Rhoda Peace Tumusiime erklärte gegenüber IPS, dass Investitionen in die afrikanische Landwirtschaft wichtiger sind als je zuvor. "70 Prozent der Bevölkerung hängen von der Landwirtschaft ab. Wenn wir uns also darauf konzentrieren, die Lebensbedingungen dieser Menschen zu verbessern, können wir die Armut besiegen", erklärte sie und fügte hinzu: "Wir wollen keine Situation, in der die Wirtschaft wächst, die Landwirtschaft hingegen nicht."

Agrobusiness als Wachstumsmotor nutzen

In dem im März 2013 vorgestellten Bericht 'Wachsendes Afrika: das Potenzial des Agrobusiness freisetzen' prognostiziert die Weltbank der afrikanischen Landwirtschaft bis 2030 Einnahmen in Höhe von einer Billion Dollar infolge einer erhöhten nationalen und internationalen Nachfrage. Daher drängt die Bank die afrikanischen Regierungen dazu, ihre Agrarstrategien zu verbessern und das Agrobusiness als Wachstumsmotor zu fördern.

"Ein Sektor, der zu mehr als 30 Prozent zur Wirtschaft eines Landes beiträgt, aber immer noch auf einem Subsistenzniveau vor sich hin dümpelt, zeigt, wie unterentwickelt er im Vergleich zum Bergbau und den Neuen Medien ist", sagte Abraham Sarfo, Agrarberater der Neuen Partnerschaft für Afrikanische Entwicklung (NEPAD). Er fordert innovative Finanzierungsmodelle zur Minimalisierung der Risiken landwirtschaftlicher Investitionen.

Phillip Kiriro, Vorsitzender des Ostafrikanischen Farmerverbands, der rund 200 bäuerliche Institutionen vertritt, wies darauf hin, dass sich der Zugang zu wichtigen landwirtschaftlichen Inputs und verbesserten Technologien in den letzten zehn Jahren nur leicht verbessert habe. Die Regierungen müssten mehr tun, damit die Bauern von ihren Erträgen leben könnten. (afr/IPS)

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