Afrika: Prepaid-Wasseruhren verschärfen Versorgungskrise

Kritiker sehen Aushöhlung des Menschenrechts auf freien Zugang zu Wasser

Von Jeffrey Moyo | 20.05.2015

Harare. Während in vielen Ländern der Welt Fortschritte beim Zugang der Bevölkerung zu sauberem Wasser zu beobachten sind, gibt es eine Reihe afrikanischer Staaten, die das Wasserziel der Vereinten Nationen nicht erreichen werden. Gerade in Ländern, die auf Prepaid-Wasseruhren setzen, sind die ärmsten Bevölkerungsgruppen von einer Unterversorgung mit der kostbaren Ressource bedroht.

Unclean sources of waterMenschen, die zu arm sind, um für sauberes Wasser zu zahlen, müssen auf unsichere Wasserquellen ausweichen (Bild: Jeffrey Moyo/IPS).

Die Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen zur Armutsbekämpfung sehen bis Ende des Jahres die Halbierung der Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser vor. "Doch dieses Wasserziel hat hier in Afrika eine Niederlage erlitten. Das gilt insbesondere für diejenigen Länder, die Prepaid-Wasseruhren eingeführt und damit den Zugang zu sauberem Wasser für die Armen weiter eingeschränkt haben", sagt Claris Madhuku von der 'Platform for Youth Development', einer simbabwischen Pro-Demokratie-Bewegung.

Wer kein Geld hat um für Wasser im Voraus zu bezahlen, geht leer aus. Das ist der Grund, warum viele Entwicklungsexperten und Aktivisten gegen diese Form der Wasserversorgung protestieren.

"Dadurch wird Wasser denjenigen vorbehalten, die es sich leisten können. Der Zugang zu Wasser ist aber ein Menschenrecht", meint Terry Mutsvanga, ein mit mehreren Preisen ausgezeichneter Aktivist aus Simbabwe, in Anspielung auf die UN-Resolution von 2010, die den Zugang zu Wasser und Sanitärversorgung zu einem Menschenrecht erklärt hat. Doch für Afrika könnte dieses Recht ferne Zukunftsmusik bleiben. Das UN-Umweltprogramm (UNEP) gibt die Zahl der Afrikaner, die ihr Wasser aus unsicheren Quellen beziehen, mit 300 Millionen an. Das entspricht fast einem Viertel der 1,1 Milliarden Afrikaner.

Viele Sozialaktivisten sehen einen Zusammenhang zwischen den regionalen Wasserversorgungsproblemen und der Einführung von Prepaid-Wasseruhren. "Schon jetzt haben Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Stellen wir uns nur vor, was passiert, wenn es für alle Afrikaner Wasseruhren gäbe", meint Mutsvanga.

In den letzten Jahren haben sich die Systeme in vielen Ländern wie Namibia, Nigeria, Südafrika, Swasiland und Tansania durchgesetzt. Sie wurden vor allem in einkommensschwachen Gebieten installiert. In Simbabwe ist ein Pilotprojekt angelaufen, das sich zunächst auf die Einführung der Prepaid-Wasseruhren in den Städten konzentriert.

Wasserarmut

Doch Slumbewohner wie Tinago Chikasha rechnen bereits mit dem Schlimmsten. "Für Arbeitslose wie mich sind das furchtbare Aussichten", sagt er. "Schon jetzt sind es Tausende von Dollar, die wir den Behörden an Wassergebühren schulden. Es kann gut sein, dass wir erst dann wieder Waser erhalten, wenn wir unsere Rückstände beglichen haben", meint der 51-Jährige.

In nicht-afrikanischen Ländern wurden Prepaid-Wasseruhren abgeschafft. In Großbritannien sind sie seit 1998 verboten. In Südafrika wurden sie nach einem größeren Choleraausbruch aufgegeben, später aber wieder eingeführt, was das Ende der gebührenfreien kommunalen Wasserversorgung aus Gemeinschaftsleitungen in den Townships bedeutete.

Trotz des Menschenrechts auf Wasser befürworten internationale Organisationen wie die Weltbank eine marktwirtschaftlich regulierte Wasserversorgung, die den Verbrauchern die Kosten der Wasserversorgung aufbürdet. Doch genau diese kapitalistische Denkweise sei schuld daran, dass die Ärmsten der Armen auf dem Trockenen säßen, meint Melusi Khumalo von der Vereinigung der Einwohner von Parktown North im südafrikanischen Johannesburg.

Mfundo Mlilo, Leiter von CHRA, einem Verband von Einwohnern der simbabwischen Hauptstadt Harare, ist ebenfalls ein vehementer Gegner der Prepaid-Wasseruhren. "Sie tragen nicht zur Lösung sondern zur Verschärfung unserer Wasserversorgungsprobleme bei", meint er.

Im letzten Monat hatte der Stadtschreiber von Harare, Tendai Mahachi, gegenüber der simbabwischen 'Weekend Post' erklärt, dass man sich von den Prepaid-Wasseruhren Kosteneinsparungen von 20 bis 30 Prozent erwarte. Mindestens 300.000 Haushalte der simbabwischen Hauptstadt sollen demnach auf Prepaid-Wassermessgeräte zurückgreifen können. Ferner sollen alle künftigen Neubauwohnungen mit Wasseruhren ausgestattet werden.

Angesichts dieser Pläne fürchtet Nathan Jamela, der in einer Armensiedlung der zweitgrößten Stadt Simbabwes, in Bulawayo, lebt, auch den Ausbruch von Krankheiten. "2008 kam es hier zum schlimmsten Ausbruch von Cholera, die infolge einer schlechteren Hygiene aufgrund der Einführung von Prepaid-Wasseruhren zurückkehren könnte. Hier sind die wenigsten in der Lage, für Wasser zu zahlen." (afr/IPS)

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