Afrika: Mit sterilisierten Mücken gegen Malaria

Rasante Zunahme von Erkrankungen im ostafrikanischen Hochland

Von Mzizi Kabiba | 11.11.2015

Kampala. Tropenmediziner warnen vor einer Ausbreitung von Malaria in Teilen Subsahara-Afrikas. Klimawandel, landwirtschaftliche Praktiken und Migrationsbewegungen tragen dazu bei, dass die Krankheit bislang wenig betroffene Regionen erreicht. Insgesamt werden sich Ende des Jahres 214 Millionen Menschen mit Malaria infiziert haben. Fast 500.000 werden daran sterben.

UNMISS Works with Warrap State HospitalUntersuchung einer an Malaria erkrankten Frau in Kuajok durch eine kenyanische Mitarbeiterin der UN-Mission im Südsudan (Bild: UN Photo/JC McIlwaine, CC BY 2.0)

"In unserem Land ist Malaria das größte Problem für die öffentliche Gesundheit", sagt Badria Babiker El-Sayed, Direktor des sudanesischen Forschungsinstituts für Tropenmedizin. Mit Unterstützung der Weltagrarorganisation FAO und der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO hat der Sudan damit begonnen, sterilisierte männliche Mücken freizusetzen, damit diese ihre zeugungsfähigen Artgenossen verdrängen und somit die Mückenpopulationen schrumpfen lassen.

FAO und IAEO wandten diese Methode bereits mit Erfolg gegen die Tsetse-Fliegen an, die die gefährliche Schlafkrankheit auf Menschen übertragen, sowie gegen Fruchtfliegen, die Ernten zerstören. Auf dem neuen Feld Malaria erproben die beiden Organisationen in Ostafrika die so genannte Sterile-Insekten-Technik (SIT) zur Kontrolle von Schädlingen.

UN wollen Malaria bis 2030 ausrotten

Malaria gilt als vermeidbare Krankheit, die gemäß dem UN-Nachhaltigkeitsziel Nr. 3 bis zum Jahr 2030 ausgerottet werden soll. Die Krankheit solle nicht durch eine bestimmte Methode, sondern durch umfassende Bemühungen besiegt werden, erklärt El-Sayed.

Mitarbeiter der FAO, die gemeinsam mit der IAEO die Logistik und Technologie für SIT entwickeln, sind der Überzeugung, dass auch landwirtschaftliche Praktiken wie die Auswahl von Saaten, Anbaumethoden und Wasserverbrauch miteinbezogen werden müssen.

Im Jahr 1950 war auf einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation WHO in der ugandischen Hauptstadt Kampala beschlossen worden, den intensiven Einsatz des Insektizids DDT gegen die Überträger der Krankheit zu unterstützen. Seitdem ist jedoch offensichtlich geworden, dass selbst eine derart wirkungsvolle Chemikalie das Problem nicht dauerhaft lösen kann.

Im Tennessee-Tal in den USA wurde Malaria in den 1930-er Jahren ohne Verwendung von Chemikalien durch eine massive Kampagne gegen Armut und durch den Bau großer Wasserkraftwerke ausgerottet.

Deutlich mehr Malaria-Fälle in Bergregionen

Experten zeigen sich derzeit vor allem über die rasante Zunahme von Malaria-Fällen im dichtbevölkerten Hochland in Ostafrika besorgt. Die Bewohner des Südwestens Ugandas und von Teilen Sambias und Ruandas haben im Gegensatz zu Bauern in mückenreichen Gebieten keine genetische Resistenz gegen Malaria.

Durch den Klimawandel entstehen zudem weitere neue Gefahren. In Sambia beispielsweise werden immer mehr Menschen von Krokodilen, Löwen und Büffeln angefallen, die auf der Suche nach Wasserquellen ihre ursprünglichen Habitate verlassen. Missernten können zudem Existenzen vernichten. Viele Bauern sind dazu gezwungen, ihren gesamten Viehbestand, Ackergeräte und sogar Land zu verkaufen, um zu überleben. Dabei rutschen sie in die Armut ab.

In Bürgerkriegsregionen erreichen die Zahlen der Flüchtlinge Rekordhöhe. Die meisten von ihnen bleiben in ihrem Land, leben aber in anderen Ökosystemen. Zahlreiche Ugander lassen sich in den Hügeln im Südwesten nieder und betreiben dort Ackerbau mit Methoden, die die Malaria-Risiken steigen lassen.

Hinzu kommt ein stetiger Temperaturanstieg, der dazu führt, dass die Malaria übertragenden Mücken ihre Habitate vor allem in höher gelegenen Regionen vergrößern. Das 'International Food Policy Research Institute' hat untersucht, weshalb das Auftreten von Malaria im Landesinnern von Uganda dramatisch zugenommen hat. Auch Gebiete in Kenia, Äthiopien und Burundi, die höher als 2.000 Meter liegen, sind besonders gefährdet.

Die Konferenz in Kampala hatte sich vor 65 Jahren vor allem durch die Ergebnisse des Einsatzes von DDT gegen Mücken in den Nachkriegsjahren in Italien überzeugen lassen. Inzwischen erscheint es allerdings als offensichtlich, dass damals vor allem die Wirtschaftshilfe durch den Marshall-Plan und das dadurch ausgelöste Wachstum zum Sieg über die Krankheit beitrug.

Bevölkerung muss an Malaria-Bekämpfung beteiligt werden

In Afrika sind heute angemessene landwirtschaftliche Methoden und umsichtiges Verhalten, wie etwa die Nutzung von Moskitonetzen, ein entscheidender Faktor bei der Malaria-Bekämpfung. Das Malaria-Institut in Sambia konnte die Krankheit im Süden des Landes mit internationaler Hilfe praktisch ausrotten. Der Mediziner Phil Thuma, der an dem Institut arbeitet, führt diese Fortschritte in erster Linie auf das Engagement der Bevölkerung zurück.

FAO verteilt in Malaria-Regionen seit Längerem Moskitonetze, mit denen alle Bemühungen im Kampf gegen die Krankheit auf einfache Weise unterstützt werden können. Ein aktuelles FAO-Projekt wirbt für den verstärkten Einsatz von mit Insektiziden getränkten Netzen in der Nähe von Viehställen in Kenia. Da Tiere und Menschen seitdem gesünder sind, ist die Milchproduktion deutlich gestiegen.

Untersuchungen haben ergeben, dass die meisten Menschen in Ostafrika die von den Regierungen bereitgestellten Moskitonetze verwenden und sogar Netze nachkaufen, weil sie von ihrem Nutzen überzeugt sind. Ein großes Problem liegt jedoch darin, dass Bauern von früh bis spät auf ihren Feldern arbeiten und keine Zeit haben, sich in den gefährlichsten Stunden vor Mückenbissen zu schützen.

Andere Studien weisen darauf hin, dass in Gebieten, in denen die Landwirtschaft die natürliche Vegetation zerstört, die Temperaturen in den Brutstätten der Mücken ansteigen. Landnutzung und Wiederaufforstung müssen also Teil der mit Hilfe der Gemeinschaften umgesetzten Strategien sein.

Programme gegen Malaria, die Schulungen von Bauern beinhalten, sind unter anderem in den Regionen Subsahara-Afrikas notwendig, in denen eine neue Bewässerungsinfrastruktur die Ernteerträge erhöhen soll. Bei einer Untersuchung in Äthiopien stellte sich heraus, dass die Malaria-Infektionsrate bei Kindern, deren Dörfer bis zu drei Kilometern von Bewässerungsdämmen entfernt liegen, sieben Mal höher ist als bei Kindern, die in mehr als acht Kilometern Entfernung leben. (afr/IPS)

| Tags: , , , , , , , , , ,

icon Ihre Meinung?

blog comments powered by Disqus