Afrika: Mit geballter Kraft in die Klimagespräche

Geschlossenes Auftreten soll Durchsetzung gemeinsamer Interessen ermöglichen

Von Monde Kingsley Nfor | 03.10.2014

Yaounde. Im Vorfeld der nächsten Klimagespräche der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention im Dezember in Lima und 2015 in Paris wollen staatliche und nichtstaatliche Akteure Afrikas die Zeit für den Aufbau strategischer Partnerschaften nutzen. Ziel ist es, eine gemeinsame Front aufzubauen, um den regionalen Einfluss in den Verhandlungen zu erhöhen.

Mercy Hlordz (l), Akos Matsiador (centre) and Mary Azametsi (r) are all victims of climate change. Credit: Jamila Akweley Okertchiri/IPSOpfer des Klimawandels (v.l.n.r.): Mercy Hlordz, Akos Matsiador und Mary Azametsi (Bild: Jamila Akweley Okertchiri/IPS)

Wie die Afrikanische Gruppe auf einem Treffen im Mai in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba erklärte, setzt man auf Zusammenarbeit und Partnerschaften, in der Hoffnung, bei den nach wie vor schwierigen Verhandlungen afrikanische Interessen durchzusetzen.

Die Gruppe der Zentralafrikanischen Waldkommission (COMIFAC) plant im nächsten Monat ein Treffen mit Experten und Delegierten aus den zehn Mitgliedsstaaten der Region, wie der COMIFAC-Vizegeneralsekretär Martin Tadoum berichtet. Bedauerlich sei, dass seine Gruppe lediglich bis zu zwei Vertreter zu den Treffen der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention entsenden könne.

Einflussnahme durch Know-how

Gleichzeitig hofft das Netzwerk der Panafrikanischen Parlamentarier zum Klimawandel (PAPNCC) möglichst viele afrikanische Abgeordnete und Bürger mit dem Problem des Klimawandels vertraut zu machen, um die Voraussetzungen für eine afrikanische Einflussnahme auf die Klimaverhandlungen zu erhöhen.

"Den afrikanischen Abgeordneten kommt die wichtige Rolle zu, Einfluss auf die Klimapolitik der afrikanischen Regierungen zu nehmen und den Forderungen der afrikanischen Klimaaktivisten Gehör zu verschaffen", meint der kamerunische Abgeordnete und PAPNCC-Vorsitzende Awudu Mbaya Cyprian.

PAPNCC mit Sitz in Kamerun ist in 38 afrikanischen Staaten aktiv und arbeitet mit Regierungen, politischen Entscheidungsträgern, Jugendverbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen Afrikas zusammen, um Klimaziele, die für den Kontinent wichtig sind, voranzubringen. Innovative Partnerschaftsmodelle, die Regierungen, Zivilgesellschaft, Denkfabriken und Wissenschaftler einbezögen, könnten Regierungspositionen mitbestimmen und die Kapazitäten der Unterhändler stärken, heißt es.

Die UN-Wirtschaftskommission für Afrika (UNECA) hat darauf hingewiesen, dass die Absprachen der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention zunehmend außerhalb der formellen Verhandlungsforen getroffen werden. Deshalb sei es wichtig, dass Afrika darauf vorbereitet sei, sich auf diesen Plattformen zu engagieren, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Afrikas zivilgesellschaftliche Aktivisten entwickeln derzeit unterschiedliche Strategien, damit ihre Forderungen auf den Vertragsstaatenkonferenzen in Lima und Paris (COP20 und COP21) gehört werden. Die Panafrikanische Allianz für Klimagerechtigkeit (PACJA), eine Koalition aus mehr als 500 solcher Gruppen und Netzwerke, organisiert derzeit mit Hilfe nationaler Plattformen und bekannter Persönlichkeiten ihre alljährlich stattfindende PACJA-Aktionswoche.

"Die PACJA-Aktionswochen werden für Mahnwachen, Versammlungen, Aufmärsche und Informationsveranstaltungen in Schulen, Dörfern, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum genutzt", erläutert Robert Muthami Kithuku, Programmmitarbeiter im PACJA-Hauptquartier in Kenia.

Andere Vereinigungen wie die Afrikanische Jugendinitiative zum Klimawandel (AYICC) und die Afrikanische Jugendallianz warten mit ähnlichen Maßnahmen auf, um jungen Leuten eine Plattform zu bieten, ihren Beitrag zu den Klimagesprächen und der Post-2015-Entwicklungsagenda auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene beizutragen. "Wir werden Briefe an unsere Unterhändler schicken, Mitteilungen verbreiten, die sozialen und Internetmedien sowie die Printmedien einsetzen und öffentliche Foren veranstalten. Auch arbeiten wir an Slogans für unsere Kampagnen", erläutert Kithuku.

Interkontinentale Süd-Süd-Zusammenarbeit

Die Anfälligkeit der afrikanischen Länder für den Klimawandel hat eine neue Welle der interkontinentalen Süd-Süd-Zusammenarbeit ausgelöst. PAPNCC-Kamerun hat sich mit PACJA verbündet, um durch Wiederaufforstungsmaßnahmen in vier kamerunischen Dörfern auf gemeinsame Klimabemühungen aufmerksam zu machen. Auch wird in Gesprächen mit regionalen Parlamentariern die Frage besprochen, wie der Klimaschutz in der Gesetzgebung der Länder verankert werden kann.

Im Juni hatten sich die Bürgermeister zentralafrikanischer Städte in Kamerun zusammengefunden, um ihre erste Teilnahme an den COP21-Verhandlungen in Paris zu planen. Unter dem Banner der Internationalen Vereinigung der frankophonen Bürgermeister Zentralafrikas zum Thema Städte und Klimawandel (AIMF) suchen die Bürgermeister nach Klimaanpassungs- und –abmilderungsmaßnahmen für ihre Städte.

Während des Workshops der Afrikanischen Gruppe im Mai in Addis Abeba kamen die Teilnehmer überein, dass die Klimaverhandlungen den afrikanischen Ländern Gelegenheiten bieten, ihre Anpassungsfähigkeiten zu stärken und die Weichen für eine klimafreundlichere Wirtschaftsentwicklung zu stellen. Afrika könne seine finanziellen Schwächen durch seine natürlichen Reichtümer wie Wälder, Wasser und Sonne kompensieren.

Bei dieser Gelegenheit forderte der äthiopische Minister für Umwelt und Wälder, Belete Tafere, die führenden afrikanischen Klimaunterhändler auf, möglichst ehrgeizige Forderungen zu stellen. So müssten die für den CO2-Ausstoß hauptverantwortlichen Länder auf verbindliche CO2-Reduktionszusagen verpflichtet werden. Außerdem sollten die afrikanischen Regierungen die Abmilderung der Folgen des Klimawandels als Beitrag zu einer Lösung der globalen Klimakrise herausstellen.

Doch die Verhandlungen sind und bleiben gerade für die afrikanischen Länder eine enorme Herausforderung. Denn den Regierungen fehlen die Mittel, um ähnlich große und gut informierte Delegationen wie die reichen Staaten zu den COPs zu entsenden. "Afrika verfügt über geringfügige Kapazitäten, Klimaentscheidungen zu beeinflussen", bestätigt Tomothé Kagombet, einer der führenden kamerunischen Klimaunterhändler, im IPS-Gespräch.

"Die meisten unserer Probleme sind finanzieller Natur. So sitzt Kamerun in den Verhandlungen neben Kanada, das auf den COPs mit einer Delegation aus fast 100 Personen vertreten ist, während Kamerun nur zwei Vertreter vorweisen kann. Wie uns ergeht es allen anderen afrikanischen Staaten."

Kagombet zufolge verfügen die Industriestaaten auf den Konferenzen über ausreichende personelle Kapazitäten, um ihre Delegierten und Experten regelmäßig austauschen zu können, während die Afrikaner oftmals ohne Pause und bis zur Erschöpfung weiterverhandeln müssten. "Auf Länderebene mangelt es zudem an Vorbereitungstreffen, die dazu beitragen könnten, Kapazitäten aufzubauen und die Positionen unserer Staaten durchzusetzen."

Um die Verhandlungskapazitäten der Delegierten zu verbessern, rekrutiert COMIFAC für die Dauer der Verhandlungen Berater, die den Vertretern der zehn Mitgliedstaaten in verschiedenen Fragen und auf verschiedenen Foren zur Seite stehen.

Pro Land ein Klimaaspekt

"Um das personelle Problem zu kompensieren, zielt die neue Strategie darauf ab, dass jedes Land darauf vorbereitet wird, die Gruppe in einem konkreten Verhandlungsaspekt zu vertreten. So könnte der Tschad den Diskussionen über Klimaanpassung, Kamerun über Abmilderung der Klimafolgen und die Demokratische Republik Kongo über die Klimafinanzierung folgen", erläutert Tadoum von COMIFAC.

Angesichts der zunehmenden Komplexität der Verhandlungen, der Anpassungs- und Abmilderungskonzepte und -instrumente wie REDD zur Verringerung der CO2-Emissionen durch Entwaldung, dem Mechanismus für saubere Entwicklung (CDM) und den mehr als 60 unterschiedlichen Fonds sind die Herausforderungen für die afrikanischen Experten gewaltig, wie Samuel Nguiffo vom Zentrum für Umwelt und Entwicklung (CED) betont. CED ist eine subregionale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Kamerun.

"Es gibt keinen Etat für den Aufbau von Kapazitäten und für die Entsendung von mehr Delegierten zu den COPs. Das UN-Klimasekretariat trägt lediglich die Kosten für die Anwesenheit von jeweils bis zu zwei Delegierten aus Entwicklungsländern", so der kamerunische Unterhändler Tomothé Kagombet.

Die führenden afrikanischen Unterhändler schmieden nun mit Blick auf die juristischen Aspekte der Klimagespräche Partnerschaften mit jungen afrikanischen Rechtsanwälten. Außerdem arbeiten sie an einer historischen und für den Kontinent relevanten Übersicht über die Mitwirkung und die Entscheidungen der afrikanischen Staaten seit der Einführung des Kioto-Protokolls von 1997. (afr/IPS)

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