Afrika: Mit asiatischer Hilfe ins Internet

Ein Kontinent rüstet für die digitale Zukunft

Von Kalinga Seneviratne | 13.12.2013

Bangkok. Von rund einer Milliarde Einwohnern Afrikas sind zwar erst 16 Prozent online, doch die Nutzung von Computern und Mobiltelefonen nimmt rapide zu. Daher versucht der Kontinent, mit Hilfe der neuen Wirtschaftsmächte Asiens in die digitale Zukunft durchzustarten. Dahinter stehen auch Geschäftsinteressen asiatischer Elektronik-Riesen.

Afrika bietet einen riesigen Markt und erwartet deshalb von der asiatischen Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) Unterstützung in Bereichen wie Telebanking, Internet-Bildung und Cyber-Sicherheit. "Es gibt viele günstige Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit", meint Safroadu Yeboah-Amankwah vom Südafrika-Büro der internationalen Unternehmensberatungsfirma McKinsey. "Asien ist mit seinen Internet-Erfahrungen Afrika um fünf oder sogar zehn Jahre voraus. Diese Kenntnisse und die in Asien verfügbaren Technologien können für uns sehr nützlich sein", sagt der IT-Experte aus Ghana.

Im November kam Yeboah-Amankwah zu der von der Internationalen Fernmeldeunion ITU organisierten Konferenz 'Telecom World 2013' in die thailändische Hauptstadt Bangkok. Zahlreiche afrikanische Staaten unter Führung Nigerias zeigten in einer Präsentation, wie sich ihre Volkswirtschaften zunehmend zur Mobilfunk- und Breitbandkommunikation hin orientieren und bestrebt sind, Investoren aus Asien anzuziehen.

"Nordamerika ist für unsere Märkte eigentlich nicht wichtig", meint Yeboah-Amankwah. "Dafür ist die Süd-Süd-Zusammenarbeit interessant, etwa in Bereichen wie Banking und Bildung, in denen eine Kooperation größere Märkte erschließen kann. Wenn asiatische und afrikanische E-Commerce-Firmen miteinander kooperieren, wird sich auch der Zugang zu Innovationen vergrößern."

720 Millionen Handybesitzer in Afrika

Nach Erhebungen von ITU besitzen mehr als 720 Millionen Afrikaner ein Mobiltelefon, und etwa 167 Millionen haben Zugang zum Internet. Die Nutzerzahlen steigen weiter rasant an, weil die Netzwerke für die Mobiltelefonie immer weiter ausgebaut werden und die Preise für internetfähige Endgeräte sinken.

Asien hat im Vergleich zu Afrika die Nase weit vorn. Statistiken belegen, dass 3,5 Milliarden der weltweit insgesamt 6,8 Milliarden Mobilfunkverträge in der Asien-Pazifik-Region abgeschlossen wurden. "Für uns in Afrika ist diese Technologie noch neu. Wir können nur dazulernen", sagt ITU-Generalsekretär Hamadoun Touré, der aus Mali stammt.

Wie die Internationale Fernmeldeunion festgestellt hat, gibt es inzwischen fast genauso viele Mobilfunkverträge wie Erdenbürger. In Südkorea hat die IKT-Technologie den höchsten globalen Entwicklungsstand erreicht. Indien hat sich mit seinen Computer-Experten international einen Namen gemacht, und die chinesischen Telekom-Unternehmen gelten als die größten Betreiber der Welt.

Laut Ji-Yong Park von der Südkoreanischen Behörde für Internetsicherheit (KISA) hilft man den afrikanischen Ländern dabei, die Sicherheit ihres Internets zu verbessern. "Im vergangenen Jahr haben wir mehr als 200 Regierungsbeamte aus Afrika fortgebildet", berichtet er. Indien wiederum hat viele afrikanische Staaten bei der Verbesserung der IT-Ausbildungsangebote etwa durch das 2003 eröffnete ghanaisch-indische 'Kofi Annan-Zentrum für IKT-Exzellenz' unterstützt. Malaysia ist beim Aufbau einer Multimedia-Universität in Tansania behilflich, während Thailand einen Thaicom-Satelliten ins All schießen wird, um die Kommunikation innerhalb von Afrika und mit Asien zu verbessern.

"Wir sehen in Afrika die Zukunft. Dort gibt es so viel Land, das ausreicht, um die ganze Welt zu ernähren. Wir können via Satellit kommunizieren und e-Landwirtschaft betreiben", erklärte ein IT-Berater der thailändischen Regierung am Rande der Konferenz in Bangkok. "Afrikaner und Thailänder haben ungefähr den gleichen Entwicklungsstand erreicht und ähneln sich. Ich fühle mich dort wohl, doch ich bemerke den Mangel an Infrastruktur für diese neue Technologie."

Rebecca Okwaci, südsudanesische Ministerin für Telekommunikation, betonte, dass das führende chinesische IT-Unternehmen 'Huawei' und Indien ihrem Land seit der Unabhängigkeit 2011 große technische Unterstützung geleistet haben. "Unser IT-Programm ist bereits mit Indien verbunden. Indische Universitäten führen mit uns e-Learning-Projekte durch und bilden Mitarbeiter unseres Ministeriums weiter."

Weg von der Abhängigkeit von Entwicklungshilfe

Afrikanische Staaten sehen die IKT-Partnerschaft mit Asien als Weg, um sich von dem alten Modell der westlichen Entwicklungshilfe unabhängig zu machen. "Unsere Beziehungen zum Westen wurden traditionell durch die Vergabe von Krediten geprägt. Jetzt haben wir Kontakte, die das Wachstum in Afrika vor allem im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien ankurbeln", sagte der ruandische Telekommunikationsminister Jean Philbert Nsengimana, der auf die guten Beziehungen seines Landes zu Südkorea hinwies.

Ruanda hat mit Hilfe des koreanischen Telekom-Sektors in den vergangenen Jahren den Aufbau seines nationalen Breitbandnetzes abgeschlossen. Laut Nsengimana wird nun gemeinsam an der Verlegung der Last-Mile-Anschlüsse an die einzelnen Haushalte und an der Cyber-Sicherheit gearbeitet. Auch finde eine enge Kooperation mit Indien und China statt.

Huawei betreibt ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Südafrika und sieben Ausbildungszentren auf dem ganzen Kontinent. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 5.800 Menschen in 18 Ländern. Geschäfte mit Afrika brachten Huawei im Jahr 2011 etwa 3,42 Milliarden US-Dollar ein. Der südkoreanische Konzern 'Samsung Electronics' teilte im November mit, er rechne damit, die Hälfte seiner rund 20 Millionen Smartphones im kommenden Jahr in Afrika abzusetzen. (afr/IPS)

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