Afrika: Mehr als die Hälfte des Agrarlands unbrauchbar

Wissenschaftler fordern verantwortungsbewussten Umgang mit Böden

Von Busani Bafana | 16.01.2015

Distrikt Ntungamo, Uganda. In Afrika sind etwa 65 Prozent des urbaren Landes zu stark geschädigt, um noch für die Nahrungsproduktion genutzt zu werden. In einem neuen Bericht schildert das 'Montpellier Panel' in London, wie die Dreifachbelastung aus Bodendegradation, schlechten Ernten und Bevölkerungswachstum den Kontinent unter Druck setzt.

Sharifa Juma digs terraces to stop soil erosionSharia Juma in Lushoto in Tansania versucht die Bodenerosion durch kleinen Terassen zu stoppen (Bild: Georgina Smith/CIAT, CC BY-NC-SA 2.0).

In dem im Dezember veröffentlichten Report 'No Ordinary Matter: Conserving, Restoring and Enhancing Africa's Soil' (*.pdf) empfiehlt das Expertengremium den afrikanischen Regierungen und den Gebern, in Land- und Bodenmanagement zu investieren. Zudem sollen sie im Interesse eines verantwortungsvollen Umgangs mit Land und eines nachhaltigen Bodenmanagements Anreize zum Schutz von Landrechten schaffen.

Der Report wurde im gleichen Monat veröffentlicht, in dem die Vereinten Nationen das Internationale Jahr des Bodens 2015 ausgerufen haben. Der Generaldirektor der Weltagrarorganisation FAO, José Graziano da Silva, würdigte die Entscheidung als wichtigen Schritt zu einer "echten nachhaltigen Entwicklung für alle und durch alle".

Ein Drittel der Böden weltweit geschädigt

Laut FAO hat der Druck, den Menschen auf die Ressource ausüben, dazu geführt, dass weltweit etwa ein Drittel der Böden, die für die Nahrungsproduktion benötigt werden, verödet ist. Ohne neue Ansätze werde im Jahr 2050 nur noch ein Viertel des urbaren Landes vorhanden sein, das jedem Erdenbürger noch 1960 zur Verfügung stand. Der Organisation zufolge dauert es bis zu 1.000 Jahre, dass sich ein Zentimeter fruchtbarer Boden bilden kann.

Der Agrarwissenschaftler Moses Tenywa, der an der Makerere-Universität in der ugandischen Hauptstadt Kampala lehrt, drängt die Regierungen Afrikas, sich stärker als bisher für den Erhalt von Erdreich und Gewässern einzusetzen. Meist gingen Bauern mit ihrer Hände Arbeit und finanziellen Mitteln in Vorleistung.

"Kleinbauern verfügen oft nicht über die ausreichenden Möglichkeiten, um Gewässer und Böden effizient zu schützen. Deshalb muss man ihnen größere Anreize bieten, etwa in Form einer Marktanbindung, die ihnen zu Einkünften und Krediten verhelfen kann", sagt Tenywa. Die klimasmarte Landwirtschaft könne die Bodengesundheit fördern. Der Begriff 'klimasmarter Anbau' meint Aktivitäten wie die Agroforstwirtschaft, den Mischkulturanbau, Fruchtwechsel, effizientere Vorhersagen extremer Wetterphänomene, die Kombination von Pflanzenbau und Tierhaltung sowie ein verbessertes Wassermanagement.

Verluste von fast 70 Millionen Dollar in Subsahara-Afrika

Bevor die Farmer mit Bodenkonservierungsmethoden vertraut gemacht worden seien, hätten sie Düngemittel ohne Überprüfung ihrer Böden eingesetzt, so Tenywa. Inzwischen jedoch sei es üblich, dass sie die Bodenbeschaffenheit mit entsprechenden Test-Kits untersuchten oder in Labors kontrollieren ließen.

Laut dem Bericht des Montpellier Panel sind schätzungsweise 180 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika von der Bodendegradation betroffen, die aufgrund ausbleibender Ernteerträge wirtschaftliche Verluste in Höhe von etwa 68 Milliarden US-Dollar verursacht.

"Die Belastungen, die die beschädigten Böden in Afrika verursachen, werden in einem unverhältnismäßig hohen Maß von den armen Bauern getragen", erklärt Sir Gordon Conway, der Vorsitzende der Gruppe afrikanischer und europäischer Wissenschaftler. "Probleme wie eine fragile Sicherheit der Böden und ein begrenzter Zugang zu Finanzmitteln führen dazu, dass diese Farmer auf bessere Praktiken im Umgang mit Land verzichten. Diese Methoden würden aber auf längere Sicht die Bodengesundheit fördern."

Eine gute Bodenqualität sei in Afrika ausschlaggebend für die landwirtschaftliche Produktivität, für den Broterwerb extrem vieler Menschen und für eine zufriedenstellende Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, betont der Entwicklungsexperte Wole Fatunbi vom Forum für Agrarforschung in Afrika (FARA). "Der Gebrauch einfacher und passender Werkzeuge, die für Kleinbauern erschwinglich sind, sollte weiter untersucht werden. Zugleich ist eine strikte Regulierung der Landnutzung für landwirtschaftliche Zwecke notwendig, um das Ausmaß der Bodendegradation zu reduzieren."

Kompostherstellung bisher zu aufwändig

Fatunbi hatte vor 15 Jahren eine Reihe von Methoden entwickelt, mit deren Hilfe herkömmliche Düngemittel in der westafrikanischen Savanne durch pflanzliche Dünger ersetzt werden sollten. Die Technologie habe sich nicht durchgesetzt, weil das Sammeln des Materials und die Herstellung des Komposts sehr aufwändig gewesen seien. "Wenn Technologien den Bauern nicht sofort mehr Einkommen oder Nahrung verschaffen, sind sie nicht willkommen. Denn gute Böden kann man nicht essen", so Fatunbi, der dazu rät, Kompost und mineralischen Dünger in Pellet-Form anzubieten, um die Anwendung attraktiver zu machen.

Dem Experten zufolge hat sich der Terrassenanbau auf ugandischen und ruandischen Hochplateaus als Erfolgsgeschichte zur Bekämpfung der Bodenerosion herausgestellt. In diesen Ländern seien entsprechende Gesetze eingeführt worden. Außerdem habe sich die Verwendung von organischem Dünger in Savannenlandschaften als Erfolgsmodell für ein Agrarsystem herausgestellt, das Ackerbau und Viehzucht zusammenführe.

Geringere Niederschläge

Wissenschaftler weisen indes in einem neuen Bericht ( 'Climate Change and Security in Africa') auf die verheerenden Folgen des Klimawandels für die Böden hin. Demnach wird der erwartete Temperaturanstieg auf dem Kontinent höher ausfallen als im globalen Durchschnitt.

Die jährlichen Niederschlagsmengen werden den Voraussagen zufolge mit Ausnahme von Ostafrika fast überall in der Region sinken. Weniger Regen werde gravierende Folgen für die Landwirtschaft in Subsahara-Afrika haben, die zu 75 Prozent von Regenwasser abhänge, heißt es in der Studie.

Im Jahr 2015 werden in der Region voraussichtlich 22 Prozent weniger Mais, 17 Prozent weniger Hirse, 18 Prozent weniger Erdnüsse und acht Prozent weniger Maniok geerntet werden. (afr/IPS)

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