Afrika: Lokale Taxi-Apps sagen Uber den Kampf an

60 Online-Dienste buhlen in 21 Ländern um Fahrgäste

Von Eleni Mourdoukoutas, Africa Renewal* | 02.11.2017

New York (AR/afr). Bis vor kurzem waren die Taxidienste in afrikanischen Metropolen wie Kairo, Freetown, Lagos oder Nairobi chaotisch. Fahrer erwiesen sich als unzuverlässig, häufig kam es zu Unfällen. Mit dem Markeintritt von Uber hat sich der Personentransport in vielen afrikanischen Städten entscheidend verändert.

Taxifahrer in Dakar, SenegalTaxifahrer in Dakar, Senegal (Bild: Salvador Aznar/Shutterstock.com)

Der Online-Vermittlungsdienst Uber ist für die urbane Bevölkerung in vielen afrikanischen Ländern zu einer willkommenen Alternative zu den lokalen Taxis geworden. Die Buchung und die Bezahlung von Fahrten erfolgt einfach und nachvollziehbar über das Smartphone, die Preise werden durchwegs als fair erachtet.

Uber wurde 2009 in San Francisco gegründet und hat sein Konzept mittlerweile rund um den Erdball ausgerollt. Mit Stand Juni 2017 war das Service in 15 afrikanischen Großstädten verfügbar. In Ägypten, Ghana, Kenia, Marokko, Nigeria, Südafrika, Tansania und Uganda waren zu diesem Zeitpunkt bereits 60.000 Fahrer registriert.

Mittlerweile sieht sich Uber mit einer wachsenden Anzahl von Konkurrenzanbietern konfrontiert. Afrikanische Technologieunternehmen wollen vom Boom profitieren und haben ihre eigenen Apps für die Vermittlung von Personentransporten entwickelt. In der Regel sind diese besser auf die Bedürfnisse der Bevölkerung zugeschnitten als das US-Vorbild.

Lokale Apps setzen auf Nutzergewohnheiten

Der Vorsprung lokaler Services wird etwa am Angebot von Little Cab in Kenia erkennbar. Die Taxi-App wurde 2016 vom Mobilfunkbetreiber Safaricom aus der Taufe gehoben. Little Cab funktioniert nach dem Uber-Prinzip, hat aber einen entscheidenden Vorteil: Im Gegensatz zur US-Konkurrenz akzeptiert Little Cab das populäre mobile Bezahlsystem M-Pesa. Nach Untersuchungen ziehen 94% der Kenianer M-Pesa jeder anderen Bezahlform vor. Laut dem Safaricom-Geschäftsbericht für das Jahr 2016 ist es durch Little Cab gelungen, das Wachstum von Uber im kenianischen Markt zu verlangsamen.

In Südafrika erfreut sich Africa Ride zunehmender Beliebtheit. Der Dienst wartet mit einer Vielzahl von Zahlungsoptionen auf, darunter auch mobile Geldbörsen. Der Service ist bereits in Großstädten wie Kapstadt, Johannesburg oder Rustenburg verfügbar.

Uber scheint jedoch entschlossen, im Wettbewerb mit lokalen Lösungen nachzurüsten und arbeitet verstärkt mit einheimischen Unternehmen zusammen. In Nigeria kooperiert Uber mit der Bezahlplattform Paga, damit Kunden den Dienst mit ihrem mobilen Konto bezahlen können. Bereits 6,4 Millionen Menschen sind bei Paga registriert.

Hohe Wettbewerbsdichte

Insgesamt gibt es mittlerweile fast 60 Taxi-Apps in 21 afrikanischen Ländern. Nicht alle Versuche sind erfolgreich: So musste die im Jahr 2016 gegründete Bodapp aus Nairobi, die sich auf die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten auf Motorrädern (Boda Bodas) spezialisiert hatte, nach nur zwei Monaten aufgeben.

Der wachsende Wettbewerb verbessert die Erwerbsmöglichkeiten für die Fahrer. Viele Taxifahrer sind mittlerweile mit Konditionen von Uber unzufrieden. Africa Ride hat darauf reagiert und seine mehr als 500 Fahrer am Unternehmen beteiligt. "Unsere Fahrer sind nun Mitbesitzer des Unternehmens”, sagte Africa-Ride-Gründer Thabo Mashale gegenüber der Online-Plattform Disrupt Africa. "Wir haben sie in eine Stiftung eingebracht, die wiederum einen bestimmten Prozentsatz am Unternehmen besitzt."

Andere Dienste versuchen mit Mehrwert zu punkten. Das Startup WhereIsMyTransport stellt in seiner App "Transport for Cape Town” Informationen zu Verkehrshindernissen oder Sehenswürdigkeiten auf der jeweilige Route in Kapstadt zur Verfügung. Im Augenblick ist geplant, den Service auf weitere sechs südafrikanische Städte auszudehnen.

Taxifahrer fürchten um ihre Jobs

Lokale Fuhrunternehmer haben mit der neuen Konkurrenz naturgemäß keine Freude. Taxifahrer fürchten, dass die Apps ihre Existenzgrundlage vernichten. "Uber zerstört Arbeitsplätze in Nigeria, weil sie günstigere Tarife verlangen", meint Tony Oyesoya, Taxifahrer in Lagos, im Interview mit der UN-Zeitschrift Africa Renewal. Er fügt hinzu, dass die Taxi-Gewerkschaften bereits daran denken, das Problem an die Regierung heranzutragen.

Auch in anderen Ländern mehren sich die kritischen Stimmen gegenüber Uber. Im März haben südafrikanische Taxifahrer gegen das US-Unternehmen protestiert, in dem sie die Straßen zum Flughafen blockierten. In Kenia wurden Uber-Fahrer angegriffen und ihre Autos in Brand gesteckt.

Die afrikanischen Regierungen scheinen von den raschen Entwicklungen am Transportsektor überrascht worden zu sein. Nun wollen aber viele Staaten regulatorische Maßnahmen entwickeln. Als erstes Land hat Ghana die Initiative ergriffen: Das Verkehrsministerium in Accra hat sich mit Uber auf ein Memorandum verständigt, welches einerseits ein klares Bekenntnis zu den neuen Technologien und andererseits Regelungen für Fahrer und Unternehmen beinhaltet.

Branchenexperten gehen aber davon aus, dass der Markt für Vermittlungsdienste via Handy trotz geplanter Regulierungsmaßnahmen weiter wachsen wird. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf die ständig steigende Verbreitung von Smartphones. Uber wird seine Rolle als Platzhirsch wohl auf absehbare Zeit behalten. Die Chance von afrikanischen Technologieunternehmen liegt vor allem in ihrem besseren Verständnis für die Erfordernisse der Bevölkerung. (Ende)

*Eleni Mourdoukoutas ist Redakteurin des Magazins Africa Renewal  der Vereinten Nationen. Dieser Beitrag ist erstmals in der Ausgabe 2/2017 des Magazins erschienen.

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