Afrika: Lernen vom arabischen Frühling

Krisen vermeiden durch Ernährungssicherheit

Von Terna Gyuse und Isaiah Esipisu | 04.10.2012

Arusha. Der Vorsitzende der Allianz für eine grüne Revolution in Afrika (AGRA), Kofi Annan, hat die politischen Entscheidungsträger des Kontinents aufgefordert, aus dem arabischen Frühling zu lernen. Es sei Aufgabe der Politiker, die Ernährung der Bevölkerung zu sichern, um Krisen und Volksaufstände zu verhindern.

Der ehemalige UN-Generalsekretär, der bis Ende August UN-Sondergesandter für Syrien gewesen war, erinnerte unlängst auf dem 'Africa Green Revolution Forum' im tansanischen Arusha, dass Nahrungsmittelknappheit die Revolten in Nordafrika und Nahost ausgelöst und im letzten Jahr zum Rücktritt der Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali (Tunesien) und Hosni Mubarak (Ägypten) geführt hatten.

"Wenn Afrikas Führer verstehen lernen, dass die Demokratie hier auf dem Kontinent funktionieren muss, dass sie auch einen regelmäßigen Machtwechsel bedeutet und dass wir der Zivilgesellschaft zuhören müssen, dann können wir auch künftige Krisen verhindern", sagte Annan.

Hunderte Vertreter von Politik, UN, Geberorganisationen, Zivilgesellschaft und großer Agrarunternehmen wie 'Yara' und 'Cargill', hatten Ende September an dem afrikanischen Forum für grüne Revolution in Arusha teilgenommen. Anwesend waren auch einige afrikanische Bauern. Die Teilnehmer einigten sich darauf, konkrete Aktionspläne zu entwickeln, um den landwirtschaftlichen Sektor des Kontinents umzubauen und künftig Ernährungssicherheit zu gewährleisten.

Einige Stimmen sprachen sich gegen Import- und Exportzölle innerhalb der afrikanischen Länder aus. "Wir müssen außerdem unsere Standards harmonisieren, sodass sie in allen fünf Ländern der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) gleich sind", sagte Anne Mbaabu, Direktorin des AGRA-Programms für Marktzugang. Darüber hinaus sei der Ausbau der Infrastrukturen wie Häfen, Straßen, Eisenbahnschienen dringend erforderlich.

Angespannte Sicherheitslage verhindert effektive Hilfe

Der tansanische Minister für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit Christopher Chiza sprach auf der Konferenz die schwierige Sicherheitslage in der Region an. "Auch wenn ein Land in einer tiefen Ernährungskrise steckt, ist es nicht so leicht für die Nachbarländer, den Menschen zu helfen. Die Handelswege sind oft unsicher." In erster Linie bezog sich Chiza damit auf die Lage in Somalia. Dort herrscht eine akute Hungersnot, doch wegen der angespannten Sicherheitslage ist es schwer für Hilfsorganisationen, in dem Land zu operieren.

Doch auch in Staaten ohne akute Krise seien die politischen Verhältnisse häufig investitionshemmend. "Das politische Umfeld in unseren Ländern verhindert den freien Handelsfluss. Wir brauchen mehr Vertrauen in die Politik", sagte Chiza. "Wir müssen es Investoren leichter machen, ihr Geld in unseren Ländern anzulegen. Letztlich müssen wir auch über eine gemeinsame Währung nachdenken und andere Herausforderungen bewältigen, bevor wir tatsächlich zu einer Union zusammenwachsen können."

Raus aus der Subsistenzwirtschaft

Annan machte auf den Wandel in der Landwirtschaftspolitik der afrikanischen Länder aufmerksam. "In der Vergangenheit wurde das Thema Landwirtschaft weitgehend ignoriert. Aber heute weiß man, dass Landwirtschaft notwendig ist, um genügend Nahrungsmittel zu produzieren, um Menschen Arbeit zu geben und um die globale Ernährungssicherheit zu gewährleisten." Das Ziel müsse sein, Kleinbauern in Afrika zu helfen aus der Subsistenzwirtschaft herauszukommen und ihre Höfe wie Unternehmen zu führen, um einen Überschuss zu produzieren, den sie verkaufen könnten.

Das Potenzial ist vorhanden: Afrika hat die weltweit größten Ressourcen an nutzbarem, bisher aber unkultiviertem Land. Und das Land, auf dem Nahrungsmittel angebaut werden, ist häufig unternutzt. Um die Überlebensfähigkeit der afrikanischen Bauern zu stärken, die Ernährungssicherheit zu verbessern und Afrika einen Platz weiter oben im globalen Nahrungsmittelsystem zu sichern, müsse man verstärkt in die ländliche Infrastruktur investieren, so Annan, außerdem bessere Saat, bessere Technologien und Dünger einsetzen. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Bauern gut organisiert und informiert sind."

Auch Melinda Gates, die gemeinsam mit ihrem Mann, dem Microsoft-Gründer Bill Gates, der Melinda-und-Bill-Gates-Stiftung vorsitzt, nahm an dem Forum vom 26. bis 28. September in Arusha teil. Ihre Stiftung hatte maßgeblich zur Gründung von AGRA beigetragen. "Die Bauern müssen ihre Ernteprodukte an den globalen Märkten anbieten können", sagte sie. Außerdem müssten sie die Möglichkeit haben, ihre Ware dann anzubieten, wenn die Preise besonders hoch sind, um höhere Gewinne zu erzielen. Bisher ist es häufig so, dass die Bauern keine Möglichkeit haben, ihre Erzeugnisse einzulagern und kühl zu halten. So müssen sie sie direkt verkaufen und überschüssige Ware wegwerfen.

"Bauern müssen Kollektive bilden und Vereinigungen, um ihrer Stimme Gehör verleihen zu können", sagte Gates. (afr/IPS)

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