Afrika: "Krankenhäuser sind eher für Frauen"

Männer fallen im Kampf gegen AIDS zurück

Von Miriam Gathigah | 19.12.2014

Nairobi. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass afrikanische Männer im Kampf gegen HIV/AIDS zurückfallen. Sie lassen sich weniger häufig testen als Frauen und nehmen seltener die lebensverlängernden Medikamente ein. Sie weisen ein geringeres Durchhaltevermögen bei der Behandlung auf und sterben somit häufiger an der Immunschwäche.

Men navigate with difficulty around an idea of masculinity that leads them to ignore their own health needs regarding HIV. Credit: Mercedes Sayagues/IPSViele afrikanische Männer verharren in traditionellen Rollenbildern und ignorieren die Anzeichen einer Erkrankung (Mercedes Sayagues/IPS).

"Bei der medizinischen Versorgung kommen Männer ganz klar zu kurz", meint Safari Mbewe, Geschäftsführer des Malawischen Netzwerks HIV-infizierter Menschen (MANET+). Laut einem Statusreport (*.pdf) der AIDS-Organisation der Vereinten Nationen UNAIDS waren bis Dezember 2012 nur etwa 36 Prozent der Afrikaner, die Zugang zu einer Anti-Retroviral-Therapie (ART) hatten, männlich. Und aus einer kenianischen Umfrage geht hervor, dass sich rund 80 Prozent aller Frauen, jedoch nur 60 Prozent aller Männer des ostafrikanischen Landes auf HIV/AIDS testen lassen. Ähnliche Verhaltensmuster sind in allen Ländern des Kontinents zu beobachten.

Die US-amerikanischen Zentren für Seuchenbekämpfung und –prävention fanden im Rahmen einer vierjährigen, in Swasiland, Mosambik, Sambia, Tansania und Uganda durchgeführten Untersuchung heraus, dass 63 Prozent der in ART befindlichen infizierten Sambier weiblich sind. In Uganda und Tansania brachen zwölf Prozent weniger Frauen als Männer ihre ARTs ab. In Kenia wurde bei 65 Prozent der Frauen, die sich einer ART unterzogen, eine Unterdrückung der Virenlast erreicht. Bei den Männern waren es hingegen nur 47 Prozent.

Meist werden in der Diskussion über die Infektionsrisiken Faktoren wie ein häufiger Partnerwechsel, ungeschützter Sex, Alkoholmissbrauch und Gewalt genannt. Dass sich Männer durch einen allzu sorglosen Umgang mit der eigenen Gesundheit gefährden, ist der Öffentlichkeit weniger bekannt.

Hohe Männersterblichkeit

Von den Patienten, die sich einer ART unterziehen, ist die Sterblichkeit bei Männern um 31 Prozent höher als bei Frauen, geht aus einer Studie von Mona Cornell, einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin an der Universität von Kapstadt in Südafrika hervor. Sie schlussfolgert, dass die meisten Anti-AIDS-Strategien in Afrika nicht auf die Befindlichkeiten von Männern eingehen.

Es seien vor allem die gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit, die hier eine negative Rolle spielten, meint Pierre Brouard, Leiter des AIDS-Studienzentrums an der Universität der südafrikanischen Stadt Pretoria. "Ein Mann zu sein, bedeutet für viele, dass sie Stärke zeigen und Schmerzen und Krankheitssymptome ignorieren müssen. Die eigenen Gesundheitsbedürfnisse werden zurückgestellt."

"Viele Männer sind der Meinung, dass Krankenhäuser für Frauen und Kinder sind", pflichtet ihm Landry Tsague, ein HIV-Experte des Weltkinderhilfswerks UNICEF in Sambia, bei. Männer ließen sich oft erst dann testen, wenn es für eine Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten bereits zu spät sei.

Dem Südafrikanischen Rat für humanwissenschaftliche Forschung zufolge hatten in dem Subsahara-Land 2012 etwa 1,3 Millionen Frauen und lediglich 651.000 Männer Zugang zu ARTs. Dismas Nkundam, Mitglied desNetzwerks zum Schutz reproduktiver Rechte in Afrika (RHANA), weist ferner darauf hin, dass Frauen während der Schwangerschaft routinemäßig auf HIV getestet werden. Außerdem seien sie meist diejenigen, die Angehörige ins Krankenhaus begleiteten. "Männer treten seltener als Frauen mit dem Gesundheitssystem in Kontakt."

Laut der Studie der US-Zentren für Krankheitskontrolle und –prävention beginnen Männer mit ART nicht nur in späteren Krankheitsstadien, sondern unterbrechen die Behandlung häufiger oder beenden diese vorzeitig. Dies steht nach Ansicht von Landry Tsague ebenfalls mit den geltenden sozialen Normen in Zusammenhang. "Männer schließen sich seltener Gruppen an, die sie unterstützen, ihre ARTs durchzuhalten."

Spezielle Männer-Kliniken gefordert

Experten empfehlen, eigens auf Männer zugeschnittene Gesundheitszentren einzurichten. "Männer fühlen sich fehl am Platze, wenn sie mit Frauen und schreienden Babys in den Warteräumen sitzen", erklärt Msafari. Zudem seien die wenigsten bereit, offen über ihre HIV-Infektion und ihre ART zu sprechen.

Zu diesen Ausnahmen gehört der heute 51-jährige kenianische Polizeiinspektor Ali Mlalanaro aus dem Landkreis Mombasa am Indischen Ozean. 1998 wurde er HIV-positiv getestet. Bis auf einen Herpes im Hüftbereich hatte Mlalanaro lange Zeit weitgehend beschwerdefrei gelebt. Doch 2007 erkrankte er schwer und unterzog sich später einer ART.

Obwohl seine zweite Frau an AIDS gestorben ist, haben sich seine sechs Kinder aus dieser und einer weiteren Beziehung nicht angesteckt. Inzwischen ist er mit einer HIV-positiven Mutter von drei Kindern verheiratet.

Mlalanaro weiß aus eigener Erfahrung, dass Männer in der Regel ihre HIV-Infektion so lange leugnen, bis es ihnen richtig schlecht geht. Regelmäßig eine Klinik aufzusuchen, sei für einen Polizisten sehr schwierig, sagt er. "Wir arbeiten sehr lange und zu unregelmäßigen Zeiten. Für die Behandlungen muss man aber oft ins Krankenhaus kommen."

Dass er den Kampf gegen die Immunschwäche nicht verloren hat, verdankt er nach eigenen Angaben der Vereinigung 'Soldaten der Hoffnung', die für Kenias Sicherheitskräfte zuständig sind. "Diese Gruppe hat mir Mut gemacht", sagt er. "Sie war wirklich für mich da." (afr/IPS)

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