Afrika/Katar: Von Doha bis Dakar

Ernährungsunsicherheit ist die Norm

Von Matoe Phakathi | 11.12.2012

Doha. Katar gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Und doch hat der Golfstaat mit den armen afrikanischen Nationen eines gemeinsam: Nahrungsunsicherheit. Der Ölproduzent muss 90 Prozent aller Lebensmittel importieren. "Essen ist hier sehr teuer", sagt ein aus Ghana stammender Taxifahrer, der in der Hauptstadt Doha arbeitet. "Und ein Liter Benzin ist preiswerter als Wasser."

Der Taxilenker hat alle Hände voll zu tun, um die Delegierten zu transportieren, die an der UN-Klimakonferenz (COP 18) vom 26. November bis 7. Dezember teilnehmen. Während die Ernährungsprobleme Katars von der Beschaffenheit der Böden herrühren, sind sie in den afrikanischen Staaten die Folge von Armut und Klimaanomalien. Wie Emmanuel Seck, Programmmanager der im senegalesischen Dakar ansässigen Organisation 'Umwelt- und Entwicklungsaktion in der Dritten Welt' berichtet, hat sich die Agrarproduktion in Afrika in den letzten Jahren drastisch verringert.

Während Afrika darum kämpft, seine weiträumigen Gebiete zu nutzen, um die Nahrungsproduktion in Zeiten des Klimawandels zu verbessern, pachten und kaufen Katar ebenso wie andere Golfstaaten und die aufstrebende Wirtschaftsmacht China Land auf dem schwarzen Kontinent, um Nahrungsmittel anzubauen. Laut einem in diesem Jahr veröffentlichten Bericht des 'Oakland Institute' sind allerdings Investoren aus den USA und Europa führend im Landkauf außerhalb ihrer Grenzen.

Swasiland kooperiert mit Emirat Katar

Entwicklungsländer wie das kleine Swasiland entwerfen längst Strategien, um Lebensmittel für Katar zu erzeugen und zu liefern. Die beiden Königreiche haben daher diplomatische Beziehungen aufgenommen. "Wir verfügen über große ungenutzte Flächen, die wir für die Produktion von Nahrungsmitteln für Katar verwenden können. Damit treiben wir unsere Wirtschaft an", meint der Leiter der Mission Swasilands bei COP 18, Mbuso Dlamini.

Für die Menschen in Swasiland werden allerdings nicht genügend Grundnahrungsmittel produziert, sodass der größte Teil aus dem benachbarten Südafrika eingeführt werden muss. Die größten Deviseneinnahmen erzielt Swasiland durch den Verkauf von Zucker.

Wie aus dem jüngsten Report des 'Worldwatch Institute' hervorgeht, befinden sich 34,3 Prozent der insgesamt 70,2 Millionen Hektar Land, die weltweit verpachtet oder verkauft worden sind, in Afrika. Katar und die übrigen Golfstaaten haben zusammen 6,4 Millionen Hektar in Entwicklungsländern erworben.

Wie Bruce Campbell von der Beratungsgruppe für Internationale Agrarforschung (CGIAR) betont, muss sichergestellt werden, dass die Agrarprojekte ausländischer Regierungen und multinationaler Konzerne nicht dazu führen, die armen Subsistenzbauern von ihrem Land zu vertreiben.

"Die Länder müssen Maßnahmen einführen, die garantieren, dass die Verpachtung von Land der dortigen Bevölkerung nicht das Mitbestimmungsrecht entzieht", unterstreicht Campbell. Nach Ansicht des Experten können die maßgeblich von der UN-Agrarorganisation FAO unterstützten Richtlinien über Verantwortung bei Landbesitz, Fischerei und Forsten den betroffenen Ländern helfen, die notwendige Balance zu erreichen.

Kurze Pachtverträge empfohlen

Die Tansanierin Emma Limenga, Wissenschaftlerin an der Dar-Es-Salaam-Universität, warnte die afrikanischen Staaten davor, Land langfristig zu verpachten. Normalerweise werden solche Verträge über 99 Jahre abgeschlossen. Limenga zufolge könnte ein so langer Zeitraum die Nahrungssicherheit künftiger Generationen gefährden. "Ein Abkommen über zehn bis 20 Jahre wäre vernünftig."

Nach Ansicht von Burger Patrice, Exekutivdirektor des unabhängigen 'Centre d'Actions et de Réalisations Internationales' darf die Armut in Afrika kein Feigenblatt für willkürliche Landnahmen sein. Er sieht in der Regenerierung der Trockengebiete eine Lösung von Problemen wie Land Grabbing und Nahrungsmittelunsicherheit.

"Trockengebiete sind die Folge von Klimaveränderungen über einen Zeitraum von mehreren Jahren", sagt er. "Es ist preiswerter, diese Böden wieder zu regenerieren als sie weiter zu vernachlässigen." Länder wie Katar seien gut beraten, ihre eigenen Nahrungsmittel anzubauen. "Denn sobald ihnen das Öl ausgeht, werden sie die hohen Nahrungsmittelimportkosten nicht mehr aufbringen können." (afr/IPS)

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