Afrika: HIV-Prävention versagt bei jungen Frauen

Ungleichbehandlung, Gewalt und fehlende Aufklärung als Gründe

Von Miriam Gathigah | 14.11.2014

Nairobi. Im südlichen und östlichen Afrika haben die jahrelangen Kampagnen gegen HIV/AIDS junge Frauen nicht vor einer Infektion mit dem Virus schützen können. "Die Prävention schlägt bei jungen Frauen fehl", bestätigt Lillian Mworeko von der Hilfsorganisation 'International Community of Women Living with HIV in Eastern Africa' mit Sitz in Uganda.

Gender inequalities explain why prevention is failing to contain HIV infection among young women in East and Southern Africa. UNAIDS calls for a major effort to reduce their risk of infection. Credit: Mercedes Sayagues/IPSDie Ungleichheit zwischen den Geschlechtern gilt als einer der Hauptgründe, warum die HIV-Prävention bei jungen Frauen im südlichen und östlichen Afrika fehlschlägt (Bild: Mercedes Sayagues/IPS).

Nach Erkenntnissen von UNAIDS entfallen vier von zehn HIV-Neuinfektionen bei Frauen über 15 Jahre auf die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen. Auch die Tatsache, dass die Infektionsrate bei jungen Frauen doppelt bis dreifach so hoch ist wie bei gleichaltrigen Männern gibt Experten Anlass zur Sorge. Untersuchungen bestätigen außerdem, dass weniger als 20 Prozent aller jungen Frauen über ihren HIV-Status Bescheid wissen.

Wissenschaftler führen die hohe HIV-Prävalenz bei Frauen auf die Ungleichbehandlung der Geschlechter und Gewalt gegen Frauen sowie auf einen begrenzten Zugang zu Gesundheitsversorgungsdiensten, zu Bildung und zum Arbeitsmarkt zurück. Außerdem werden Teenager, was ihre sexuelle Aufklärung und die Verfügbarkeit von Kondomen angeht, weitgehend allein gelassen.

Wie Milly Muchai, eine Spezialistin für Reproduktionsmedizin, warnt, sind Teenager auch deshalb besonders anfällig für eine HIV-Infektion, weil sie sich leichter Verletzungen im Genitalbereich zuziehen als ältere Frauen. Das Risiko einer Ansteckung steige zudem weiter an, wenn die männlichen Geschlechtspartner älter als 20 Jahre seien. Denn mit zunehmendem Alter erhöhe sich bei ihnen die Wahrscheinlichkeit, das Virus in sich zu tragen. Aus dem 'Kenya AIDS Indicator Survey 2012' geht hervor, dass die HIV-Prävalenz bei Männern unter 24 Jahren gleichbleibend niedrig ist und sich erst danach deutlich erhöht.

Frühe Infektionsgefahr

Wegen großer Altersunterschiede zwischen den Geschlechtspartnern infizieren sich Muchai zufolge Frauen in Ostafrika mit dem HI-Virus fünf bis sieben Jahre früher als Männer. Ursachen seien häufig wechselnde Sexualpartnerschaften und ein Verzicht auf Kondome. Frauen, die von ihren Sexualpartnern Geld oder Geschenke annähmen, seien meist nicht in der Lage, die Verwendung von Kondomen einzufordern.

In Swasiland, Lesotho und Botswana ist die Lage ähnlich. Laut UNAIDS tragen mehr als zehn Prozent der Frauen zwischen 15 und 24 Jahren das Virus in sich. Gang Sun, UNAIDS-Landesdirektor in Botswana, führt den hohen Anteil von HIV-Infektionen bei Mädchen und Frauen trotz der bemerkenswerten Fortschritte bei der Verringerung der Neuansteckungen und Behandlung zu einem Großteil auf die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen zurück.

Die HIV-Infektionen bei Frauen zwischen 20 und 24 Jahren liegen demnach in dem Land mit 15 Prozent etwa drei Mal so hoch wie die bei den Männern.

Wie Mary Pat Kieffer von der 'Elizabeth Glaser Paediatric AIDS Foundation' in Malawi berichtet, steigt die Ansteckungsgefahr für Teenager mit zunehmendem Alter. In Swasiland liegt die HIV-Prävalenz bei 15- bis 17-jährigen Mädchen bei sechs Prozent und steigt auf 43 Prozent an, wenn sie 24 Jahre alt sind. Kieffer macht dafür Armut, mangelnde Sekundarbildung, fehlende Arbeitsplätze und Vergewaltigungen sowie Gewalt von Seiten männlicher Sexualpartner verantwortlich.

Mworeki kritisiert, dass es für junge Menschen in der Übergangszeit zwischen Kindheit und Erwachsenenalter keine Reproduktions- und Familienplanungsangebote gibt. "Auf diese Altersgruppe zugeschnittene Präventions- und Behandlungsangebote fehlen", warnt sie.

Aufklärungsunterricht unzureichend

Der UNAIDS-Mitarbeiter Paska Kinuthia arbeitet in Südafrika mit Jugendlichen zusammen. Seiner Meinung nach muss der Aufklärungsunterricht an allen afrikanischen Schulen verbessert werden. "Durchschnittlich wissen 41 Prozent der jungen Männer und 33 Prozent der Frauen über HIV/AIDS Bescheid", erklärt er.

Die Experten sind sich darin einig, dass es eine Vielzahl von Problemen gibt, die gelöst werden müssen. So raten sie dazu, restriktive Bestimmungen abzuschaffen, die jungen Menschen den Zugang zu Beratungsstellen und Familienplanungsmethoden versperren. Sun ist der Meinung, dass die Förderung der Geschlechtergerechtigkeit und Jobangebote für junge Leute zur Lösung des Problems beitragen können. (afr/IPS)

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