Afrika: Größtes Wasserkraftprojekt auf der Kippe

Kämpfe in der DR Kongo gefährden Stromtransfer

Von Maurice Wa ku Demba und John Fraser | 30.08.2013

Johannesburg/Lubumbashi. Hohe Erwartungen begleiten den Bau des Wasserkraftwerks 'Inga III' in der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Ob das größte Projekt dieser Art in ganz Afrika jemals fertiggestellt werden wird, erscheint jedoch wegen der instabilen politischen Lage im Land fraglich. Die Sicherheitslage ist aufgrund der Kämpfe im Osten der DRC kritisch.

Im Mai hatte der kongolesische Energieminister Bruno Kapandji mitgeteilt, dass der Bau voranschreitet. Inga III wird im Westen des Landes an einer Stelle am Unterlauf des Kongo-Flusses errichtet, an der sich bereits zwei Staudämme sowie einer der größten Wasserfälle der Welt befinden. Das Wasser schießt dort fast hundert Meter in die Tiefe und fließt mit der beachtlichen Geschwindigkeit von 43 Kubikmetern pro Sekunde. Südafrika ist als Partner an dem Projekt beteiligt und soll auch den größten Teil der in Inga III erzeugten 4.800 Megawatt Strom abnehmen.

Der unabhängige Wirtschaftsexperte Ian Cruickshanks bezeichnet das Potenzial des Projekts als "enorm und aufregend". Das Kraftwerk könnte den Staaten südlich der Sahara "preisgünstigeren und saubereren Strom liefern, als den, der derzeit in Kohlekraftwerken produziert wird. Der Fluss ist da – man muss nur noch Turbinen hineinsetzen und Leitungen errichten."

Das auf sechs Jahre angelegte Bauvorhaben erfordert Investitionen von etwa zwölf Milliarden US-Dollar. Die Kosten für den Dammbau werden auf 8,5 Milliarden Dollar geschätzt. In einem ersten Schritt müssen die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) ein Paket von 63 Millionen Dollar für technische Hilfe bewilligen. Laut Informationen der Weltbank kommen 43 Millionen Dollar von ihrem Finanzierungsarm IDA und der Rest von der AfDB.

Weite Transportwege ein Problem

Als größtes Problem sieht Cruickshanks, dass die Energie über eine große Distanz nach Südafrika geleitet werden muss. Er weist auf das Stromprojekt 'Cahora Bassa' am Sambesi-Fluss in Mosambik hin. "Dort wird zwar Elektrizität erzeugt, jedoch nicht effizient an die Kunden in Südafrika weitergeleitet", gibt er zu bedenken. Da in der DRC weiterhin gekämpft werde, gebe es außerdem große Sicherheitsprobleme.

Nach Angaben des Weltflüchtlingshilfswerks UNHCR ist die Sicherheitslage im Osten der DRC seit Juli 2011 prekär. Neue Kämpfe zwischen der Rebellenbewegung M23, die aus 2012 desertierten Tutsi-Soldaten besteht, der kongolesischen Armee und anderer bewaffneter Gruppen haben tausende Menschen vertrieben. Etwa 2,2 Millionen Menschen sind innerhalb der Grenzen ihres Landes auf der Flucht.

Der Ingenieur und Energieexperte Andrew Kenny sieht solche regionalen Energieprojekte allerdings als essenziell für den Ausbau der Stromversorgung in Afrika, die ein wesentlicher Faktor für die kontinentale Entwicklung ist. "Elektrizitätsleitungen zwischen verschiedenen Ländern sind lebenswichtig. Da die aktuelle Nachfrage in den meisten afrikanischen Staaten niedrig ist, werden die meisten der geplanten Kraftwerke mehr Strom liefern, als das jeweilige Land tatsächlich braucht. Die Überschüsse könnten dann an die bedürftigen Nachbarn gehen."

Kenny hält Inga III nur dann für realistisch, wenn es als regionales Projekt mehrere Länder in der Region versorgt. Er teilte zugleich Cruickshanks Sorge um die Sicherheit in der DRC. "Derzeit fürchten die Investoren politische und wirtschaftliche Risiken, die durch eine instabile Regierung eines Landes entstehen, das durch einen blutigen Konflikt zerrüttet worden ist."

Zahlungen könnten ausbleiben

Der Experte warnt außerdem davor, dass die Zahlungen für den Strom sowie den Betrieb und die Wartung der Wasserkraftwerke ausbleiben könnten. Weitere Risiken wären Sabotage, Beschlagnahmung, Verstaatlichung und die Nichtbedienung von Krediten. In den anderen Ländern, durch die Leitungen verlegt werden sollen, sei mit hohen Kosten und unsachgemäßer Wartung zu rechnen.

Simon Schaefer von der Firma 'Frontier Advisory' ist der Meinung, das Projekt müsse im größeren Kontext der politischen Situation im Land und in der Region gesehen werden. "Die DRC ist sehr instabil und wird sogar häufig als verfehlter Staat bezeichnet. Es scheint fraglich, ob die Regierung in Kinshasa tatsächlich eine wirksame Kontrolle über alle Teile des Landes ausübt", sagt er.

Als weiteres großes Problem nennt er die ausufernde Korruption und das Fehlen glaubwürdiger Institutionen. "Alle diese Faktoren sind kein idealer Ausgangspunkt für ein milliardenschweres Projekt mit einem langen Investitionshorizont." Andererseits lobt Schaefer die Bemühungen der afrikanischen Staaten, ihre Energieprobleme durch grenzüberschreitende Kooperationsprojekte in den Griff zu bekommen. Damit könnten finanzielle Lasten geteilt und die Nutzung der erzeugten Energie gewährleistet werden. (afr/IPS)

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