Afrika: Größter Nahrungsmittelimporteur kann Selbstversorger werden

Neue Studie empfiehlt den Anbau von Weizen

Von Blain Biset | 15.10.2012

Addis Abeba. Durch die Ausweitung des Anbaus von Weizen in regenreichen Gebieten könnte sich Afrika in Zukunft selbst ernähren und unabhängig vom globalen Weizenmarkt werden. Zu diesem Ergebnis kommen Untersuchungen, die dieser Tage auf einer Konferenz in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba vorgestellt wurden. 

Bei keinem anderen Getreide ist die Nachfrage so stark gestiegen wie bei Weizen, belegen Zahlen des Internationalen Zentrums für die Verbesserung von Mais und Weizen (CIMMYT). Wissenschaftler eruieren derzeit die Möglichkeiten Afrikas, vom weltgrößten Weizenimporteur zum weltgrößten Weizenproduzenten zu werden. Schätzungen zufolge muss der schwarze Kontinent allein in diesem Jahr zwölf Milliarden US-Dollar für den Einkauf von 40 Millionen Tonnen Weizen ausgeben.

Nach Ansicht der Teilnehmer der CIMMYT-Konferenz zum Thema 'Weizen für Ernährungssicherheit' vom 8. bis 12. Oktober in Addis Adeba könnte Subsahara-Afrika durch eine Ausweitung des Anbaus vor allen in den regenreichen Gebieten nahrungssicher werden.

Viele afrikanische Staaten hatten bis in die 1980er Jahre Weizen in einem größeren Umfang produziert. Doch Nahrungsmittelhilfe-Importe führten zu einem Verfall der internationalen Weizenpreise.

Ein in Addis Abeba veröffentlichter Bericht befasst sich mit den zwölf traditionellen afrikanischen Weizenproduktionsländern Äthiopien, Angola, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Kenia, Madagaskar, Mosambik, Ruanda, Sambia, Simbabwe, Tansania und Uganda. Diese Länder verfügen über genügend Niederschläge für Erträge, die sie von Nahrungsmittelimporten unabhängig machen könnten. Die Untersuchung zeigt, dass die Böden zu 20 bis 100 Prozent für den profitablen Weizenanbau geeignet sind.

Viele Gründe für steigende Nachfrage nach Weizen

Nicole Mason, Expertin für internationale Entwicklung und Lehrbeauftragte der Fakultät für Agrar-, Nahrungsmittel- und Ressourcenökonomie der 'Michigan State University', zählte gegenüber IPS die verschiedenen Faktoren auf, die die Nachfrage nach Weizen steigern werden. Weizen sei für die Entwicklungsländer das zweiwichtigste Anbauprodukt nach Mais. Die Nachfrage in Subsahara-Afrika wachse infolge der zunehmenden Erschwinglichkeit der Weizenerzeugnisse, des Bevölkerungswachstums und steigender Einkommen kontinuierlich. "Städter neigen dazu, mehr Geld für Weizen auszugegeben als die Landbevölkerung. Somit könnte die rasche Urbanisierung ein weiterer Schlüsselfaktor sein."

Hans-Joachim Braun, Direktor des Globalen Weizenprogramms von CIMMYT, hält Investitionen in Saatgut und Technologien für essenziell, damit Afrika zu einem bedeutenden Weizenproduzenten aufsteigen kann. Würden die Bauern des Kontinents mit ausreichend Wasser und Düngemitteln ausgestattet, könnten sie eine Reihe von Getreidesorten erzeugen und die Region in den Brotkorb der Welt verwandeln.

Weitere Herausforderungen

Vor allem die Kleinbauern in Subsahara-Afrika leisten den Großteil der afrikanischen Agrarproduktion. Braun zufolge müssten diese Farmer mit verbessertem Saatgut ausgestattet werden. Neben der technischen Komponente gelte es zudem die infrastrukturellen Voraussetzungen zu schaffen. "Es muss außerdem sichergestellt werden, dass der Weizen vor Ort weiterverarbeitet wird und die Verbraucher erreicht."

Mason zufolge könnte die Maisproduktion die Armut nachhaltig bekämpfen, sagte Mason. "Wenn die Kleinbauern die Städter mit ihren Erzeugnissen versorgen, verdienen sie mehr", sagte sie. Afrikas Bauern müssten davon überzeugt werden, dass es in Afrika einen Markt für ihre Erzeugnisse gibt." (afr/IPS)

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