Afrika: Genbaumwolle ist der falsche Weg

In vielen Staaten bröckelt der Widerstand gegen GMOs

Von Haidee Swanby* | 08.07.2015

Melville, Südafrika. Seit zwei Jahrzehnten wird Genbaumwolle weltweit kommerziell angebaut. Innerhalb Afrikas trifft dies bisher erst auf drei Länder – Burkina Faso, Südafrika und Sudan - zu. Afrikanische Regierungen sind genmanipulierten Organismen (GMOs) gegenüber kritisch eingestellt. Langsam aber sicher wird der Widerstand schwächer.

A relaxed Forbes Gwilize seated on his remaining cotton bags. Credit: Nebert Mulenga/IPSEin Baumwollbauer in Zambia (Bild: Nebert Mulenga/IPS)

Historisch gesehen kommt afrikanischen Staaten sogar eine Schlüsselrolle in dem Bemühen zu, das Vorbehalte gegenüber genmanipulierten Nahrungsmitteln und Gen-Nahrungsmittelhilfen in internationalen Verträgen wie dem Cartagena-Protokoll über biologische Sicherheit schriftlich fixiert werden. Sie haben zudem eine Reihe von Einschränkungen und Verboten durchgesetzt, was den Anbau und den Import von GMOs inklusive Hilfslieferungen von Gennahrungsmitteln angeht.

Doch inzwischen bröckelt der Widerstand gegen die GMOs, und eine Reihe afrikanischer Staaten wie Malawi, Ghana, Swasiland und Kamerun stehen kurz davor, den Anbau von Genbaumwolle zuzulassen. Nigeria und Äthiopien haben vor, in den nächsten drei Jahren auf den Zug aufzuspringen. Einige afrikanische Staaten und lokale Baumwollproduzenten sind guter Hoffnung, dass die Gentechnologie Afrikas Wettbewerbsfähigkeit in dem mit harten Bandagen umkämpften Marktsegment verbessern kann.

Afrikanische Baumwolle verliert Marktanteile

Derzeit ist die afrikanische Bauwollproduktion rückläufig – sie macht nur noch die Hälfte der Weltproduktion aus. Global nimmt der Baumwollanbau zu. Die angebliche Aussicht auf eine steigende Produktivität bei gleichzeitiger Verringerung des Einsatzes von Pestiziden mit Hilfe von Genbaumwolle ist wahrlich verführerisch. Doch sollten afrikanische Entscheidungsträger und Baumwollproduzenten ein genaues Bild davon machen, wie es Südafrika und Burkina Faso beziehungsweise den Kleinbauern in beiden Ländern seit dem Anbau von Genbaumwolle ergangen ist.

Die Überprüfung aktueller Erfahrungen zeigt vor allem die tragische Geschichte lähmender Schulden, erschreckender Marktpreisverzerrungen und einer fehleranfälligen Technologie, deren Techniken für die kleinbäuerliche Produktion ungeeignet sind. Auf einer öffentlichen Anhörung zum Thema GMOs in Mali hatte ein Bauer gefragt: "Was für einen Sinn macht es, uns zu einer Erhöhung unserer Erträge mit Hilfe von GMOs zu ermuntern, wenn wir an unseren jetzigen Ernten zu wenig verdienen?"

In Burkina Faso wendet sich nach fünf Erntezeiten mit geringen und qualitativ schlechten Erträgen das Blatt gegen die Genbaumwolle. In Südafrika hat der Umstieg auf Genbaumwolle dazu geführt, dass sich die Bauern hoch verschuldet haben und die lokale Kreditbank bankrott ging. In der letzten Saison hatten die Kleinbauern einen Anteil an der gesamten südafrikanischen Baumwollproduktion von gerade einmal drei Prozent.

In Malawi hat der Biotechnologiekonzern 'Monsanto' bereits einen Antrag auf Genehmigung einer Kommerzialisierung von Bollgard II, seinem schädlingsresistenten Baumwollsaatgut, gestellt. Doch der Verstoß hat heftige Reaktionen und substanzielle Bedenken von Seiten der Zivilgesellschaft ausgelöst.

Selbst die malawische Baumwollindustrie, der Baumwoll-Entwicklungs-Trust (CDT), brachte etliche Einwände im Zusammenhang mit den Feldversuchen, den hohen Saatgutkosten, den erforderlichen Agrarchemikalien und den verschwommenen Patentrechtsregelungen vor. Ebenso zeigt sich der CDT über die mögliche Entwicklung von Schädlingsresistenzen besorgt.

Die Rolle der Wirtschaftsgemeinschaften

Regionale Wirtschaftsgemeinschaften (RECs) wie der Gemeinsame Markt für das östliche und südliche Afrika (COMESA) und die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS) sind ebenfalls dabei, ihre Mitgliedstaaten durch eine Harmonisierung der Biosicherheitspolitiken auf die Pro-Gensaatgut-Spur zu bringen.

Die COMESA-Strategie über Biotechnologie und Biosicherheit wurde im Februar 2014 angenommen. Die Mitgliedstaaten haben den Umsetzungsplan im vergangenen März angenommen.

Die Biosicherheitsstrategie der ECOWAS hingegen lässt aufgrund von Konflikten zwischen Handelsauflagen und Sicherheitschecks, die ein Abkommen zwischen den verschiedenen Akteuren verhindert haben, auf sich warten. Jedoch lassen jüngste Berichte den Rückschluss zu, dass ein Abkommen zwischen den Mitgliedstaaten und den Gebern erreicht werden konnte und der endgültige Entwurf eines Plans für biologische Sicherheit in Kürze vorliegen wird.

In einer Reihe afrikanischer Länder wird bereits seit Jahren mit Genbaumwolle experimentiert. Dort ist das Stadium für eine Beantragung des kommerziellen Anbaus von Genbaumwolle erreicht. Dennoch stehen dem Beginn einer Ära des Gensaatguts in Afrika noch zahlreiche Hindernisse im Wege – hauptsächlich weil die teure Technologie für die ressourcenschwachen Bauern, die winzige Parzellen bewirtschaften, ungeeignet ist, und weil die Zivilgesellschaft und manchmal auch die Regierungen heftigen Widerstand leisten.

Versuche der Biotechnologieindustrie, Maßnahmen durchzusetzen, die den Wünschen der Investoren zu Lasten der ökologischen und menschlichen Sicherheit entsprechen, scheinen sich auf regionaler Ebene über die handelsfreundlichen RECs leichter realisieren zu lassen. Dies erklärt, warum viele Ressourcen und Bemühungen der Biotechnologieunternehmen in diese Richtung gehen.

"Verantwortungslos und kurzsichtig"

Wie auch immer das rechtliche Umfeld für die Einführung von Genbaumwolle aussehen mag – es bleibt eine Tatsache, dass Afrikas Baumwollfarmer in einem schwierigen Segment arbeiten – mit Preisschwankungen und –verzerrungen, die auf unfaire Subventionen der Produzenten im Norden zurückzuführen sind. Auch fehlt es den Bauern häufig an institutioneller Förderung. Ein weiteres Problem sind die hohen Input-Kosten, die die Gewinnmargen schmälern.

Die Einführung teurerer Technologien, die sich für viele Kleinbauern als schädlich herausgestellt haben, wäre verantwortungslos und kurzsichtig. Es ist an der Zeit, dass afrikanische Regierungen in eine Verbesserung des Umfeldes investieren, in dem Baumwollproduzenten operieren. Sie müssen institutionelle und infrastrukturelle Hilfe leisten, damit der Sektor bestandsfähig wird, anstatt den marginalisiertesten Menschen der Welt immer weitere Bürden zuzumuten.

Die Zivilgesellschaft wird auch weiterhin vor den falschen Versprechen der Genbaumwollindustrie die Ohren verschließen und darauf bestehen, dass den afrikanischen Baumwollproduzenten wirklich geholfen wird. (Ende)

*Haidee Swanby ist Wissenschaftlerin am Afrikanischen Zentrum für Biodiversität (ACB).

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