Afrika: Frauen in der Politik auf dem Vormarsch

Ruanda liegt bei weiblichen Abgeordneten weltweit an der Spitze

Von Zipporah Musau, Africa Renewal* | 21.05.2019

New York (AR/afr). In Afrika geht der Kampf um die Gleichstellung der Geschlechter nur in kleinen Schritten voran. Die gute Nachricht aber ist, dass in vielen Ländern immer mehr Frauen in politische Führungspositionen gelangen. Das kleine Ruanda dient dabei als Vorbild.

In den Regierungen afrikanischer Länder sind immer mehr Frauen vertreten. (Bild: Shutterstock.com)

Mit Stichtag 1. Jänner 2019 waren in den Ländern in Afrika südlich der Sahara 23,9 Prozent aller Parlamentssitze in der Hand von Frauen. Das geht aus einem Bericht der "Inter-Parliamentary Union hervor" (IPU).

Allerdings gibt es auf dem Kontinent erhebliche Unterschiede: Während die Abgeordnetenkammer von Ruanda mit einem Frauenanteil von 61,3 Prozent weltweit die Spitzenposition einnimmt, beträgt der Frauenanteil im Repräsentantenhaus von Nigeria nur 5,6 Prozent.

Unter den weltweiten Top-15 befinden noch zwei weitere afrikanische Staaten: Der Frauenanteil in den Nationalversammlungen von Südafrika und dem Senegal liegt bei 42,7 Prozent bzw. bei 41,6 Prozent.

Die größten Fortschritte seit dem Jahrtausendwechsel wurden in Dschibuti erzielt: Im Jahr 2000 war keine einzige Frau im Parlament, heute beträgt der Frauenanteil 26,2 Prozent.

Ruanda auch bei Ministerinnen Spitze

Die IPU ermittelt auch den Anteil von Frauen in Ministerämtern. Hier liegt in Afrika erneut Ruanda mit 51,9 Prozent voran, gefolgt von Südafrika (48,8%) und Äthiopien (47,6%).

Der Bericht beinhaltet ein weiteres bemerkenswertes Detail: Früher waren Ministerinnen vor allem für Ressorts wie Soziales, Kinder und Familie zuständig. Seit zwei Jahren hat sich das Bild erheblich gewandelt: Heute gibt es in Afrika 30 Prozent mehr Verteidigungsministerinnen, 52,9 Prozent mehr Finanzministerinnen und 13,6 Prozent mehr Außenministerinnen als noch im Jahr 2017.

"Wir haben noch einen steilen Weg vor uns", sagte Phumzile Mlambo-Ngcuka, Exekutivdirektorin von "UN Women", bei der Präsentation des Berichts. "Aber der wachsende Anteil weiblicher Minister ist ermutigend, insbesondere weil die Zahl der Länder mit ausgewogenen Kabinetten zunimmt."

Mlambo-Ngcuka forderte die Länder auf, mutige Schritte zu setzen, um die Vertretung von Frauen bei der Entscheidungsfindung dramatisch zu erhöhen.

Schlusslicht Marokko

Den niedrigsten Frauenanteil in Afrika stellt die Regierung von Marokko (5,6%), wo es im 18-köpfigen Kabinett nur eine Ministerin gibt. Weitere Länder mit starken Aufholbedarf sind Nigeria (8%), Mauritius (8,7%) und Sudan (9,5%).

Was machen die Vorreiter anders? Länder mit einem hohen Frauenanteil in der Politik haben in der Vergangenheit häufig Quotenregelungen erlassen. In Ruanda gibt es eine Verfassungsbestimmung, nach der 30 Prozent der Sitze im Zweikammer-Parlament für Frauen reserviert sind.

Eine andere Regelung hat Südafrika gefunden: Hier schreibt der "Municipal Structures Act" von 1998 den politischen Parteien vor, die Hälfte der Kandidaten auf ihren Listen mit Frauen zu besetzen. Obwohl eine Nichteinhaltung sanktionsfrei bleibt, vergibt der Afrikanische Nationalkongress (ANC) 50 Prozent seiner Parlamentssitze an Frauen. (Ende)

*Die Autorin ist Chefredakteurin bei unserem Partnermagazin "Africa Renewal" der Vereinten Nationen. Der englischsprachige Originalbeitrag ist in der Ausgabe April - Juli 2019 (*.pdf) erschienen.

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