Afrika: Experten sehen rosige Zukunft für die Wirtschaft

Kontroverse Diskussion um die wachsende Bedeutung von Souveränen Vermögensfonds

Von Jaya Ramachandran | 30.01.2013

Genf. Afrika verzeichnet derzeit das zweitschnellste Wirtschaftswachstum der Welt. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Der Kontinent verfügt über 14 sogenannte Souveräne Vermögensfonds (SWFs) mit Anlagen im Gesamtwert von 114 Milliarden US-Dollar. Erwartet wird, dass in Afrika noch mehr solcher Entitäten zur Regulierung staatlicher Einnahmen an den Start gehen werden.

Der Kontinent erzielte in den letzten beiden Jahren ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum von fünf Prozent. 2013 könnte das Bruttoinlandsprodukt sogar auf 5,3 Prozent ansteigen, wie Wirtschaftsexperten auf einem Treffen mit den Staatspräsidenten Nigerias und Südafrikas im Rahmen des 43. Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos vom 23. bis 27. Jänner prognostizierten.

"Werden bestimmte Schwierigkeiten ausgeräumt, halte ich sogar eine Verdoppelung für möglich", meinte Graham Mackay, Vorsitzender des britischen Brauereikonzerns SABMiller. Das vor mehr als einem Jahrhundert in Südafrika gestartete Unternehmen hat Mackay zufolge in den regionalen Aufbau der Infrastruktur investiert.

Wie der südafrikanische Präsident Jacob G. Zuma versicherte, sind die afrikanischen Länder fest entschlossen, ihre Zuwächse zu konsolidieren. "Wir wissen, dass der innerregionale Handel nicht ausreicht. Wir arbeiten dran", sagte er. Zuma zufolge wird in Afrika darüber nachgedacht, drei der fünf Wirtschaftsregionen zusammenzulegen, um eine Freihandelszone mit mehr als 500 Millionen Verbrauchern zu schaffen.

Afrika auf politischem Stabilisierungskurs

Wie der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan betonte, ist politische Instabilität kein afrikanisches Problem mehr. "Im Augenblick haben drei afrikanische Staaten zum zweiten Mal erfolgreich Wahlen abgehalten", unterstrich er und fügte hinzu: "Die meisten afrikanischen Länder können politisch stabile Systeme vorweisen."

Regionale Entscheidungsträger werden nicht müde zu versichern, dass sie alles unternehmen, um bestehende Investitionsrisiken zu vermindern. Nigeria beispielsweise ist bemüht, seine erdölabhängige Wirtschaft zu diversifizieren, indem es in die kommerzielle Landwirtschaft investiert, um sich gegen wirtschaftliche Risiken durch volatile Rohstoffpreise abzusichern. Zuma berichtete wiederum von Bemühungen, Probleme wie die letzten Arbeiterunruhen mit allen Beteiligten zu lösen.

Louise Arbour, Präsidentin der 'International Crisis Group' (ICG) in Brüssel, warnte jedoch vor der Gefahr, dass die politische Krise in Mali zur Destabilisierung der gesamten Region Westafrika führen könnte. Wie sie betonte, dürfe der Kampf gegen den Terrorismus nicht die ihm zugrundeliegenden Probleme wie die politische und wirtschaftliche Ausgrenzung der Menschen und die Schwäche staatlicher Institutionen verschleiern.

"In Afrika gibt es vieles, was sich in rasender Geschwindigkeit verändert", meinte Sunil Bharti Mittal, der Geschäftsführer des indischen Mischkonzerns 'Bharti Enterprises'. In vielen Ländern schritten Demokratisierung und Wirtschaftswachstum voran, sagte der Unternehmer, der auf dem Kontinent etliche Telekommunikationsunternehmen aufgebaut hat.

Boom Souveräner Vermögensfonds

An dem diesjährigen WEF nahmen mehr als 2.500 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus über 100 Ländern teil. Im Vorfeld des diesjährigen Forums hatte die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) berichtet, dass der substanzielle Anstieg der Rohstoffpreise in den letzten Jahren und die Einkünfte aus den Rohstoffexporten vor allem in den erdöl- und erdgasexportierenden Ländern zur Einrichtung von Souveränen Vermögensfonds (SWFs) geführt hätten. Zu den größten SWF-Playern gehören China, der Nahe Osten und Norwegen, auf die zwei Drittel der globalen SWFs entfallen.

Die SWFs sind staatliche Fonds, die sich aus Aktien, Grundbesitz, Obligationen und anderen Finanzanlagen zusammensetzen. Sie verwalten die nationalen Ersparnisse zu Investitionszwecken. 2009 verfügte Afrika über 14 solcher staatlichen Vermögungsfonds mit Finanzanlagen in Höhe von 114 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anteil an den globalen SWFs von drei Prozent. Die größten sind die Libysche Investmentbehörde und der Algerische Einnahmen-Regulierungs-Fonds. Diese Anlagen sind zwar verglichen mit den beiden weltgrößten SWFs – dem Pensionsfonds der norwegischen Regierung (656 Milliarden Dollar) und der Abu-Dhabi-Investmentbehörde (627 Milliarden Dollar) – gering. Doch kann das Volumen durch die Einrichtung neuer SWFs erhöht werden.

Der AfDB zufolge wurden in letzten Jahr drei SWFs in Angola, Ghana, and Nigeria gestartet, und Tansania hat bereits Pläne bekanntgegeben, ebenfalls einen Souveränen Fonds aufzulegen, der die Einnahmen aus den neu entdeckten Erdöl- und Erdgasfeldern verwalten soll. Auch die jüngsten Öl- und Gasfunde in Ost- und Westafrika könnten mittelfristig zur Einrichtung weiterer afrikanischer SWFs führen.

Die SWFs sollen nicht zuletzt dafür sorgen, die Ressourcen der jeweiligen Länder für künftige Generationen zu bewahren. Dennoch werden sie kontrovers diskutiert. Nach Ansicht der Befürworter tragen sie zu Wirtschaftswachstum und Wohlstand heutiger und künftiger Generationen bei. Den Gegnern zufolge verleihen sie den jeweiligen Regierungen zu viel Macht, was sich negativ auf den Freihandel und die Wettbewerbsfähigkeit auswirken könne. Auch bedrohten sie die nationale Sicherheit, sollten sie von Investoren zu politischen Zwecken missbraucht werden.

Multitalente SWFs

SWFs dienen auch dazu, die staatlichen Steuer- und/oder Währungseinnahmen und makorökonomischen Aggregate zu stabilisieren, indem sie die Schwankungen der Rohstoffpreise ausgleichen. Die Mehrheit der afrikanischen SWFs dient der Stabilisierung der Preise und Einnahmen, wie die AfDB erläuterte.

In den letzten Jahren hätten ressourcenreiche afrikanische Länder bemerkenswerte Währungsüberschüsse durch den Export natürlicher Ressourcen akkumuliert. Wegen der Fluktuationen der Rohstoffpreise in den letzten Jahren wurden in einigen Staaten kurzfristig Mechanismen zum Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben und zur besseren Planung der Regierungsausgaben eingeführt.

Indem SWFs geschaffen werden, versuchen Entscheidungsträger die Gefahr möglicher Spekulationsblasen, ausgelöst durch die Volatilität der Rohstoffeinnahmen, zu verringern. SWFs werden unter anderem dazu genutzt, große Währungsüberschüsse zu absorbieren und den durch natürliche Ressourcen generierten Reichtum verantwortungsvoll zu verwalten. So soll der Versuchung widerstanden werden, Rohstoffeinnahmen zu verschleudern wenn nicht gar zu veruntreuen.

Afrikanische SWFs fördern innerafrikanische Investitionen und Produktivität. So sorgt das angolanische SWF für Investitionen in die Infrastruktur, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Energiegewinnung und den Transport in Subsahara-Afrika. Afrikanische SWFs können vom Wachstumspotenzial afrikanischer Länder profitieren. Sie bieten Gelegenheiten zur Generierung von Wohlstand, Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen.

Mangel an Transparenz als Herausforderung

Der AfDB zufolge sehen sich die afrikanischen SWFs mit vielen Herausforderungen konfrontiert, die ihre Verbreitung abbremsen könnten. Schlechte Regierungsführung und insbesondere der Mangel an Transparenz und Verantwortlichkeit sind die größten Probleme, mit denen sie sich konfrontiert sehen.

In Nigeria beispielsweise haben Transparenzdefizite zu konstanten politischen Streitigkeiten zwischen den Zentral- und den Bundesstaatenbehörden geführt. Auf lange Sicht bergen der Mangel an Transparenz und Rechenschaftspflicht gepaart mit schwachen Institutionen die Gefahr von Enteignung und Korruption. Der AfDB zufolge leiden afrikanische SWFs zudem unter internen Risiko-Management-Problemen inklusive operativen und finanziellen Risiken. (afr/IPS)

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