Afrika: Ernährungssicherheit durch regionalen Handel

Neue Weltbankstudie fordert Zugang zu Märkten der Nachbarländer

Von Carey L. Biron | 06.11.2012

Washington. Ein neuer Bericht der Weltbank drängt die afrikanischen Staaten dazu, den regionalen Nahrungsmittelhandel zu stärken. Indem sie den Bauern den Zugang zu den Märkten der Nachbarländer erleichtern, könnten sie die Ernährung des gesamten Kontinents sicherstellen. Bislang stammen nur fünf Prozent der afrikanischen Getreideimporte aus Ländern der Region.

Die Abhängigkeiten von europäischen und südostasiatischen Nahrungsmitteln und internationaler Nahrungsmittelhilfe führen zu Preiserhöhungen und zu Handelsbilanzdefiziten, unter denen vor allem die ärmsten Länder zu leiden hätten. Angesichts eines erneuten Anstiegs der Grundnahrungsmittelpreise seit der Dürre in den USA in diesem Sommer und angesichts der fortgesetzten Nachfrage nach Biotreibstoffen sehen sich viele afrikanische Länder mit enormen Importkosten konfrontiert. Eine regionale Konkretisierung und Harmonisierung der Handelsbestimmungen könnte die Einkommen der Kleinbauern erheblich steigern und diese in die Lage versetzen, mehr Land zu bewirtschaften und höhere Ernten zu erzielen.

Potenzial vorhanden

"Afrika ist in der Lage, qualitativ hochwertige Nahrungsmittel zu produzieren und die Familien des Kontinents zu ernähren", sagte Makhtar Diop, Weltbank-Vizepräsident für Afrika, bei der Präsentation des neuen Berichts am 24. Oktober in Washington. "Bisher wird dies Potenzial nicht ausgeschöpft, weil Afrikas Bauern mit größeren Handelsbarrieren zu kämpfen haben als andere Farmer auf der Welt."

Im Vorwort des neuen Weltbankberichts hält Diop fest, dass auf dem schwarzen Kontinent gerade einmal ein Zehntel des großflächigen urbaren Landes kultiviert wird. Würde dieser Anteil erhöht, ließe sich nicht nur die steigende Nachfrage in der Region bedienen, sondern es könnten zudem große Mengen in den Rest der Welt exportiert werden.

Doch bisher stehen erhebliche Strukturschwächen der Umsetzung dieses Zieles im Wege. Es fehle an Möglichkeiten des Wissensaustausches und des Zugangs zu hilfreichen Technologien. Auch sei es schwierig, an landwirtschaftliche Inputs wie Düngemittel zu kommen und die Erzeugnisse vom Land in die Stadt zu transportieren, so Diop.

"Würden afrikanische Bauern ähnliche hohe Ernten wie in anderen Entwicklungsländern einfahren, könnte der Grundnahrungsmittel-Output leicht verdoppelt wenn nicht gar verdreifacht werden", schreibt Diop im Vorwort des Weltbankreports. Er kritisiert zudem eine Fragmentierung regionaler Nahrungsmittelmärkte sowie überholte Handelsbestimmungen.

"Es ist nur allzu offensichtlich, dass Afrika seinen interkontinentalen Handel ausbauen muss", meinte Danielle Nierenberg vom 'Nourishing the Planet'-Projekt am 'Worldwatch Institute' in Washington. "Wenn Malawi unter einer verheerenden Dürre leidet, kann Südafrika in die Bresche springen. Dadurch werden Abhängigkeiten von importierten Nahrungsmitteln verhindert, die nicht Teil der lokalen Speisekarten und kulturellen Werte sind."

Gleichzeitig warnte Nierenberg von dem Ansatz, sich allzu sehr von Hybridsaaten und chemischen Düngemitteln abhängig zu machen. "Kleinbauern werden nie Teil des Marktes sein. Deshalb sollten wir erst dafür sorgen, dass sie sich zunächst einmal selbst versorgen können und einen kleinen Rest für den Verkauf übrig behalten."

Der Weltbank und anderen großen internationalen Finanzinstitutionen warf sie vor, keine signifikanten agroökologischen Lösungen angeboten zu haben, obwohl die Informationen vorhanden sind. "Noch immer konzentrieren wir uns auf Hybridsaaten und Chemiedünger, der für Kleinbauern angesichts der steigenden Kosten für fossile Brennstoffe unbezahlbar ist." Auch durch den Ausbau grundlegender Infrastrukturen ließen sich Erfolge erreichen. Gerade Kühl- und Sammelzentren und moderne Speicher könnten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Verschwendung von Nahrungsmitteln zu verhindern.

Gipfel in Äthiopien

Der neue Weltbankbericht ist rechtzeitig zu dem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) über Landwirtschaft und Handel in Äthiopien erschienen. Die Bank drängt die AU, mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft eine wichtige Rolle bei der Förderung regionaler Expertengespräche über Mittel und Wege zu führen, wie der regionale Handel mit Nahrungsmitteln gestärkt werden kann. Auch gelte es Wissensplattformen aufzubauen, die dazu beitragen sollen, vorhandenes Wissen über Reformen des Agrarhandels zu verbreiten.

Weltbankanalysten wiesen darauf hin, dass afrikanische Regierungen sich wiederholt zu einer Öffnung des regionalen Nahrungsmittelhandels verpflichtet hätten, die Umsetzung der Versprechen jedoch weitgehend schuldig geblieben seien. Ein regionales Handelsreformprogramm mache aber nur Sinn, wenn sich die Regierungen daran hielten. (afr/IPS)

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