Afrika: Enormes Wachstum von Megacities

In 80 Jahren werden die drei größten Städte der Welt auf dem Kontinent liegen

Von Finbarr Toesland, Africa Renewal* | 14.05.2019

New York (AR/afr). In Afrika werden in den nächsten 30 Jahren elf neue Megacities, also Städte mit mindestens zehn Millionen Einwohnern, entstehen. Kairo in Ägypten, Kinshasa in der DR Kongo und Lagos in Nigeria zählen bereits heute zu diesem Kreis.

Im Jahr 2100 wird Dar es Salaam in Tansania mit 74 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der Erde sein. (Bild: Shutterstock.com)

Nach Angaben der Vereinten Nationen (*.pdf) sollen bis zum Jahr 2030 Luanda in Angola, Dar es Salaam in Tansania und Johannesburg in Südafrika den Status einer Megacity erreichen.

Abidjan in Côte d'Ivoire und Nairobi in Kenia werden die Schwelle von zehn Millionen bis 2040 überschreiten. Und bis 2050 werden Ouagadougou in Burkina Faso, Addis Abeba in Äthiopien, Bamako in Mali, Dakar in Senegal sowie Ibadan und Kano in Nigeria zu den Megastädten zählen.

Lagos wird zur größten Stadt der Welt

Das "Global Cities Institute" der Universität in Toronto prognostiziert, dass Lagos bis 2100 die größte Stadt der Welt sein wird. Dann sollen in der nigerianischen Metropole 88,3 Millionen Menschen leben - also ungefähr viermal so viel wie heute. Die drei größten Städte der Welt werden zur Jahrhundertwende allesamt in Afrika liegen: Hinter Lagos folgen Kinshasa (83,5 Mio.) und Dar es Salaam (73,7 Mio.).

Afrikas demografischer Wandel wird vor allem durch das hohe Bevölkerungswachstum bei jungen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren verursacht. Die Wissenschafterinnen Julia Bello-Schünemann und Ciara Aucoin machen in ihrem Beitrag "African Urban Futures" (*.pdf) deutlich, dass junge Menschen in städtische Gebiete abwandern.

Die Urbanisierung wird das Leben der Menschen auf den Kontinent zunehmend prägen, meinen die beiden Autorinnen: "Die derzeitige Geschwindigkeit der Urbanisierung Afrikas ist beispiellos in der Geschichte. Für manche ist es die 'wichtigste Transformation', die auf dem Kontinent stattfindet."

BIP von Lagos überragt ganze Länder

Millionen von Afrikanern zieht es auf der Suche nach gut bezahlten Jobs und einer besseren Lebensqualität in die Metropolen. Zunehmend interessieren sich aber auch ausländische Investoren für die afrikanischen Ballungszentren mit ihrer hohen Dichte an potenziellen Konsumenten.

Lagos gilt als Paradebeispiel für die wirtschaftliche Macht der Megastädte. Der Gouverneur der Primatstadt, Akinwumni Ambode, bezifferte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Lagos für das Jahr 2017 mit 136 Milliarden US-Dollar. Damit betrug es ein Drittel des gesamten BIP von Nigeria (376 Mrd. US-Dollar) bzw. mehr als jenes von Ghana (47 Mrd. US-Dollar) und Tansania (52 Mrd. US-Dollar) zusammen.

Investoren interessieren sich in Lagos vor allem für den boomenden Finanzsektor, die prosperierende Filmindustrie sowie den pulsierenden Technologiebereich. Innovative Ökosysteme sind für afrikanische Volkswirtschaften von enormem Wert, da Investoren Kapital in Startups pumpen und somit zum BIP der Länder beitragen.

Nach einem Bericht der "GSM Association" in Zürich von 2018 verfügt Lagos über 31 Tech Hubs - mehr als in anderen afrikanischen Städten. Auf Platz zwei folgt Kapstadt mit 29 Tech Hubs, dahinter kommt Nairobi mit 25.

Investoren stürzen sich auf Ballungsräume

Steve Cashin ist Gründer und CEO des Private-Equity-Unternehmens "Pan African Capital Group" in Washington, D.C. Er ist überzeugt, dass sich Investoren aufgrund der Marktgröße in Zukunft auf die Megacities in Afrika konzentrieren werden.

"Meine Firma ist vor allem in Liberia geschäftlich tätig," erzählt Cashin, "eines der Haupthindernisse für unternehmerisches Wachstum und die Attraktivität von Investitionen hier ist die Bevölkerungsgröße und -dichte. Wenn die Gesamtbevölkerung des Landes gerade einmal vier Millionen beträgt und Sie wahrscheinlich nur einen kleinen Bruchteil davon erreichen, ist es schwieriger, einen überzeugenden Business Case vorzulegen."

Ein einzelner Stadtteil in Lagos hat das Marktpotenzial von einem Land wie Botswana. Da die Menschen auf engem Raum leben, profitieren Unternehmen von niedrigeren Fixkosten und einer einfacheren Logistik. "Die Wirtschaftlichkeit ist einfach attraktiv", fügt Cashin hinzu.

Entwicklung der Infrastruktur kann nicht mithalten

Die rasche Urbanisierung belastet die Infrastruktur und schafft komplexe Probleme für die Kommunen. So wird die Bevölkerung in Kinshasa bis 2030 voraussichtlich stündlich um 61 Personen wachsen. Die Bewohner benötigen öffentliche Verkehrsmittel, um zu ihren Arbeitsplätzen zu kommen.

Rund 75 Prozent der Wohnungen von Kinshasa befinden sich in Slums. Auch in Lagos gibt es Dutzende dieser informeller Siedlungen. Dazu zählen Orte wie Somolu, Bariga und der schwimmende Slum von Makoko. Wenn die Entwicklung der Infrastruktur nicht mit dem Bevölkerungswachstum mithalten kann, werden sich mehr Slums entwickeln, warnen Experten.

Die Metropolen bräuchten daher dringend eine umfassende Entwicklung der Infrastruktur, meint Steve Cashin: "Die Bedeutung einer bewussten und durchdachten Stadtplanung darf nicht unterschätzt werden - nicht nur wegen der Effizienz und der Produktivität dieser Städte, sondern auch für die Sicherheit ihrer Einwohner."

Cashin fügt hinzu, dass eine richtige Stadtplanung erhebliche Investitionen erfordere und dass "die lokalen Regierungen auch das Potenzial dieser schnell wachsenden Städte nutzen müssen, um die Wirtschaft zu formalisieren."

Fehlende Steuereinnahmen behindern Entwicklung

In Afrika südlich der Sahara macht die informelle Wirtschaft - wirtschaftliche Tätigkeiten, die nicht reguliert und daher nicht besteuert werden - bis zu 41 Prozent des BIP aus. 85,5 Prozent der Beschäftigten arbeiten im informellen Sektor, berichtet die Internationale Arbeitsorganisation (ILO).

Ohne ausreichendes Steueraufkommen können die Verwaltungen kritische Bereiche der Infrastruktur wie Straßen, Krankenhäuser und Energieversorgung nicht finanzieren. Aber auch Investoren meiden Ballungszentren mit mangelnder Infrastruktur.

Der UN-Bericht "The State of African Cities 2018" hat ermittelt, dass Johannesburg, Lagos und Nairobi bei ausländischen Direktinvestitionen die Nase vorn haben. Der Schlüssel für langfristig erfolgreiche Investitionen liegt im Management des Bevölkerungswachstums.

Jonathan Hall von der "Munk School of Global Affairs & Public Policy" der Universität Toronto sagt: "Die Menschen werden weiter in die Megacities ziehen, bis die Arbeitslosigkeit so hoch und die Infrastruktur so überlastet ist, dass die Lebensqualität in der Stadt und auf dem Land ungefähr gleich ist." (Ende)

*Der Autor schreibt für unser Partnermagazin "Africa Renewal" der Vereinten Nationen. Der englischsprachige Originalbeitrag ist in der Ausgabe April - Juli 2019 (*.pdf) erschienen.

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