Afrika: Die reale Armut geht zurück

Sambia, Ghana und Kap Verde verzeichnen die größten Fortschritte

Von Martin Sturmer | 25.01.2016

Salzburg. Afrikas Wirtschaft verzeichnet seit Jahren große Wachstumsraten. Erstmals scheint jetzt aber auch die breite Bevölkerung vom wirtschaftlichen Aufschwung zu profitieren: Eine neue Studie zeigt, dass die reale Armut in zwei Dritteln der untersuchten Länder zurückging. Der Fortschritt gelang vor allem in jenen Staaten, die zuvor in die Infrastruktur investiert hatten.

Die Lebensbedingungen in Afrika haben sich in den letzten drei Jahren für viele Menschen verbessert, dennoch fehlt es Millionen am Allernötigsten.

Der am 21. Jänner veröffentlichte Bericht 'Africa’s growth dividend? Lived poverty drops across much of the continent' des panafrikanischen Forschungsnetzwerks Afrobarometer stellt fest, dass das tägliche Leben in vielen afrikanischen Ländern leichter wird. Die Anzahl von Menschen, denen es am Allernötigsten fehlt, hat demnach seit 2013 abgenommen.

Der anhaltende Afrika-Boom wird oft mit dem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) argumentiert. Das Wirtschaftswachstum sagt aber nichts über die tatsächliche Lebensqualität in den Ländern des Kontinents aus. Afrobarometer geht einen anderen Weg und hat für die Untersuchung 52.700 Menschen auf dem ganzen Kontinent nach Armutssymptomen befragt. Die Studienarchitekten nennen ihren Indikator 'Lived Poverty', der sich vielleicht am besten mit 'realer Armut' übersetzen lässt.

Die Ergebnisse belegen im Vergleich zu den Zahlen aus dem Jahr 2013 durchwegs Fortschritte:

  • 46% der befragten Personen gaben an, dass sie zumindest einmal im letzten Jahr nicht genug zu essen hatten. 2013 waren es noch 50% gewesen.
  • 49% beklagten, dass sie zumindest einmal im letzten Jahr keinen Zugang zu medizinischer Versorgen hatten (2013: 53%).
  • 74% standen zumindest einmal im letzten Jahr vor der Situation, kein Bargeld mehr zu haben (2013: 76%).
  • 46% fehlte zumindest einmal im letzten Jahr der Zugang zu sauberem Trinkwasser (2013: 49%).
  • 38% hatten zumindest einmal im letzten Jahr nicht genug Brennstoff zum Kochen (2013: 42%).

Die Armut in Afrika ist nach wie vor hoch: Trotz Fortschritten beklagt fast jeder zweite Befragte eine Unterversorgung mit Essen oder Trinkwasser (Bild: Afrobarometer).

Dennoch soll die Untersuchung nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Millionen Menschen immer noch in bitteren Verhältnissen leben. "Aber Afrika kann nicht länger als einheitlich arm beschrieben werden, da die Niveaus an erlebter Armut am Kontinent stark variieren", schreiben die Autoren.

So belegt die Studie, dass die erlebte Armut in Gabun, Togo und Liberia am höchsten und in Mauritius, Kap Verde und Algerien am niedrigsten ist. Die größten Fortschritte konnten in Sambia, Ghana und Kap Verde erzielt werden, die ärgsten Rückschläge in punkto Armutsbekämpfung wurden Mosambik, Benin und Liberia attestiert.

Summa summarum stellen die Autoren fest, dass bessere Lebensbedingungen vor allem in jenen Ländern herrschen, in denen zuvor in Infrastruktur wie z. B. befestigte Straßen oder Abwassersysteme investiert worden war. (afr)

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Afrobarometer hat 52.700 Menschen in Afrika befragt, Daten liegen für 35 Länder vor. Am besten schneiden Mauritius (0,10), Kap Verde (0,37) und Algerien (0,46) ab, am unteren Ende befinden sich Liberia (1,72), Togo (1,84) und Gabun (1,87).

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