Afrika: Den Hunger bis 2025 beenden

Landwirtschaft kommt Schlüsselrolle zu

Von Martha van der Wolf | 04.02.2015

Addis Abeba. Die Wirtschaft in Afrika zählt zu den schnellsten wachsenden der Welt. Dennoch leben mehrere hundert Millionen Menschen des Kontinents unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag. Das macht sie extrem anfällig für Hunger. Afrikanische Staatschefs wollen diese Gefahr ein für alle Mal bis 2025 bannen.

Bauern in AfrikaDer Ausbau der Landwirtschaft steht im Mittelpunkt der Strategien gegen den Hunger in Afrika.

Auf einem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) vom 23. bis 31. Januar in der äthiopischen Hauptstadt haben die Staats- und Regierungschefs nun erneut ihren Willen bekräftigt, den Hunger zu bekämpfen. Dazu sei ein sozialer und wirtschaftlicher Transformationsprozess erforderlich, heißt es. So gelte es den Menschen die Fähigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, die sie bräuchten, um ihre Lebenssituation zu verbessern. Auch müssten Arbeitsplätze geschaffen und die landwirtschaftliche Produktivität gesteigert werden.

Dürren, Überschwemmungen und andere Naturkatastrophen erschweren es dem Gros der Afrikaner, die von der Landwirtschaft leben, zusätzlich, sich ein Auskommen zu sichern. Gerade an der Agrarfront müsse einiges bewegt werden, erklärten Teilnehmer des AU-Gipfels. Darüber hinaus gelte es die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern und den innerafrikanischen Handel zu erleichtern, um die Abhängigkeit von teuren außerafrikanischen Importen zu verringern.

Mit Investitionen in die Landwirtschaft die Armut bekämpfen

Bereits im letzten Jahr hatte die AU die Bekämpfung von Hunger und extremer Armut zu einem prioritären Ziel erklärt. So machten sie 2014 zum 'Afrikanischen Jahr der Landwirtschaft und Ernährungssicherheit'. Zudem verpflichteten sich die politischen Entscheidungsträger in ihrer Erklärung von Malabo, der Hauptstadt von Äquatorialguinea, zu einem beschleunigten landwirtschaftlichen Wachstum und Übergang zugunsten eines geteilten Wohlstands und besserer Lebensbedingungen.

Etwa zur gleichen Zeit wurde im Rahmen des Umfassenden Programms zur Entwicklung der afrikanischen Landwirtschaft die 'Partnerschaft für einen gemeinsamen Ansatz zur Bekämpfung des Hungers' erneuert. Diese Partnerschaft ist eine gemeinsame Initiative der AU, der UN-Agrarorganisation FAO, dem Lula-Institut, der Neuen Partnerschaft für afrikanische Entwicklung (NEPAD), der Wirtschaftsgemeinschaft westliches Afrika (ECOWAS), der Weltbank, des Welternährungsprogramms (WFP) und des UN-Kinderhilfswerks UNICEF.

Nach Angaben der FAO ist jeder dritte Afrikaner, der südlich der Sahara lebt, unterernährt. Zu den Armutsfaktoren gehört nicht zuletzt der Klimawandel, der zur Verödung der Böden führt und die Ernten der Bauern vernichtet. Um die Bedeutung zu betonen, die dem Schutz der Agrarflächen zukommt, haben die FAO und das UN-Wüstensekretariat 2015 zum Internationalen Jahr der Böden erklärt. Ziel der Initiative im Rahmen der Globalen Bodenpartnerschaft ist es, das Bewusstsein für die wichtige Rolle zu schärfen, die gesunden Böden für die Ernährungssicherheit zukommt.

Auch sollen Kleinbauern, die sich infolge des Klimawandels mit länger anhaltenden und stärkeren Dürren, Überschwemmungen und anderen Wetteranomalien konfrontiert sehen, mit Klimaanpassungs- und Klimaabmilderungsmaßnahmen vertraut gemacht werden.

Sipho Mthathi, Geschäftsführerin des Südafrika-Büros der Hilfsorganisation 'Oxfam', kritisierte das Ungleichgewicht in der Landwirtschaft. Gerade die Kleinbauern müssten in einem System, in dem die Landwirtschaft von großen Konzernen kontrolliert werde, dringend stärker unterstützt werden, damit sie ihr volles Potenzial ausschöpfen könnten, forderte sie.

Erste Erfolge

Die AU und ihre Mitglieder wurden wiederholt dafür kritisiert, ihren Erklärungen, Initiativen und Abkommen nicht schnell genug Taten folgen zu lasen. Erastus Mwencha, Vizevorsitzender der AU-Kommission, meinte dazu gegenüber IPS, dass man mittlerweile etliche Maßnahmen ergriffen habe, um die Nahrungsmittelversorgung der Afrikaner zu verbessern. Auch sei die Resilienz gegenüber Dürren gesteigert worden. Dank der 2014 geschlossenen Abkommen gebe es deutliche Fortschritte im Agrarbereich.

"Die Landwirtschaft erfährt inzwischen in den Budgets und Aktionsplänen der Mitgliedstaaten mehr Aufmerksamkeit", versicherte er. "Wir können eine Zunahme der staatlichen und privaten Investitionen in der Landwirtschaft beobachten. Dass sie inzwischen eine höhere Priorität genießt, hat sich positiv auf die Ernährungssicherheit in vielen Ländern niedergeschlagen."

Der FAO-Entwicklungs- und Gender-Expertin Tacko Ndiaye zufolge ist es möglich, den Hunger binnen zehn Jahren zu bekämpfen. "Mit den richtigen Investitionen, den richtigen Fähigkeiten, den richtigen institutionellen Entscheidungen und Partnerschaften sehe ich kein Problem", betont sie. "Wenn alle diese Faktoren stimmen, können wir es schaffen." (afr/IPS)

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