Afrika: "Das eigene Haus in Ordnung bringen"

Verbesserung des Investitions- und Handelsklimas soll Entwicklung voranbringen

Von Busani Bafana | 17.10.2014

Marrakesch. Afrika hätte das Potenzial, mindestens 200 Milliarden US-Dollar für die eigene nachhaltige Entwicklung aufzubringen. Doch ohne eine Verbesserung des Investitions- und Handelsklimas und ohne Maßnahmen gegen den illegalen Kapitalabfluss werde der Kontinent am Tropf ausländischer Hilfe hängen bleiben, so die Einschätzung von Entwicklungsexperten.

Water kiosk, BLANTYRE, MALAWI / Credit: Charles Mpaka/IPSEin Wasserkiosk in Blantyre in Malawi: Auf den Neunten Afrikanischen Entwicklungsforum in Marrakesch diskutierten Experten, wie die Wirtschaftsleistung des Kontinents verbessert werden kann (Bild: Charles Mpaka/IPS).

Vom 13. bis 16. Oktober diskutierten Experten auf dem Neunten Afrikanischen Entwicklungsforum in Marrakesch. "Finanziell ist Afrika nicht arm, doch muss es zunächst einmal sein Haus in Ordnung bringen", erklärte Stephen Karingi, Leiter der Abteilung für regionale Integration, Infrastruktur und Handel der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (ECA). "Viel zu lange schon begnügen wir uns mit der Rolle des Rohstoff- und Ressourcenlieferanten, anstatt unsere eigenen Vorteile wie unsere natürlichen Ressourcen zu nutzen, um uns an die Spitze der Wertschöpfungskette zu stellen."

ECA-Untersuchungen zeigen, dass aus Afrika in den letzten zehn Jahren Kapital im Wert von jährlich 50 Milliarden Dollar illegal abgeflossen ist. Das entspricht fast der gesamten öffentlichen Entwicklungshilfe, die der Kontinent erhält. Karingi zufolge ist Afrika für den Transformationsprozess bereit und verfügt auch über die dazu erforderlichen Rahmenwerke.

Eine Kombination aus Anreizen für Private-Equity-Investitionen, Überweisungen der im Ausland lebenden Afrikaner, und einer eigenen Mobilisierung von Finanzmitteln könnte Afrika helfen, seine finanziellen Möglichkeiten zu entfalten, um die eigene und dringend benötigte Entwicklung voranzutreiben. Sub-Sahara-Afrika beispielsweise gehört zu den Weltregionen mit den meisten hungernden Menschen. Darüber hinaus beherbergt sie eine wachsende Zahl junger Leute, die dringend Arbeit brauchen.

Sattes Wirtschaftswachstum

Den Wirtschaftsberatern des 'McKinsey Global Institute' zufolge verzeichnet Afrika seit zehn Jahren ein international überdurchschnittliches Wirtschaftswachstun von fünf Prozent. Verbesserungen bei der Regierungsführung und beim Marktmanagement sowie die rapide Verstädterung und die Ausweitung der regionalen Märkte gehören zu den Faktoren, die dem afrikanischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu dem Plus verholfen haben. Die jährlichen Engpässe bei der Finanzierung der afrikanischen Infrastrukturentwicklung werden derzeit auf 100 Milliarden Dollar geschätzt.

Wie der ECA-Exekutivsekretär Carlos Lopes erklärte, müssten sich die Entwicklungsländer um zusätzliche Finanzmittel und einen größeren Zugang zu den Finanzmärkten bemühen. Die entwickelten Staaten wiederum sollten ihre Finanzzusagen einhalten, die sie auf unterschiedlichen globalen Foren gemacht hätten.

Die Gespräche auf dem von ECA organisierten Afrikanischen Entwicklungsforum in Marokko konzentrierten sich auf Möglichkeiten, die Kapazitäten Afrikas für die Erkundung innovativer Finanzmechanismen als wirkliche Alternative zur Entwicklungsfinanzierung in Afrika auszuloten. Es bestehe ferner die Notwendigkeit, Ressourcen zu mobilisieren, den Abbau der Handelsbarrieren in wirtschaftlichen, institutionellen und strategischen Rahmenwerken festzuschreiben und die Post-2015-Entwicklungsziele voranzubringen, hieß es.

Der Leiter der ECA-Abteilung für marktwirtschaftliche Strategien, Adam Elhiraika, erklärte gegenüber IPS, dass die neuen Nachhaltigkeitsziele, die die 2015 ablaufenden Millenniumsentwicklungsziele zur Armutsbekämpfung ablösen werden, Afrika in die günstige Lage versetzten, bei seinen Entwicklungsangelegenheiten Prioritäten zu setzen.

Vorbild Schweiz

Elhiraika zeigte sich überzeugt, dass Afrika alle Grundvoraussetzungen besitzt, um ein Finanzzentrum und Investitionsmagnet nach Schweizer Vorbild zu werden, wenn es nur für ein günstigeres Investitions- und Handelsklima sorgen, die Korruption bekämpfen und innerkontinental Gelder auftreiben würde. "Es ist wichtig, dass wir uns strategisch richtig ausrichten und die Art von Investitionen zulassen, wie sie die Menschen in der Schweiz tätigen dürfen", meinte er.

Nach Angaben der Weltbank waren unter den 50 Volkswirtschaften, die 2013 ihre regulatives Geschäftsumfeld verbessert haben, 17 afrikanische Staaten, von denen acht noch vor China, elf noch vor Russland und 16 noch vor Brasilien gelistet sind. (afr/IPS)

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