Afrika: Beste Wirtschaftsaussichten

Doch an die Milliarden kommen die Armen nicht heran

Von Miriam Gathigah und Jeffrey Moyo | 22.01.2014

Nairobi/Harare. Mit einer zwei Billionen US-Dollar starken Wirtschaftskraft, den jüngsten Mineral- und Ölfunden und den enormen Möglichkeiten, die der Kontinent für internationale Investoren zu bieten hat, verliert Afrika langsam aber sicher das Image des 'verlorenen Kontinents'. Doch arme Bevölkerungsschichten profitieren vom Aufschwung bislang kaum.

"Während die globalen Direktinvestitionen abnehmen – sie fielen 2012 um 18 Prozent – sind sie in Afrika um fünf Prozent gestiegen", rechnet Ken Ogwang vor, Wirtschaftsexperte der Allianz der Privatwirtschaft (KEPSA), einem Zusammenschluss von mehr als 60 Unternehmen.

Seit 2012 wurden in Kenia reiche Bodenschätze entdeckt. Dazu gehört der Fund von Nobium im Wert von 62,4 Milliarden Dollar. Nobium wird für Edelstahllegierungen verwendet, etwa bei der Herstellung von Kernreaktoren, Projektilen, Rohren und Schweißdrähten. Durch das Lager im Landkreis Kwale steigt Kenia in die Riege der Länder auf, die die weltweit fünf größten Lagerstätten seltener Erden besitzen. Kenia entert einen Markt, der von China dominiert wird.

Ebenfalls 2012 wurden im Kreis Turkana, einer der ärmsten Regionen des ostafrikanischen Landes, 600 Millionen Barrel Erdöl entdeckt. Am 15. Januar hieß es, dass sich zwei weitere Felder als ölreich herausgestellt und die kenianischen Gesamtreserven somit eine Milliarde Barrel erreicht hätten.

"Die jüngsten Funde in Ländern wie Niger, Sambia und Sierra Leone werden Milliarden Dollar an ausländischen Direktinvestitionen anziehen. Auch Staaten wie Mosambik, Tansania und Uganda dürfen aufgrund ihrer Erdölfunde auf Einnahmen in Milliarden-Höhe hoffen", berichtet Antony Mokaya von der Kenianischen Land-Allianz, einem Dachverband lokaler Nichtregierungsorganisationen und Aktivisten, die für eine Landreform eintreten.

Löwenstaaten im Anmarsch

Im letzten Jahr hatten Uganda und Mosambik Öl entdeckt. War man im Westen Ugandas bereits 2006 auf zwei Milliarden Barrel Öl gestoßen, trieben die Ölfunde im letzten Jahr die Ölvorräte auf 3,5 Milliarden Barrel in die Höhe. Ogwang geht davon aus, dass die afrikanischen Länder aufgrund dieser Funde die Liste der 15 schnellstwachsenden Volkswirtschaften der Welt anführen werden.

"Mehr afrikanische Länder, mit Kenia als ostafrikanischem Modellstaat, werden einer marktorientierten Wirtschaft frönen. Innerhalb dieses Systems sind Angebot und Nachfrage die treibenden Markttrends. Das Investitionsklima ist gut für alle", meint Ogwang und verweist auf die Entwicklung der Mobiltelefonindustrie. In den ersten elf Monaten 2013 bewegte der Sektor 19,5 Milliarden Dollar – 1,1 Milliarden Dollar mehr, als dem kenianischen Haushalt derzeit zur Verfügung steht.

Und was nach Ansicht von Ogwang noch wichtiger ist: die afrikanischen Länder stärken ihre Partnerschaften mit dem Osten. Zahlen des Afrikanischen Wirtschaftsausblicks, der umfassende Daten über afrikanische Volkswirtschaften liefert, zeigen, dass China der größte Absatzmarkt afrikanischer Exporte ist. Es importiert ein Viertel der regionalen Exporte. Der Handel mit Brasilien, Russland, Indien und China, den sogenannten BRIC-Staaten, hat einen Anteil an den afrikanischen Exporteinnahmen von 36 Prozent beziehungsweise 144 Milliarden Dollar. 2002 waren es noch neun Prozent gewesen. Hingegen erwirtschaftet der afrikanische Handel mit der gesamten EU und den USA zusammengenommen 148 Milliarden Dollar.

Doch Terry Mutsvanga, Leiter der simbabwischen Koalition gegen Korruption, befürchtet, dass ohne eine Bekämpfung der Korruption die Bevölkerung von den Ressourceneinnahmen unwesentlich profitieren wird. Laut Weltbank lebt jeder zweite Afrikaner in extremer Armut. "Ohne das Krebsgeschwür der politischen Korruption zu entfernen, das Afrika um seine Rohstoffeinnahmen prellt, wird der Kontinent auch weiterhin die höchsten Armutsraten weltweit aufweisen", warnt Mutsvanga gegenüber IPS.

"Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer"

Der unabhängige Wirtschaftsanalyst aus Simbabwe, Jameson Gatawa, schließt sich der Meinung an. "Die illegalen Geschäfte mit Diamanten und anderen Rohstoffen haben die Armut nur weiter befeuert. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer", sagt er.

Für die 54-jährige Witwe Sarudzai Mutavara, die inmitten der Marange-Diamantenfelder in Simbabwe lebt, ist die Armut eine Realität geblieben. Simbabwe gehört zu den zehn größten Diamantenproduzenten der Welt. Doch sechs von zehn Haushalten in dem 13 Millionen Menschen zählenden Land leben in bitterer Armut, wie Simbabwes Statistikamt in einem Bericht vom letzten Jahr hervorhebt. "Hier in Marange hat der Diamantenreichtum unser Leben nicht verbessert, sondern vielmehr verschlechtert", meint Mutavara.

Die Demokratische Republik Kongo (DRC), ein ebenfalls diamantenreiches Land, besitzt Rohstoffe im Wert von mehreren Billionen Dollar. Doch der UN zufolge leben drei Viertel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die Hälfte dieser Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser oder einer grundlegenden Gesundheitsversorgung. Drei von zehn Kindern sind unternährt. Bis zu 20 Prozent von ihnen werden den Prognosen zufolge ihren fünften Geburtstag nicht erleben.

Auch wenn wirtschaftlich gesehen Afrika die besten Jahre noch bevorstehen, bleibt abzuwarten, ob die vielen Milliarden Dollar aus den Einnahmen der Rohstoffexporte bis zu Mutavara und anderen Menschen durchkommen. (afr/IPS)

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