Afrika: Bedeutung von Kleinbergbau wächst

Sektor fordert rechtlliche Anerkennung

Von Issa Sikiti da Silva | 05.04.2013

Dakar. Der Kongolesin Elizabeth Tshimanga hat der Kleinbergbau zu Wohlstand verholfen. Doch auf dem langen Weg zum Erfolg musste sie etliche Hürden nehmen. Ganze 25 Jahre alt war sie gewesen, als sie sich in der Region Kasai in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) auf Diamantensuche begab.

Später verschlug es Tshimanga ins benachbarte Angola, wo sie sich mit den größten Herausforderungen konfrontiert sah. "Wir wurden von den Sicherheitskräften schikaniert und festgenommen", berichtet die inzwischen 50-Jährige. Viele Frauen hätten mit sexuellen Gefälligkeiten versucht, Ärger vorzubeugen. Wer nicht spurte, musste damit rechnen, in den Bush verschleppt und vergewaltigt zu werden. "Doch das Leben geht weiter", sagt sie beim Einchecken in ein Flugzeug von der senegalesischen Hauptstadt Dakar nach Brüssel, wo sie einige Verträge abschließen will.

Inzwischen hat Tshimanga ein kleines Unternehmen aufgebaut. Sie beschäftigt zehn Bergleute – sechs in der DRC und vier in Angola. Doch die Schikanen und Schwierigkeiten, an Förderlizenzen heranzukommen, gehen weiter. Das gilt auch für die Vergewaltigungen. "Solange die Regierungen den Kleinbergbau nicht als reguläre Tätigkeit betrachten, werden die Probleme fortbestehen." Nach Angaben des Südafrikanischen Instituts für internationale Angelegenheiten (SAIIA) beschäftigt der Kleinbergbau afrikaweit acht Millionen Menschen, die weitere 45 Millionen Menschen ernähren.

Gefesselter Zwerg

Dem Institut zufolge ist die Zahl der Diamantensucher zwischen 2004 bis 2007 von einigen wenigen auf 35.000 angestiegen. In Ghana trugen die Schürfer im Jahr 2000 zu neun Prozent der gesamten Goldproduktion bei. 2010 waren es dann bereits 23 Prozent. Mehr als eine Million Ghanaer sind vom Kleinbergbau abhängig.

Nach Erkenntnissen der Kulturanthropologin Marieke Heemskerk, die sich seit 30 Jahren mit dem Thema befasst und über Goldsucher in Lateinamerika, Nordamerika, Nigeria und Senegal recherchiert, ist das größte Problem, mit denen die Beschäftigten des Kleinbergbaus zu kämpfen haben, ihr rechtlicher Status. "Es ist sehr schwierig, ohne Bergbaugenehmigung in eine eigene Mine zu investieren", sagt sie. "Banken vergeben in solchen Fällen keine Kredite und die Kleinunternehmer selbst wissen nie, ob sie an einem bestimmten Ort bleiben dürfen", so die Expertin.

"In vielen Ländern zeichnen sich die Lizenzierungsverfahren durch Langwierigkeit, Bürokratie, Komplexität, fehlende Transparenz und häufig Korruption aus. Das bedeutet, dass vor allem wohlhabende und einflussreiche Personen Genehmigungen erhalten. Die Armen im Hinterland hingegen, die nicht auf die erforderliche politische Unterstützung bauen dürfen, gehen leer aus", so die Expertin.

Diese Erfahrung hat auch Tshimanga gemacht. "Du musst schon gute politische Kontakte haben, um an eine Lizenz zu kommen. Und wenn du dann noch eine Frau bist, bleibt dir oft nichts anderes übrig, als mit hochrangigen Beamten anzubändeln, um überhaupt eine Chance zu haben."

SAIIA zufolge ist der Kleinbergbau den Regierungen und großen Bergbaukonzernen ein Dorn im Auge. Kleinbergleute sind häufig in entlegenen, unübersichtlichen und ökologisch sensiblen Gebieten aktiv. Es ist schwierig, sie steuerlich zur Kasse zu bitten. Außerdem stellen sie eine Sicherheitsgefahr dar, da sie häufig am Rande der Produktionsstätten der großen Betriebe arbeiten.

"An vielen Orten werden Bergleute, die keine Titel besitzen, mit Sprengstoffanschlägen oder vom Militär vertrieben", berichtet Heemskerk, die in Suriname im Norden Südamerikas lebt. "Oder aber ihre Ausrüstung wird zerstört."

Der Senegalese Adama Dieng hat mit dem Kleinbergbau in Angola ein kleines Vermögen gemacht. Inzwischen ist er stolzer Besitzer eines dreistöckigen Gebäudes, hat in Dakar drei kleine Mini-Supermärkte eröffnet und verfügt in ganz Westafrika über gute Geschäftskontakte. Vier seiner Kinder hat er inzwischen nach Europa geschickt. Fünf haben eine Schulbildung genossen.

Schürfen im Bürgerkrieg

Doch der Reichtum ist teuer erkauft. Denn Diengs Diamantensuche fand inmitten des angolanischen Bürgerkriegs (1975-2002) statt. "Wir sahen uns mit allen möglichen Gefahren konfrontiert", sagt er. "Wir wurden festgenommen, von Rebellen und Soldaten misshandelt und erpresst. Wir schwebten dauernd in Lebensgefahr. Kein Wunder, dass der Kleinbergbau zu den gleichzeitig gefährlichsten und einträglichsten Einnahmequellen zählt." Den Regierungen und den großen Bergbaukonzernen wirft er vor, den Kleinbergbau als Arbeitgeber für so viele Menschen nicht angemessen wertzuschätzen.

"Die Böden gehören allen Bürgern, doch Staaten und Großunternehmen wollten alles für sich. Die meisten Afrikaner sind arm, doch für sie wird nichts getan", kritisiert Dieng. "Wir leiden, während Politiker und Firmenbosse in Saus und Braus leben. Warum geben sie uns nicht eine Chance, unser Leben zu verbessern?"

Nach Ansicht von Sarah Best vom 'International Institute for Environment and Development' (IIED), einer Organisation zur Förderung nachhaltiger Entwicklungsmöglichkeiten mit Sitz in London, sollten Regierungen und Großunternehmen die Produktivität des Kleinbergbaus als wichtigen Beitrag zur Armutsbekämpfung anerkennen und legalisieren. "Bisher lassen die Regierungen die kleinen Schürfer am langen Arm verhungern."

Der Kulturanthropologin Heemskerk zufolge wäre die Legalisierung und Formalisierung des Kleinbergbaus ein erster Schritt, um die gesundheitlichen, sozialen und ökologischen Probleme im Sektor zu beheben. "Man kann Menschen nicht regulieren, wenn sie in die Illegalen-Schublade gesteckt werden", meint sie. "Wir dürfen auch nicht vergessen, dass der Kleinbergbau Millionen armer Menschen, die keine Alternativen haben, ein Auskommen verschafft."

Heemskerk zufolge bietet der Kleinbergbau einen Ausweg aus zahlreichen sozioökonomischen Problemen. "Er verringert die Stadtflucht und damit die Ausweitung der städtischen Slums und fördert den Konsum, da die Bergleute so gut wie alle ihre Einnahmen in dem Land, in dem sie schürfen, ausgeben." (afr/IPS)

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