Afrika: Auf den Klimawandel reagieren

Innovative Lösungen in der Landwirtschaft gefragt

Von Xavi Fernández de Castro | 26.10.2014

Nairobi. Seit 40 Jahren baut Josephine Kakiyi Mais, Bohnen und Gemüse auf ihrem kleinen Feld in Kwa Vonza im semi-ariden Landkreis Kitui im Osten Kenias an. Heiß ist es hier schon immer gewesen. Doch der Farmerin ist aufgefallen, dass die Niederschläge schwächer und unregelmäßiger werden. In den meisten anderen afrikanischen Staaten stehen Hunderttausende Bauern vor ähnlichen Problemen.

A young girl digs a 'zai pit' in order to improve the productivity of her family farm in Kitui County, eastern Kenya. Credit: Xavi Fernández de Castro/IPSEine junge Frau bei der Feldarbeit im Landkreis Kitui im Osten Kenias (Bild: Xavi Fernández de Castro/IPS).

Experten in aller Welt machen dafür größtenteils den Klimawandel verantwortlich. Laut dem fünften Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC besteht "ein breiter Konsens darüber, dass der Klimawandel die Nahrungssicherheit in Afrika negativ beeinflussen wird." Der Report hält außerdem fest, dass "Überschwemmungen, Dürren, Verschiebungen bei den Regenzeiten und den Niederschlagsmengen und hohe Temperaturen, die mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden, die Produktivität der Land- und Viehwirtschaft direkt beeinflussen könnten".

Mehr als 220 Millionen Afrikaner unterernährt

Treten solche Phänomene geballt auf, könnte es auf dem Kontinent, dessen Bevölkerung sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln wird, zu unzähligen Krisen kommen. Der diesjährige Welternährungsbericht des UN-Ernährungsprogramms (WFP), der Weltagrarorganisation (FAO) und des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) geht davon aus, dass 227 Millionen Afrikaner beziehungsweise ein Fünftel der Bevölkerung des Kontinents unterernährt sind. Gleichwohl ist die Prävalenz von Unterernährung seit 1990 von 27,7 Prozent auf derzeit 20,5 Prozent zurückgegangen.

In Kenia ist die Ernährungssicherheit für mindestens 10,8 Millionen Einwohner ein Problem, obwohl der Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung in den letzten 25 Jahren von 33 auf 24,3 Prozent gesunken ist.

Unklarheit herrscht in der Frage, in welchem Ausmaß die Klimaveränderungen die Nahrungssicherheit gefährden. "Der Klimawandel verschärft das Problem, ist jedoch nicht die grundlegende Ursache von Nahrungsunsicherheit und Hunger", betont der WFP-Berater in Kenia, Randall Purcell. "In weiten Teilen des Landes war es schon immer heiß und trocken. Dadurch wird Kenia noch anfälliger für Dürren werden."

Schwere Dürre alle drei Jahre

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten jedoch, dass seit 15 Jahren Trockenperioden rascher aufeinander folgten und sich noch schwerer prognostizieren ließen, erklärt Purcell. "Vorher konnte man davon ausgehen, dass es alle fünf bis sieben Jahre zu einer schweren Dürre kommen würde. Inzwischen ist dies alle drei Jahre der Fall."

Ähnliches gilt für Niederschläge. Der Weltklimarat spricht von einem leichten Anstieg der Niederschlagsmenge in Ostafrika, rechnet aber zugleich mit unregelmäßigeren Regenfällen. Es wird also immer schwieriger vorherzusehen, wann, wo und wie stark es regnen wird.

In den meisten afrikanischen Staaten liegen kaum zuverlässige Wetterdaten vor, was nach Ansicht von Luca Alinovi, dem FAO-Vertreter in Kenia, ein realistische Einschätzung erschwert, ob ein bestimmtes Ereignis mit einem strukturellen Wandel in Verbindung steht oder nur Teil eines Zyklus ist, der sich alle paar Jahrzehnte wiederholt.

Frühwarnsystem auf Bezirksebene in Kenia

Seit 2001 hat Kenia drei schwere Dürren erlebt. Inzwischen hat die halbstaatliche Nationale Behörde für den Umgang mit Dürren (NDMA) ein Frühwarnsystem auf Bezirksebene etabliert, das die Behörden befähigen soll, noch vor den schlimmsten Dürreausprägungen in Aktion zu treten.

Das Frühwarnsystem ist aber nur die halbe Lösung. Ebenso wichtig ist Prävention. Dazu meint Alinovi, "dass der Klimawandel nicht nur eine Gefahr, sondern auch eine Chance darstellt". Eine innovative Landwirtschaft biete Bauern viele Lösungen an. Wenn es unregelmäßiger regne, gelte es Wege zu finden, Wasser zu speichern, um es in Krisenzeiten verfügbar zu machen. Auch gebe es dürreresistentere Feldfrüchte als Mais, sagte er und nannte Hirse als Beispiel.

Auf ihrem nur 0,3 Hektar großen Acker arbeitet Kakiyi nach der aus Westafrika stammenden Zaï-Methode. Sie gräbt kleine Löcher und füllt sie mit einer Mischung aus Erdreich und Gülle. Auf diese Weise können die Niederschläge in Regenzeiten leichter ins Erdreich eindringen. Mit dieser arbeitsintensiven aber kostengünstigen Technik konnte Kakiyi die Erträge ihres Feldes um das Zehnfache steigern. (afr/IPS)

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