Äthiopien: Mit Honig und Seide gegen die Jugendarbeitslosigkeit

Neues Projekt setzt in ländlichen Region auf Bienenzucht und Serikultur

Von Munyaradzi Makoni | 17.05.2016

Addis Abeba. In den ländlichen Regionen Äthiopiens haben Jugendliche kaum Berufschancen. Ein neues Programm will Jugendarbeitslosigkeit mit Unternehmertum bekämpfen: Durch Bienenzucht und Seidenbau sollen Erwerbsmöglichkeiten für 12.500 junge Menschen geschaffen werden. Von der Initiative profitieren aber noch viel mehr Menschen.

Seidenraupen in ÄthiopienSeidenraupen sind in Äthiopien zunehmend nachgefragt: Ein Kilo erzielt auf lokalen Märkten einen Preis zwischen drei und fünf US-Dollar. (Bild: Brendan Bannon, The MasterCard Foundation/IPS)

Die Zucht von Bienen hat in Äthiopien eine lange Tradition. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen wurde in dem ostafrikanischen Land bereits vor ca. 5.000 Jahren Honig gewonnen. Seidenbau (Serikultur) gewinnt vor allem durch die äthiopische Textilindustrie an Bedeutung, die von der Regierung stark gefördert wird.

Alemayehu Konde Koira ist in der globalen Stiftung The MasterCard Foundation für Projekte zur Förderung von Jugendlichen zuständig. Er sieht in der Zucht von Bienen und Seidenraupen große Chancen: "Mit der richtigen Unterstützung können die Produktion von Honig und Seide sowie Tätigkeiten an den jeweiligen Wertschöpfungsketten zu Schlüsselsektoren für die Zukunft von jungen Menschen werden."

Jugendliche in ländlichen Regionen benachteiligt

Das International Centre of Insect Physiology and Ecology (icipe) hat mehr als 20 Jahre Erfahrung im Aufbau von Bienen- und Seidenraupenzüchtungen in den drei äthiopischen Verwaltungsregionen Tigray, Oromia und Südliche Nationen, Nationalitäten und Völker. Anfang März haben icipe und MasterCard das neue Programm Young Entrepreneurs in Silk and Honey vorgestellt, das Unternehmensgründungen für Jugendliche in diesen Bereichen unterstützen will. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollen etwas mehr als zehn Millionen US-Dollar investiert werden.

Zielgruppe der Initiative sind Jugendliche auf dem Land und in städtischen Randgebieten. In diesen Gegenden haben es junge Menschen besonders schwer, ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften. icipe-Direktorin Segenet Kelemu ist überzeugt, dass der Ansatz Früchte tragen wird: "Wir wollen das Potenzial von Honig- und Seidenprodukten nutzen, um die Gründung von Unternehmen zu unterstützen, die im Besitz von äthiopischen Jugendlichen sind und Einkommen schaffen." Auch Nebenprodukte wie Bienenwachs, Gelée Royale und Propolis könnten für den Lebensunterhalt von jungen Männern und Frauen sorgen, meint die icipe-Direktorin.

Kelemu glaubt, dass auch in der Umstellung von traditioneller auf moderne Bienenzucht viel Potenzial schlummert. Sie betont, dass moderne Bienenstöcke einen Ertrag von 20 Kilogramm Honig in hoher Qualität bringen würden. Im Vergleich dazu kämen traditionelle Bienenstöcke nur auf sechs bis acht Kilogramm Honig.

Technische Grundausstattung und Know-how-Transfer

Die Auswahl der jungen Unternehmer im Alter von 18 bis 24 Jahren erfolgt durch das Ministerium für Frauen, Jugendliche und Kinder in Zusammenarbeit mit anderen Regierungsabteilungen. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Verwaltungsregionen Amhara und Südliche Nationen, Nationalitäten und Völker. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass die zukünftigen Entrepreneure das zehnte Schuljahr abgeschlossen haben.

"In dem Projekt wird Forschung und Technologie zugunsten von jungen Menschen und lokalen Gemeinschaften angewendet", sagt Alemayehu Konde Koira von MasterCard. Die jungen Unternehmer erhalten eine Startausrüstung wie z. B. moderne Bienenstöcke, Honigschleudern oder Webstühle für das Seidengarn. Neben der technischen Ausstattung steht die Vermittlung von Fachwissen in Produktion, Verarbeitung und Marketing sowie Know-how in Sachen Unternehmensführung im Mittelpunkt.

Koira geht davon aus, dass das Projekt Beschäftigungsmöglichkeiten für 12.500 junge Menschen schaffen wird. Weitere 25.000 Menschen sollen entlang der Wertschöpfungskette des Programms profitieren. Darüber hinaus soll das Projekt für 80.000 Menschen indirekt positive Effekte erzielen, sagt Kelemu. Durch Bestäubung würden Bienen die die Vielfalt des Ökosystems begünstigen und damit zur Steigerung der Ernährungssicherheit der lokalen Bauern beitragen, so die icipe-Direktorin. (afr/IPS)

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