Äthiopien: Heimkehrer entwickeln die Somali-Region

Städte gelten als weitgehend sicher

Von William Lloyd-George | 09.04.2013

Jijiga. Mehr als zwei Jahrzehnte litt die Somali-Region im Osten Äthiopiens unter den Folgen eines zermürbenden Guerillakriegs. Doch in den letzten Jahren hat sich die Sicherheitslage merklich entspannt. Das ist für viele Menschen in der Diaspora ein Grund, in die Heimat zurückzukehren – und Entwicklungsarbeit zu leisten.

Seit geraumer Zeit versucht die Regionalregierung, die ins Ausland emigrierten Landsleute zurückzuholen. Die Überzeugungsarbeit zeigt Wirkung. "Jahrelang glaubte ich, dass eine Rückkehr viel zu gefährlich sei", berichtet Zara Wale Abas, die lange Zeit in Dänemark lebte. "Als uns der Vizepräsident der Somali-Region Bilder von den Fortschritten zeigte, war ich wirklich überrascht und interessiert, mir vor Ort selbst ein Bild zu machen."

Abas, die Jijiga, die Hauptstadt der Somali-Region, als unterentwickelt und von der Welt vergessen in Erinnerung hatte, war nicht die einzige, die der Anblick von Krankenhäusern, Straßen, Schulen und Brücken neugierig machte. Tatsächlich sind in den vergangenen zwei Jahren rund 300 Emigranten zurückgekehrt, um ständig oder zeitweise an Entwicklungsprojekten mitzuwirken.

Abas ist seit 2011 zurück und hat sich an dem Bau eines Hotels für Ökotouristen beteiligt. "Auch wenn es bisher erst wenige sind, die heimgekehrt sind – für uns alle war dies ein unerhört mutiger Schritt", beteuert sie.

Vorwürfe gegen Ogaden-Befreiungsfront 

Axmed Maxamad Shugri, Leiter der Regionalbehörde, die den Heimkehrern bei der Wiedereingliederung hilft, macht die Ogaden-Befreiungsfront oder ONLF für die lange Abwesenheit seiner Landsleute verantwortlich. "Die ONLF stellt die Somali-Region nach wie als Kriegsschauplatz dar. Das ist der Grund, warum viele noch immer nicht eine Heimkehr in Erwägung ziehen."

Die ONLF besteht weitgehend aus ethnischen Somalis vom Clan der Ogadeni-Darod, die seit dem Sturz des äthiopischen Diktators Mengistu Haile Mariam 1991 für einen eigenen unabhängigen Ogaden kämpfen. Über fast zwei Jahrzehnte währte der blutige Konflikt. Inzwischen führt die ONLF Friedensgespräch mit der Regierung. Nach Angaben der Regionalregierung hat eine regionale Miliz, die sogenannte Liyu-Polizei, dazu beigetragen, dass die ONLF in den letzten Jahren an Stärke verloren hat.

Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Ogaden-Befreiungsfront und der äthiopischen Armee forderten nicht nur Menschenleben, sondern hemmten jede Entwicklung. Verheerend wirken sich auch die Dürren aus, die die Somali-Region heimsuchen. Viele der fünf Millionen Einwohner der Somali-Region sind Hirten, die schwer unter der Abwesenheit von Frieden und Wasser zu leiden hatten.

Ahmed Haybe Mohamoud ist ein Geschäftsmann, der 30 Jahre lang in Frankfurt am Main zu Hause war. Wie er gegenüber IPS erklärte, hatten auch ihn die bewaffneten Kämpfe davon abgehalten, in seine Heimatregion zurückzukehren. Doch inzwischen seien die größeren Städte sicher. "Ich denke, dass es an der Zeit ist, in die Region zu investieren." Mohamoud hat sich mit vielen seiner auf der ganzen Welt verstreuten Verwandten zusammengetan, um Jijigas erstes Fünf-Sterne-Hotel zu bauen.

Jamal Arab und seine Familie hatten im US-Bundesstaat Minnesota eine neue Heimat gefunden. Vor kurzem entschlossen sie sich zur Heimkehr. In Fafan, einem Dorf rund 30 Kilometer von Jijiga entfernt, bauen er und vier weitere Investoren einen riesigen Fleischereibetrieb auf. "Das Unternehmen wird vielen Menschen in der Region zu einem Einkommen verhelfen", sagt er stolz.

Bauboom als Zeichen der Sicherheit

Arab zufolge wäre das Projekt ohne die neue Straße, die das Dorf mit Jijiga und einigen größeren Städten in der Nähe von Addis-Abeba verbindet, gar nicht möglich gewesen. In Jijiga gibt es inzwischen ein Krankenhaus und eine Universität. Einkaufszentren, Hotels und Restaurants sind im Entstehen. "Dass die Region sicher ist, lässt sich an dem Bauboom erkennen", meint Abdullahi Yusuf Werar, der Vizepräsident der Region. "Es ist an der Zeit, dass alle zurückkehren, in ihre Heimatregion investieren und ihren Leuten helfen."

Doch nicht nur Investoren zieht es heim. Es kommen viele, um ihr im Ausland angeeignetes Fachwissen weiterzugeben. Mahad Musse ist in Finnland aufgewachsen und hat dort Medizin studiert. "Lange war ich der Meinung gewesen, dass ich unmöglich hierherkommen könnte", erzählt der Chirurg. Jetzt baut er in Jijiga eine Klinik auf.

Doch trotz aller Erfolge wird die Region nach wie vor von Armut regiert. Auch in diesem Jahr steht eine Dürre an, unter der vor allem die Landbevölkerung zu leiden haben wird. Die große Mehrheit der lokalen Bevölkerung bezieht ihr Wasser aus Flüssen und anderen unsicheren Quellen. Strom ist nicht vorhanden.

Zwar haben sich die Rebellen weitgehend aus den Städten zurückgezogen, doch in den ländlichen Gebieten sind sie nach wie vor präsent. Jede Entwicklung hängt dort von der Bereitschaft der ONLF und der äthiopischen Regierung ab, Frieden zu schließen. Doch allein die Tatsache, dass viele Landsleute aus der Diaspora heimkehren, mache der lange vergessenen Lokalbevölkerung Mut, so ein Professor, der sich Anonymität ausbat. (afr/IPS)

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