Der verleumdete Kontinent: Vortrag zur Afrika-Berichterstattung

Deutschsprachige Medien berichten über Afrika mit getrübtem Blick: Eingelernte Stereotype und redaktionelle Auswahlkriterien führen zu den immergleichen Standarderzählungen. Der Vortrag von Martin Sturmer diskutiert aktuelle Berichterstattungsmuster und zeigt konkrete Alternativen auf. 

Afrika interessiert medial vor allem dann, wenn Krisen, Kriege und Krankheiten auftreten. Positive Nachrichten finden hingegen kaum Niederschlag. Die einseitige Berichterstattung hat erhebliche Folgen: Sie erschwert die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit, unterminiert die Integrationsbemühungen von Menschen aus afrikanischen Ländern und beeinträchtigt die Akzeptanz von Entwicklungszusammenarbeit. 

In seinem Votrag beleuchtet der Afrikanist und Kommunikationswissenschaftler Martin Sturmer die Hintergründe für die verzerrte Berichterstattung. Denn über Afrika grassieren viele Irrtümer, so der bekannte Historiker Joseph Ki-Zerbo im Jahr 1978: "Die meisten dieser Irrtümer ergeben sich offensichtlich aus den Vorurteilen ihrer Urheber."

Sturmer analysiert die gängigen Narrative seit dem Ende der Kolonialzeit und gibt Einblicke in die internationale Nachrichtenproduktion. Außerdem beschäftigt er sich mit dem Einfluss der unterschiedlichen Akteure, wie Auslandskorrespondent*innen, Celebrities und NGOs.

Als Alternative plädiert Sturmer für einen Perspektivenwechsel: Gut ausgebildete afrikanische Journalist*innen sollen selbst über ihre Heimatländer berichten. Diesen Ansatz verfolgt er bei seiner Nachrichtenagentur afrika.info.

Der Vortrag kann auch online auf gängigen Webinar-Lösungen (z. B. Zoom, MS Teams etc.) durchgeführt werden.

Inhalt des Vortrags

  • Von der Kongo-Krise bis Corona: Narrative der Afrika-Berichterstattung
  • Warum Medien über Afrika so verzerrt berichten
  • Augenzeugen der Katastrophe: Akteure der Berichterstattung und ihre Motivation
  • "Africa rising": Warum wir eine neue Wahrnehmung brauchen
  • Der Perspektivenwechsel: Afrikanische Journalist*innen sind gefragt

  • Literatur von Martin Sturmer zur Afrika-Berichterstattung

    • Afrika! Ein Plädoyer für eine differenzierte Berichterstattung. Konstanz: UVK 2013
    • Von Lumumba bis Ebola. Standarderzählungen in der österreichischen Afrika-Berichterstattung (1960-2015). In: Medien und Zeit, 2/2016, S. 18-31, Wien: Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung.
    • Viel Abgrund, wenig Zuversicht. Die Corona-Pandemie in Afrika im Spiegel der Medien. In: Indaba, 107/20, S. 12-13, Wien: SADOCC.

    Sie möchten mehr erfahren?

    Sehr gerne stehe ich für Ihre Rückfragen zur Verfügung.

    Dr. Martin Sturmer
    t +43 699 1135 33 99
    e ms@afrika.info