Tansania: Witwen erhalten Haus und Hof zurück

600 Freiwillige vertreten Frauen in Landrechtsfragen

Von Kizito Makoye | 08.02.2017

Mufindi (IDN/afr) - Im Dorf Kiyowela im Bezirk Mufindi in der zentraltansanischen Region Iringa kann fest jede Witwe ein Lied davon singen: Nach dem Tod ihres Ehemannes wurde sie von den Angehörigen aus dem Haus getrieben. Nun verhilft eine Initiative den Frauen zu ihrem Recht.

Zaituni Lekiza kann dank der Unterstützung von freiwilligen Rechtsberatern wieder in ihrem Haus wohnen. (Bild: Kizito Makoye/IDN) 

Zaituni Lekiza erinnert sich gut an das Unrecht, das ihr nach dem Tod Ihres Mannes vor zwei Jahren widerfahren ist. Ihr Schwiegervater gab ihr die Schuld am Tod seines Sohnes. Kurzerhand warf er die 39-jährige Mutter von zwei Kindern aus dem Haus.

"Mein Mann wurde krank und starb, aber alle in der Familie gaben mir dafür die Verantwortung", erzählt Lekiza, die mit ihrem Mann acht Jahre lang verheiratet war. Nebenbei erwähnt sie, dass auch ihr Schwager in dem Erbstreit eine wichtige Rolle spielte: Dieser wollte das Farmland ihres verstorbenen Mannes übernehmen.

Lekiza stand vor dem Scherbenhaufen ihrer Existenz. Vor etwa einem Jahr konnte sie allerdings neue Hoffnung schöpfen. Freiwillige der Organisation Haki Ardhi  - der Name bedeutet übersetzt "Landrechte" - halfen ihr, auf dem Rechtsweg wieder in Besitz des Hauses und der Felder zu gelangen.

"Wir gingen vor das Bezirksgericht, und der Richter entschied zu meinen Gunsten", berichtet Lekiza erleichtert. "Mein Schwiegervater wurde angewiesen, mir alles zurückzugeben. Ich bin jetzt sehr glücklich, weil meine Kinder einen Platz zum Leben haben und unsere Zukunft besser aussieht."

Frauen haben kaum Landbesitz

Lekizas Geschichte ist nur ein Beispiel unter vielen. Laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) liegt der Frauenanteil im Agrarsektor des ostafrikanischen Staates bei 70 Prozent, das Land gehört aber großteils ihren Männern. Obwohl die Gesetze in Tansania Frauen ein Recht auf Landbesitz einräumen, wird der Anspruch in der Praxis durch traditionelle Rollenbilder beschränkt.

"Männer respektieren dich nur, solange dein Mann lebt", sagt Lekiza, "stirbt er, ist jeder gegen dich." Die junge Witwe ist den Freiwilligen von Haki Ardhi dankbar: "Ich hätte kein Haus mehr, wenn sie nicht eingegriffen hätten, und müsste jetzt ein schlechtes Leben führen."

Haki Ardhi wurde 1994 gegründet, um das Bewusstsein für eine gerechte Verteilung des Landbesitzes zu schärfen. Das Freiwilligen-Programm startete im Jahr 2012 - mittlerweile hat die Organisation ein 600-köpfiges Netzwerk an Freiwilligen ausgebildet, die in 300 Dörfern arbeiten.

Freiwillige werden demokratisch gewählt

Der Einsatz von Haki Ardhi ist von den örtlichen Behörden anerkannt. Die ehrenamtlich Engagierten werden von den Dorfbewohnern demokratisch gewählt. Im Anschluss daran erhalten die Freiwilligen eine Ausbildung, die sie zu Experten in Sachen Landrecht macht.

Nicht alle Fälle landen wie jener von Zaituni Lekiza vor Gericht. Die freiwilllige Landrechtsberaterin Asia Kikoti aus dem Dorf Lukolongo meint, dass sie viele Streitigkeiten auch ohne Richter geschlichtet werden können. "Viele Frauen rufen mich an, wenn sie in einen Konflikt geraten", erzählt Kikoti, "ich rate ihnen oft zu einem außergerichtlichen Vergleich, um ein zeitraubendes Gerichtsverfahren zu vermeiden."

Dass die Vorgehensweise von Haki Ardhi fruchtet, bestätigt Godfrey Massay vom Tanzania Natural Ressources Forum in Arusha: "Erfolgreiche Interventionen zur Unterstützung der Dorfbewohner, vor allem Frauen, deuten darauf hin, dass dieser Ansatz über erhebliches Potenzial und hohe Reproduzierbarkeit verfügt." (Ende)

Anmerkung: IDN ist die Flaggschiff-Agentur des International Press Syndicate.

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